Kampf gegen die Felgenkiller

Wo in Schwäbisch Hall kann man Radfahrern das Leben leichter machen? Der Haller ADFC hat viele Vorschläge. Am Montag war der Club mit Stadträten und Mitgliedern der Verwaltung auf Tour - per Fahrrad.

Manchmal kann Lobbyarbeit ziemlich gefährlich sein - vor allem für Unbeteiligte. Sigvard Gessinger, Vorstand der Haller Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), hat es am Montag jedenfalls eilig, auf dem Radweg entlang der Stuttgarter Straße auf gleiche Höhe mit den Verwaltungsmitarbeitern und Stadträten zu kommen - und übersieht dabei einen Jugendlichen, der auf seinem Rad stadteinwärts fährt. Nur weil dieser auf den Grünstreifen ausweicht, kommt es nicht zu einem Zusammenstoß.

Eigentlich wollen die ADFC-Mitglieder, die gemeinsam mit Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim zur verkehrspolitischen Radtour einluden, genau solche Situationen verhindern. Dazu haben sie einen 23-Punkte-Katalog entworfen, den sie den politischen Entscheidern übergeben. Der Inhalt reicht vom Wunsch nach dem Rückschnitt von in den Weg ragender Büsche über alternative Ampelschaltungen bis zu einer besseren Beschilderung.
 

Pelgrim: „Das hätte man besser machen können“

An einem Punkt hatten die Haller ADFC-ler den Haller Oberbürgermeister schnell überzeugt: Der neue Radweg entlang des Steinbeisweges im Gewerbepark West soll an den Einfahrten kleine Teerrampen erhalten. Die Bordsteine dort seien "regelrechte Felgenkiller", klagt Hans Schuster vom ADFC. "Die Kinder im Anhänger hauts da regelmäßig an die Decke", pflichtet Sigvard Gessinger bei. Pelgrim erkennt das Problem: "Das hätte man besser machen können." Für das Stadtoberhaupt ist das eine Frage der "integrierten Bauplanung". Die Bordsteine waren bereits einbetoniert, ehe ein Mitarbeiter der Verwaltung intervenieren konnte. "Das kostet nicht mehr - wenn man nur dran denkt", kommentiert Ordnungsamtsleiter Manfred Gentner.

Auch andere Vorschläge der Interessenvertreter auf zwei Rädern will die Stadtverwaltung aufgreifen. So sollen die Ein- und Ausfahrten bei Hagebau-Häsele im Steinbeisweg besser markiert und beschildert werden, einige Brückengeländer - beispielsweise auf dem Überweg zum Teurershof - erhöht und die Fahrwege für Radler am neuen Kreisverkehr an der Raibacher Straße deutlicher definiert werden.

An anderer Stelle wird eine zufriedenstellende Lösung wohl noch eine geraume Zeit auf sich warten lassen. "Die Wegeführung am Scharfen Eck ist absolut unbefriedigend." Ein bisschen weiter oben, beim Club Alpha, weist Dieter Wolfarth auf den Abzweig zum Hofpfad: "Wenn hier ein Radfahrer runterschießt, ist es saugefährlich." Außerdem sei der Gehweg "eigentlich zu schmal für den Radverkehr". Erst mit dem Bau des Weilertunnels, so Hermann-Josef Pelgrim, werde man die Gefahrenstellen befriedigend beseitigen können. Das Straßen-Wirrwarr am Scharfen Eck könnte aber vielleicht auch schon früher entknotet werden. "Wir wollen den Umbau der Bushaltestelle im nächsten Doppelhaushalt verankern", kündigt der Oberbürgermeister an.

Bis dahin hilft vielleicht der Ratschlag von Giuseppe Pizzi. Der Haller Polizist, in der Direktion für allgemeine Verkehrsangelegenheiten zuständig, sagt: "An unübersichtlichen Stellen muss der Radfahrer eben angemessen langsam fahren."

(Quelle: Haller Tagblatt vom 21.09.2013)


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