14.04.2016 - Eröffnung E-Bike-Station / Zukunft Fahrradparkhaus

Verkehrspolitik

Göppingen. "Großer Bahnhof vor dem Göppinger Bahnhof". Im Beisein prominenter Gäste wurde am 11. März die neue E-Bike-Station im Göppinger Fahrradparkhaus eröffnet - mit Konsequenzen für diese Radstation. Zwei Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg gab Verkehrsminister Winfried Hermann in Göppingen noch seine Visitenkarte ab und hielt in seiner Rede ein Plädoyer für den Ausbau des Radverkehrs und der Elektromobilität im Land.

Weitere Personen von Rang und Namen waren an der Eröffnung beteiligt:  der Göppinger OB Guido Till, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Thomas Bopp und der VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Der ADFC Göppingen, der Carsharing-Anbieter Stadtmobil, das Landratsamt Göppingen und die Initiative Radkultur Baden-Württemberg waren mit Infoständen beteiligt.

Die neue E-Bike-Station ist mit Pedelecs der Firma nextbike aus Leipzig bestückt. Die Station in Göppingen ist eine von insgesamt 16 Stationen in der Region Stuttgart. Bis heute wurden 11 Verleihstationen eingeweiht. Die 5 weiteren sollen bis Ende 2016 folgen. Ziel des Projektes ist, an ausgewählten Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region das Angebot der Anschlussmobilität auszuweiten. Auf diese Art können auch Ziele mit schlechtem Anschluss an den ÖPNV komfortabel und mit geringem Aufwand erreicht werden. Denkbar ist dabei auch, ein Pedelec in Göppingen auszuleihen und an einer anderen Station wieder abzugeben, z.B. in Schorndorf oder Kirchheim. Alltags- und Freizeitradverkehr werden so sinnvoll ergänzt. Ausgeliehen können die Räder mit dem VVS-Mobilpass oder der Polygo-Card. Wer keine hat, kann sich auch über das Mobiltelefon anmelden.

Die Voraussetzung dafür, dass die Idee von der Bevölkerung angenommen wird, ist das Funktionieren des Systems. Laut Stuttgarter Zeitung vom 31.03.2016 sind die Stationen in Filderstadt und Remseck trotz Fertigstellung  aufgrund technischer Probleme noch nicht einsatzfähig. In Göppingen hingegen wurden anfängliche Probleme bei der Freigabe des Rades inzwischen behoben. Es müssen zeitnah an allen Stationen Anfangsschwierigkeiten beseitigt werden, damit bei Beginn der Radsaison der Ärger nicht größer ist als die Freude.

Ein weiteres Problem sehen wir mittelfristig in der begrenzten Kapazität des Fahrradparkhauses. Durch den Einbau der Pedelec-Station sind von den ursprünglich 80 kostenlosen Abstellplätzen einige Plätze weggefallen. In unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs entsteht in den kommenden Jahren der Neubau des Technischen Rathauses der Stadt Göppingen mit nach Fertigstellung entsprechend großem Publikumsverkehr und vielen Mitarbeitern. Der daraus resultierende zusätzliche Verkehr besteht dann hoffentlich aus einem deutlichen Radfahreranteil. Außerdem hat die Stadt in ihrer Radverkehrsstrategie einen Radverkehrsanteil bis 2025 von 15 % vorgegeben. Das Fahrradparkhaus wird bereits heute sehr gut angenommen und selbst im vergangenen Winter waren die Plätze gut belegt.

Die Stadt sollte sich daher frühzeitig Gedanken machen, wo mittelfristig weitere Radabstellanlagen geschaffen werden können. Beim Neubau des Technischen Rathauses ist es wichtig, dass Abstellanlagen für Mitarbeiter und Besucher mit eingeplant werden. Außerdem bietet der bevorstehende Umbau des Bahnhofsvorplatzes die Chance, zukunftsfähige Nahmobilität und die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes miteinander zu verbinden: z.B. durch einen innovativen Fahrradturm als Gestaltungselement.

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

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