Radfahrer aufgepasst: Kostenfreie Fahrradmitnahme zwischen Stuttgart und Singen erschwert!

Verkehrspolitik

Seit Mai 2017 ist die kostenfreie Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr in Baden-Württemberg nahzu flächendeckend möglich - ein Vorteil für viele Pendler, Touristen und Ausflügler, die das Fahrrad in der Bahn transportieren wollen. Doch seit Dezember 2017 untergraben das Land Baden-Württemberg und die DB Regio die Fahrradfreundlichkeit im Nahverkehr auf der sog. Gäubahn zwischen Stuttgart und Singen.

Auf dieser Bahnstrecke verkehren seit Dezember stündlich InterCity-Züge (IC), die als RegionalExpress (RE) gekennzeichnet sind. Diese Züge dürfen mit einer Nahverkehrsfahrkarte genutzt werden. Fahrgäste auf dieser Strecke kommen also in den Genuss einer IC-Fahrt zum Nahverkehrspreis. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn für Radfahrende, die auf dieser Strecke unterwegs sind, gelten nicht die Bedingungen des Nahverkehrs, sonders IC-Bedingungen: Die Fahrradmitnahme ist damit reservierungs- und kostenpflichtig und nicht wie im Nahverkehr (z.B. im RE) kostenfrei und ohne Reservierung möglich.
Damit wird die flächendeckende, kostenfreie Fahrradmitnahme im Land untergraben - und das auf einer Strecke, die Richtung Bodensee führt und große Bedeutung für Rad fahrende Bahnkunden hat.

Besonders tückisch dabei ist, dass Radfahrende bei der Buchung eines passenden Zuges nicht explizit über diese Besonderheit aufgeklärt werden, denn der Bahnkunde, der ausschließlich nach Nahverkehrsverbindungen mit kostenfreier Fahrradmitnahme sucht, bekommt die IC-Züge auf der Gäubahn als RE-Verbindung angezeigt und kann damit von einer kostenfreien Mitnahme ohne Reservierungspflicht ausgehen. Das böse Erwachen kommt dann am Bahnsteig, wenn der IC einrollt.
Die Bahn weist auf bahn.de unter Details zwar auf die Reservierungspflicht hin, doch dieser minimale Hinweis dürfte in der Praxis übersehen werden, da es unüblich ist, in einem Nahverkehrszug Fahrradstellplätz zu reservieren.
Außerdem ist die Strecke Stuttgart-Singen auch nicht bei den Zugstrecken aufgelistet, die derzeit von der kostenfreien Fahrradmitnahme ausgeschlossen sind. Auch wer sich vorab gut informiert, hat also kaum eine Chane, diesen Schildbürgerstreich der Bahn und des Landes zu durchschauen.

Glücklich kann sich nur der Radfahrende schätzen, der einen der "echten" RE-Züge auf dieser Strecke erwischt, die mit 30 Fahrradstellplätzen ausgestattet sind. Diese RE-Verbindungen in den Fahrplanauskünften der Bahn zu finden, ist jedoch eine Wissenschaft für sich. Die RE-Züge werden im Internet nicht automatisch angezeigt, da die IC-Verbindung die schnellere und damit bevorzugte Verbindung in der Fahrplanauskunft ist. Es bleibt den Radfahrenden nur ein Blick auf die Aushangfahrpläne am Bahnhof.

Wie es zu dieser Verschlechterung der Fahrradmitnahme im Nahverkehr kommen konnte, ist völlig unverständlich. Die sog. RadSTRATEGIE, die im Januar 2016 von der Landesregierung beschlossen wurde, sieht ganz klar eine Ausweitung der kostenlosen Fahrradmitnahme vor. Der ADFC fordert daher, die Verschlechterungen der Fahrradmitnahme auf der Gäubahn rückgängig zu machen, damit Radfahrende wieder kostenfrei und ohne Reservierungspflicht das Fahrrad in Richtung Bodensee transportieren können.

 

© ADFC BW 2018

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