ADFC-Fahrradklima-Test: Stuttgart stagniert beim Fahrradklima-Test

Termine und Touren

Pop-up-Bikelanes werden positiv bewertet

Am 16. März hat der ADFC die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 vorgestellt. Die große Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit in Deutschlands Städten und Gemeinden hat einen neuen Teilnahmerekord aufgestellt! Rund 230.000 Menschen haben 1.024 Städte und Gemeinden in Deutschland zu ihrer Fahrradfreundlichkeit bewertet. 2018 waren es rund 170.000 Menschen und 683 Städte und Gemeinden. Das zeigt das stetig steigende Interesse am Radfahren und am Fahrradklima. Beim ADFC-Fahrradklima-Test zählt wirklich jede Stimme, denn Städte und Gemeinden brauchen eine bestimmte Mindestanzahl an Teilnahmen, um in die wissenschaftliche Auswertung zu gelangen. Danke, dass Sie mitgemacht haben!

Die Stadt Stuttgart hat mit der Gesamtnote 4,2 genauso schlecht abgeschnitten wie schon 2018. Damit landet Stuttgart bundesweit auf Platz 11 von 14 Städten mit mehr als 500.000 Einwohner*innen.

Relativ gut abgeschnitten hat Stuttgart mit Blick auf die große Anzahl an öffentlichen Fahrrädern (Note 2,5), die geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Note 2,7) und die Fahrradmitnahme im ÖPNV (Note 3,3). Am schlechtesten wurden die Ampelschaltungen, die Führung an Baustellen, die Breite der Fahrradwege und die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen bewertet, alle mit der Schulnote 5,0 (mangelhaft). Große Probleme bestehen auch beim Sicherheitsgefühl (Note 4,8), bei der Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer*in (Note 4,5) sowie bei den Konflikten mit dem Kraftfahrzeugverkehr (Note 4,8). Die meisten anderen Punkte wurden mit der Note 4,0 oder schlechter bewertet.

In der Corona-Krise hat die Stadt an der Theodor-Heuss- und der Holzgartenstraße Pop-up-Bikelanes eingerichtet. Die Initiative der Politik für mehr Fahrradfreundlichkeit in der Corona-Krise wurde mit 3,6 bewertet – deutlich positiver als viele andere Punkte in Stuttgart. Auch im Bundesvergleich (Durchschnitt 4,1) schneidet Stuttgart hier außerordentlich gut ab und erreicht bei diesem Punkt Platz 4 von 14.

Tobias Willerding, Vorsitzender des ADFC Stuttgart, hat das Stuttgarter Ergebnis kommentiert: "Trotz der weiterhin schlechten Gesamtbewertung Stuttgarts beim Fahrradklima-Test bleibt der Gestaltungswille der Politik nicht unbeachtet: Die gute 'Fahrrad und Corona'-Wertung der Stadt zeigt, dass die Pop-up-Bikelanes von den Radfahrenden positiv aufgenommen wurden. Sicher wäre auch die Gesamtwertung besser ausgefallen, wenn die Verwaltung den Pop-up-Radstreifen an der Theo nicht zurückgebaut, sondern verbessert und verstetigt hätte."

Der ADFC Stuttgart regt die Stadtverwaltung daher an, bereits vom Gemeinderat beschlossene Projekte wie zum Beispiel den Radweg an der Mercedesstraße zeitnah mit einem temporären Radstreifen zu versehen. Außerdem sollte der Gemeinderat den vom Bezirksbeirat Bad Cannstatt gestellten Antrag auf eine Pop-up-Bikelane in der Nürnberger Straße aufgreifen und ebenfalls beschließen.

In Projekten wie dem Mapathon arbeitet der ADFC gemeinsam mit Bürgern vor Ort weitere Maßnahmenvorschläge aus, um die Erreichbarkeit der Stadtteilzentren sowie das zügige Vorankommen mit dem Rad auf sicheren Wegen zu verbessern. Auch dies waren wesentliche Kritikpunkte in der Befragung.

Die Auswertung aller Daten für Stuttgart finden Sie in einer Zusammenfassung für Stuttgart. Weitere Infos zum Fahrradklimatest sowie die Ergebnisse für andere Städte und Gemeinden auf der Internetseite des ADFC Bundesverbands sowie in einer Übersicht der Ergebnisse für ganz Deutschland.

© ADFC BW 2021