Verkehrssicherheit beim Radverkehr in Heidelberg 2018

Der Radverkehr wird in Heidelberg weit unter seinem volkswirtschaftlichen Wert gehandelt. Es wird meist abfällig über die Radfahrer berichtet, obwohl es viele Probleme in dieser Welt nicht gäbe, wenn mehr AutofahrerInnen auf das Rad umsteigen und somit weniger Verbrennungsmotoren die Umwelt verpesten würden.

So wurde im November sehr ausführlich über die Kontrollaktion der Polizei berichtet, die dieses Jahr fortgesetzt werden sollen. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass sich lediglich 15% der Polizei-Kontrollaktionen auf den Radverkehr beziehen, 85 % auf den Kfz-Verkehr.

In der Berichterstattung wird dieses Verhältnis nicht widergespiegelt! Dies bewirkte, dass einige, dem Radverkehr nicht wohl gesonnene Bürger, dann weiter in Leserbriefen auf die „bösen“ Radfahrer einhackten.

Diese Kontrollen, auch die vergangene 5-plus-Aktion, sollen die Sicherheit des Radverkehrs erhöhen. Dies ist auch gut so und notwendig, dass Radfahrer ohne Licht und auf dem Gehweg fahrend, ermahnt werden. Allerdings ist dies nur ein kleiner Baustein, der hilft, die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern. Bei den schweren Unfällen mit Fahrradbeteiligung sind jedoch zu 75 % Motorfahrzeuge Schuld. Von denen geht strukturell die größere Gefahr aus. Allerdings sind Aktionen, die dies verhindern helfen soll, schwieriger für die Polizei - also werden sie seltener gemacht.

Neben der häufigsten Unfallursache, den Kfz-Rechtsabbiegeunfällen, ereigneten sich letztes Jahr auch mehrere schwere Unfälle, bei denen der Sicherheitsabstand beim Überholen zu den Radfahrern nicht eingehalten wurde. Selbst für die Richterin im Prozess (RNZ 6.12.2018) war dieses mehr als verkehrswidrige und rücksichtlose Verhalten des Autofahrers, das zum Tode des Radfahrers führte, nur den lapidaren Kommentar würdig, dass „so was jedem ganz schnell passieren kann“. Dieser tödliche Unfall hatte für den Verursacher nur marginale strafrechtliche Folgen.

Wir fordern zur Prävention mehr Aufklärungs- und Kontrollaktionen der Polizei für Kfz-Fahrer und entsprechende Berichte in den Medien. Dies soll zu mehr Rücksichtnahme und somit zu einer Verringerung der schweren Unfälle, besonders beim Mindestabstand und Rechtsabbiegen, führen!

(siehe auch: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/sicherheitsabstand-autofahrer-duerfen-radfahrer-vielerorts-nicht-ueberholen-a-1247985.html )

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