Mehr Platz fürs Rad

Fragebogenaktion an die Kandidatinnen für den Gemeinderat Villingen-Schwenningen

In einer Fragebogenaktion an alle Kandidatinnen der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen erfragte der ADFC Schwarzwald-Baar Ansichten und Einstellungen zum Radfahren und zur Radverkehrsinfrastruktur in Villingen-Schwenningen. 26 Kandidatinnen haben den Fragebogen ausgefüllt und an den ADFC Schwarzwald-Baar zurückgesandt. Die meisten Rückmeldungen kamen von Kandidatinnen der Parteien Bündnis 90/ Grüne und CDU.

In der ersten Frage wollte der ADFC Schwarzwald-Baar von den Kandidatinnen wissen, welche Einstellung diese persönlich zum Fahrradfahren haben. Von den 26 Rückmeldungen, waren 16 regelmäßig mit dem Fahrrad in VS unterwegs und 9 nur gelegentlich. Eine Aussage war „Radfahren im Stadtgebiet ist mir zu gefährlich“. Es gibt also Kandidatinnen mit Radfahrerfahrung in VS.
Gleichzeitig fällt auf, dass von den 16 Kandidatinnen, die häufig das Rad nutzen, nur 2 in Schwenningen, 1 in beiden Stadtbezirken und 13 in Villingen unterwegs sind. Aus Sicht des ADFC Schwarzwald-Baar ergibt sich daraus nur eine Schlussfolgerung, dass die Radinfrastruktur in Schwenningen deutlich schlechter als in Villingen ist.

Die zweite Frage befasste sich mit konkreten Ideen und Ziele zur Förderung des Radverkehrs und zur Verbesserung der allgemeinen Verkehrssituation in Villingen-Schwenningen.
Hier gab es Rückmeldungen der Kandidatinnen, wie die Trennung von Auto- und Radverkehr, die Forderung nach besseren Fahrradabstellanlagen, eine bessere Anbindung der Umlandgemeinden oder durchgängige Radwegeführung und Radnetz.
Diese Rückmeldungen entsprechen auch den Forderungen des ADFC Schwarzwald-Baar.

In der dritten Frage wollte der ADFC Schwarzwald-Baar wissen, ob die Kandidatinnen bereit wären, künftig dem Rad- und Fußverkehr in Villingen-Schwenningen die Priorität vor dem Autoverkehr einzuräumen.
Hierzu gab es differenzierte Rückmeldungen mit einer abwägenden Förderung der unterschiedlichen Verkehrsarten ÖPNV, Autoverkehr und Radverkehr. Die allermeisten Rückmeldungen sehen Entwicklungsbedarf bei ÖPNV und Radwegeinfrastruktur.

Danach wurden die Kandidatinnen befragt, welchen Anteil am innerstädtischen Verkehr der Radverkehr in 10 Jahren haben soll.
Alle möchten einen weiteren Ausbau des Radanteils am innerstädtischen Verkehr innerhalb der nächsten 10 Jahre. 15 Kandidatinnen haben sich auf konkrete Wachstumsziele festgelegt; diese reichen von einem Radverkehrsanteil von 25 % bis zu 80 %.

Zum Abschluss sollten die Kandidatinnen ihre drei größten Anliegen zur Verkehrsinfrastruktur in Villingen-Schwenningen nennen:
14 Rückmeldungen waren für die Stärkung des ÖPNV und nannten hier besonders die Verbesserung des Angebots und die Forderung nach günstigeren Preisen. 13 Nennungen gab es zur Verbesserung der Wegesituation für Fußgänger und Radfahrer; 11 Ausführungen zur Reparatur des Bestandes an Rad- und Autostraßen wurden gezählt. Eine Gesamtstrategie für den Radverkehr wurde in 2 Rückmeldungen gefordert.
Daneben fanden sich Einzelaussagen zum Lückenschluss B523/B33, zur Lärmverminderung, der Optimierung von Ampelschaltung, sowie Öffentlichkeitsarbeit für ein besseres gegenseitiges Verständnis.

Das Fazit des ADFC Schwarzwald-Baar:
Alle Kandidaten sprechen sich für Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger aus und präsentierten teilweise differenzierte Ideen und Ansätze.
Viele dieser Ideen und Ansätze decken sich mit den Kernforderungen des ADFC zur Entwicklung des Radverkehrs. Diese sind

  • Mehr Platz fürs Rad – die aktuelle Kampagne des ADFC
  • Erstellung eines Radverkehrsplan für Schwenningen und Villingen
  • Einbeziehung von professionellen Radverkehrsexperten bei allen Planungen
  • Steigerung des Radverkehrsanteil

Angesichts der Rückmeldung der Gemeinderatskandidatinnen aus der Umfrage hat der ADFC Schwarzwald-Baar die Hoffnung, dass zukünftig den Belangen von Fußgängern und Radfahrer eine deutlich höhere Priorität eingeräumt wird.

Die Detailergebnisse aus der Befragung werden – soweit von den Kandidaten zugelassen – hier zur Einsicht zur Verfügung gestellt.

