“Schutzranzen-App” – What’s that?

Verkehrspolitik

ADFC Ludwigsburg fordert Einstellung des Projektes für eine Schulranzen-App

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Ludwigsburg fordert die Stadt auf, das Projekt „Schutzranzen“ umgehend zu den Akten zu legen. Jemand hatte eine Geschäftsidee und möchte mit der Überwachung von Kindern Geld verdienen. Grundschüler und Autofahrer müssen dazu mit Smartphones plus App ausgestattet sein, oder mit einem GPS-Tracker. Die App soll Kinder schützen, indem Autofahrer gewarnt würden, sobald sich ein Kind im Radius von 150 Metern befinde. Dazu ist zu sagen: In einer Stadt ist in einem Umkreis von 150 Metern ohnehin sehr wahrscheinlich immer ein Mensch zugegen. Also ist die wirksamste Methode zu mehr Verkehrssicherheit, das Tempo auf maximal 30 runter zu fahren und die Aufmerksamkeit der Fahrer zu fordern, anstatt sie mit Apps abzulenken. Es muss in einer Stadt eine strukturelle Verkehrssicherheit für Alle geben und nicht eine Individuelle. Denn irgendwo läuft oder radelt vielleicht gerade ein anderes Kind ohne App und wird dann überfahren, weil der Fahrer auf seine App-Meldung fixiert ist. So gleicht die Schutz-App eher einer Ablenk-App.

Oberbürgermeister Spec möchte „erste Stadt in Deutschland“ sein, die diese App flächendeckend anwendet, ist in einem Zeitungsbericht der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 29. Januar zu lesen. Die Konsequenz wäre ja aber, dass jeder Verkehrsteilnehmer mit einer solchen App rumlaufen müsste - vielleicht als schickes Implantat? Auch Jugendliche und Erwachsene werden schließlich nicht gerne überfahren. Klar wird langsam, dass der Stadtverwaltung eine solche App nur Weg zum Ziel der autogerechten Stadt 4.0, also für selbstfahrende Autos werden soll - jetzt erst einmal auf dem Rücken der Kinder, als Versuchsäffchen sozusagen. George Orwells 1984 lässt grüßen. Denn eine Wahlmöglichkeit gibt es dann nicht mehr - deshalb sagt der ADFC: Wehret den Anfängen. Jetzt muss Ludwigsburg aufpassen, dass es nicht als erste Stadt in Deutschland den „BigBrotherAward“ des Vereins „Digitalcourage“ gewinnt.

Denn, die Stadt Ludwigsburg ist wohl die einzige Stadt in ganz Deutschland, die bei dem Projekt noch im Boot ist. Selbst VW und Wolfsburg distanzieren sich bereits, bzw. sind ausgestiegen. Auch auf das Urteilsvermögen der Eltern in diesem Sinne ist zu hoffen. Der ADFC Ludwigsburg wird sich gemeinsam mit weiteren Verbänden dafür einsetzen, dass dieses Projekt in Ludwigsburg nicht Fuss fassen kann, denn smart city sieht anders aus.

Die Verkehrsverbände ADFC und VCD haben gute Projekte zur Steigerung der Verkehrssicherheit von Kindern im Programm, etwa Bus auf Beinen und Schulradler. Dabei werden Kinder fit für den Schulweg und stark fürs Leben gemacht und sind in der Gruppe unterwegs. “Kinder mögen Digitales”, wird der Erfinder der fragwürdigen App in genanntem Zeitungsartikel zitiert. Doch mehr noch als „Digitales“, mögen Kinder andere Kinder. Und die geben auch mehr Sicherheit als ein Smartphone in der Tasche. Nur zeigt die Stadt für menschengemäße Projekte wenig Interesse. Sie finden nur Anklang, wenn die Vereine sie rein ehrenamtlich stemmen. In Heidelberg etwa sieht dies anders aus. Dort werden die “Schulradler” sogar über Personalstellen gefördert. In Ludwigsburg hieß es zunächst auch, die Schulradler könnten gefördert werden. Dann wurde die Zusage einfach wieder revidiert. Kein Wunder, wenn dort Technikverliebtheit blind macht und der Mensch als Ganzes außen vor bleibt. Doch Technik - und das gilt auch für die digitale – ist nur dann sinnvoll, wenn sie den Menschen dient und nicht andersherum.

Wer diesen App-Versuch in Ludwigsburg nicht möchte, kann sich auf folgender Webseite dagegen aussprechen:
digitalcourage.de/blog/2018/offener-brief-vw-stoppen-sie-kinder-tracking

PS: Den Befürwortern solcher Kinderüberwachungsmaßnahmen empfehlen wir die Lektüre von Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter, da lernen sie einiges über Erziehung und erfahren, was Liebe, Respekt und Vertrauen bedeutet.

© ADFC BW 2018

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