Marbacher Zeitung vom 14. Januar 2000:

Marbacher Fahrradfahrer setzen beim Zweirad auf Gruppendynamik
ADFC-Ortsgruppe kommt ins Rollen

Hauptzielrichtung der Pedalritter: Radverkehrspolitik betreiben und gemeinsame Ausfahrten organisieren

Marbach. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), die Lobby für Pedalritter, ist künftig in Marbach mit einer Ortsgruppe vertreten. Rund 20 Zweirad-Freunde kamen am Dienstagabend im Gasthaus Ochsen zusammen, um die Interessengemeinschaft auf zwei Rädern ins Rollen zu bringen.
Vor dem Wirtshaus waren schon zwei Drahtesel angebunden, drinnen saß so mancher, der mit dem Radl da war. Markus Schimek, stellvertretender Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Ludwigsburg, lotste durch die Tagesordnung. Welches sind die Grundvoraussetzungen zur Gründung einer Ortsgruppe? Welche Verantwortung kommt auf die Verantwortlichen zu? Wie hoch ist der Jahresbeitrag für ADFC-Mitglieder und welche Zielsetzung setzt sich die Gruppe? Fragen, die im Laufe des Abends beantwortet wurden.
 Als der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club vor 20 Jahren in die Gänge kam, war das Hauptanliegen die Verbesserung der Verkehrspolitik. Ein Aspekt, der auch den Marbacher Radlern ein Anliegen ist. Durch die kritische Begleitung des Stadtentwicklungsprozesses wollen sie dem Verkehrsmittel Fahrrad den nötigen Stellenwert einräumen. Zum Zweiten vermissen viele Schillerstädter gemeinsame Ausfahrten. Mit regelmäßigen Radtouren und Veranstaltungen rund ums Rad soll ihnen künftig auch in Marbach ein Angebot unterbreitet werden. Schließlich sei es nicht im Sinn der Sache, das Rad mit dem Auto nach Großbottwar oder Ludwigsburg zu transportieren, um von dort aus mit einer bereits etablierten Gruppe loszustrampeln, erklärte Markus Schimek.
 Rund 800 Mitglieder sind beim Kreisverband Ludwigsburg registriert. „Wir wachsen stark“, sagt Schimek und verweist auf 150 Neumitglieder, die sich allein im vergangenen Jahr beim ADFC in den Sattel schwangen. Dass es im Kreisgebiet bisher nur zwei Ortsgruppen gibt – eine in Ludwigsburg, eine in Freiberg-, erklärt der Vorsitzende mit der Zurückhaltung der Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Eine Ortsgruppe braucht laut Satzung einen Vorsitzenden, der die Sache managt und am Laufen hält. Vorbildlich präsentieren sich in dieser Hinsicht die Rad-Freaks in Marbach. Erst meldete sich ein Triumvirat, jetzt verteilt sich der Vorsitz sogar auf fünf Schultern. Waltraud Häfner, Elisabeth Sautter, Volker Hirschel sowie Jutta Geißler-Howe und Norbert Howe waren bereit, den Vorstand zu bilden. Erste Aufgabe: im Auftrag der Stadt Marbach ein Radverkehrsgutachten erarbeiten.
 Im Herbst 1999 stellte der Ausschuss für Umwelt und Technik dafür rund 11 000 Mark zur Verfügung. Das Konzept sieht vor, den Ist-Zustand des Radverkehrs in der Kernstadt und den Stadtteilen zu untersuchen, ein Radverkehrsnetz zu erarbeiten und die hierzu erforderlichen Maßnahmen in einem Katalog darzustellen. „Wir wollen das Gutachten von einer Gruppe erstellen lassen, die auch selber Rad fährt“, erläuterte Andreas Seiberling, Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei der Stadtverwaltung Marbach, am Dienstagabend. Die Projektleitung übernimmt das Bietigheimer Vermessungsbüro Gertis Rechtsteiner/Wolfgang Huber. Ortskundige ADFC-Mitarbeiter unterstützen die Arbeit. Markus Schimek: „Theoretisch können wir morgen anfangen; zum Ende der Sommerferien soll das Gutachten abgegeben werden.“
 Bereits ab Mai bietet Waltraud Häfner regelmäßig Feierabend-Touren mit dem Velo an. Dafür werden noch weitere findige Tourenleiter benötigt. Aus dem Jugendhaus kam das Angebot, gemeinsam Mountainbike zu fahren.
sam (Sabine Müller)

Ein offizieller Treff ist wichtig, vor allem auch als Anlaufstelle für Neumitglieder. Die ADFC-Ortsgruppe trifft sich einmal pro Monat zum Stammtisch. Nächster Termin: 23. Februar um 20 Uhr im Ochsen.

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