Fahrradklimatest 2018

 

Mit diesem Motto war der Fahrradklimatest 2018 überschrieben. 190 Personen haben für Villingen-Schwenningen die 32 Fragen beantwortet und die Situation für Radfahrende insgesamt mit 4,1 bewertet. Im Schulnotensystem gerade noch ein ausreichend und schlechter als der Durchschnitt vergleichbarer Städte der Stadtgrößenklasse mit 4,0.
Wirklich gute Noten für das Fahrradklima gab es deutschlandweit ganz selten; selbst Gewinnerstädte erreichen oftmals nur befriedigende Noten.
Positiv nimmt sich heraus, dass Villingen-Schwenningen eine der wenigen Kommunen in Baden-Württemberg ist, die sich im Vergleich zum letzten Fahrradklimatest 2016 in der Gesamtbewertung um 0,3 Notenpunkte verbessern konnte. Dies zeigt sich auch in den Einzelbewertungen, die meist deutlich besser bewertet wurden als in den zurückliegenden Fahrradklimatest-Befragungen.
Die beste Beurteilung mit 2,6 wird dem Punkt "Erreichbarkeit des Stadtzentrums" gegeben, und ist damit 0,9 Notenpunkte besser als vor zwei Jahren. Das Fahrrad ist das ideale Verkehrsmittel, um in die Stadt zu fahren und kurze Wege zurückzulegen. Die vorhandenen Abstellanlagen werden mit 3,9 besser bewertet als im letzten Fahrradklimatest, diese Bewertung bietet aber noch deutlich Luft nach oben. So werden in den Freitextantworten der Teilnehmenden vorhandene
Abstellanlagen als nicht ausreichend, wenig einladend und auch verschmutzt beschrieben. Die Bahnhöfe mit den Möglichkeiten zum Umstieg auf den Öffentlichen Nahverkehr bieten hier ein besonders schlechtes Bild.
Radfahrenden ist die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer besonders wichtig, wie aus den Zusatzfragen zum Fahrradklimatest hervorgeht. Eine glatte 4 zeigt hier an, dass deutlicher Verbesserungsbedarf vorhanden ist. Bedürfnisse von Radfahrenden ernst nehmen, nach guten Lösungen in der Verkehrsinfrastruktur suchen, sind absolut notwendig,um Villingen-Schwenningen fahrradfreundlicher zu machen. Drei weitere Punkte sind Radfahrenden besonders wichtig: Das Sicherheitsgefühl beim Fahrradfahren, die Konfliktfreiheit zwischen Radverkehr und Autoverkehr und die Hindernisfreiheit auf Fahrradwegen.
Schutzstreifen oder Fahrradstreifen werden von Radfahrenden nicht als sichere Radverkehrsinfrastruktur wahrgenommen, wird in den Freitextantworten sehr häufig zurückgemeldet. Zusätzlich stehen Hindernisse wie Ampelmasten, Lichtmasten oder auch Absperrpoller den Radfahrenden im Weg oder aber Fahrradwege enden urplötzlich im nichts oder auf der Fahrbahn gemeinsam mit dem Autoverkehr. Es ist also zwingend notwendig Radverkehrsinfrastruktur zu verbessern und wo nötig neu zu schaffen, die nicht an irgendwelche Baumaßnahmen im Stadtbereich angegliedert sind. Ein Radverkehrskonzept ist hier zwingende Grundlage. Stadtentwicklungen wie neue Wohngebiete oder Gewerbegebiete gilt es mit guter Radverkehrsinfrastruktur auszustatten

Die drei schlechtesten Bewertungen- leicht verbessert zu 2016- haben die Plätze getauscht. Weiterhin fehlen bzw. sind Angebote zu Leihfahrrädern nicht bekannt. Diese stehen nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Die Leihfahrräder der Stadt Villingen-Schwenningen sind in VS-Villingen im Franziskaner sehr dezent, beinahe versteckt untergebracht- also für die Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar. Auch das ADFC-Angebot der kostenlosen Ausleihe von Lastenfahrrädern ist noch nicht hinreichend bekannt und bewusst.
Die Führung an Baustellen wird von Radfahrenden weiterhin als mangelhaft (4,9) beurteilt und wird vom letzten Platz in der
Bewertungsskala verdrängt durch die fehlende Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Hier ist die Polizei und auch der kommunale Ordnungsdienst gefordert, Radwege freizuhalten, notfalls auch mit der sogenannten "Umsetzung" von Fahrzeugen, denn Strafzettel für Parken auf Fahrradwegen- eigentlich Behinderung des Radverkehrs- sind zu billig.
Eine bessere Variante ist die gute Planung und Ausführung von Radverkehrsinfrastruktur als "geschützte Fahrradwege", getrennt von Autos und Fußgängern, auf denen Radfahrende jeden Alters- auch Kinder- sicher und gefahrlos ans Ziel kommen können.
Weitere Informationen zum ADFC Fahrradklimatest 2018 erhalten Sie auf der Internetseite www.fahrradklima-test.de, dort finden sich auch die ausführlichen Informationen zum Ergebnis der Stadt

Der ADFC-Fahrradklima-Test beleuchtet, wie es um die Fahrradfreundlichkeit in Deutschlands Städten und Gemeinden bestellt ist. Wo Städte beim Radklima punkten können und wo nachgebessert werden muss, können Radfahrende in der Umfrage beurteilen.

Die Alltagserfahrungen der Menschen geben den politisch Verantwortlichen lebensnahe Rückmeldungen. Mitmachen können alle, egal ob sie viel oder wenig Rad fahren, ob sie jung oder älter sind.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und findet im Herbst 2018 zum achten Mal statt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert den ADFC-Fahrradklima-Test im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans.

Aktuelles aus der Verkehrspolitik

Wer hilft?

© ADFC BW 2020