23.06.2016 - Sicherheit auf Radwegen - ADFC startet Umfrage

Verkehrspolitik

Die Sicherheit des Bürgers auf Verkehrsanlagen ist ein vom Gesetzgeber garantiertes Recht aller. Trotzdem scheint es nicht das Gleiche zu sein, ob man am Straßenverkehr als Autofahrer oder als Radfahrer teilnimmt. Das ist vielleicht darin begründet, dass die Verantwortlichen vielerorts die Fortbewegung auf dem Velo immer noch als Freizeitvergnügen und nicht als Alltagsverkehrsmittel betrachten.

Jeder Erwachsene nimmt im Straßenverkehr die Rolle als Fußgänger und die meisten gleichzeitig die des Autofahrers wahr. Radfahrer sind irgendwas dazwischen, sozusagen weder „Fisch noch Fleisch“. Für Fußgänger zu schnell, für Autofahrer zu langsam, jedenfalls störend im eigenen Revier.

Die Bedürfnisse des Radverkehrs werden vielleicht auch deshalb nicht als gleichwertig betrachtet. Die Einordnung der Dringlichkeit in der Behebung von Mängeln an Radverkehrsanlagen ist jedenfalls eine andere als beim motorisierten Verkehr – in Teilen auch im Kreis Göppingen, was die nachfolgenden Beispiele aufzeigen.

Davon gibt es in jüngster Zeit einige. Das unrühmlichste davon sind sicherlich die vielen Umlaufsperren auf dem Lautertalradweg (wir berichteten). Hier kann den Verantwortlichen in Donzdorf attestiert werden, dass jegliches ernsthafte Bemühen um eine alternative Lösung, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt, nicht vorhanden ist. Selbst eine Vielzahl von dokumentierten Stürzen mit zum Teil erheblichen Verletzungen – zwei davon mit Notarzteinsatz – lässt die Donzdorfer Verwaltung nicht am Status Quo zweifeln. Kurz: "wer will findet Lösungen, wer nicht will findet Gründe".

Zunehmend im Fokus der Gefährdung von Radfahrerinnen und Radfahrern sind Industriegleise, die im spitzen Winkel Radwege kreuzen. Seit vielen Jahren ist im Ebersbacher Rathaus die Gleisquerung bei der Firma Südrad in Ebersbach als erhebliche Gefahrenquelle bekannt. Auch in der letzten Ebersbacher „Arbeitsgruppe Radverkehr“ im Jahr 2014 wurde die Problematik diskutiert. Eine Verbesserung der Lage ist seitdem nicht erfolgt. Im Gegenteil: im Mai 2016 wurde erneut ein Radfahrer zu Fall gebracht. In einer Mail des Unfallopfers heißt es: "ich bin gestern bei der RTF bei km 130 im Industriegebiet Ebersbach vor der Firma Südrad über im Asphalt eingelassene Gleise gestürzt und habe einen Knochenbruch sowie eine Gehirnerschütterung. Laut Aussage der Sanitäter und der Pförtner der Firma passiert dies an der Stelle häufig."

Ähnlich riskant ist die Querung eines weiteren Industriegleises in Süßen. Der parallel zur L 1219 zwischen Salach und Süßen verlaufende Geh- und Radweg kreuzt auf der Höhe der Firma Kuntze ein Gleis. Unser ADFC-Ansprechpartner für Süßen Thomas Gotthardt bestätigt, dass er bereits einige Infos zu Stürzen an dieser Stelle erhalten hat.

Ebenfalls in Süßen ist zurzeit eine weitere Gefahrenquelle für den Radverkehr in der öffentlichen Wahrnehmung: schlecht einsehbare Unterführungen. An der Unterführung des Radweges von Süßen nach Donzdorf unter der sich im Bau befindenden neue B466 wurden dem ADFC einige Stürze gemeldet. Thomas Gotthardt berichtet: „Es wurde bereits einige Male beobachtet, wie Radfahrer im Bereich der Unterführung gestürzt sind. Außerdem kommt es immer wieder zu Beinahe-Zusammenstößen von Radfahrern im Bereich der Unterführung. Im weiteren Verlauf des Wegs gab es zudem gefährliche Begegnungen mit Autos, die auf der Fahrt von oder zu den Sportplätzen offenbar zu schnell unterwegs sind. In beiden Fällen spielen schlechte Sichtbeziehungen eine Rolle (Sichtbehinderungen wegen Brücke bzw. Topographie). Zudem sammelt sich bei Regen in der Brückenmitte Wasser und fällt von dort "wasserfallartig" auf den Radweg. Das Wasser sammelt sich an der tiefsten Stelle zu einer großen Pfütze. Im Winter bildet sich außerdem eine Eisplatte, die auch schon zu Stürzen geführt hat." Die Stadt Süßen hat inzwischen die von uns gemeldeten Vorfälle den Träger der Baumaßnahme weitergeleitet und Korrekturen eingefordert.

Ähnlich risikoreich wie die eingangs erwähnten Umlaufsperren sind Metall- oder Steinpoller in der Mitte eines Radweges. Eigentlich gut gemeint (es sollen keine Kfz auf den Radweg einfahren können) bewirken sie jedoch auch, dass sie in der Nacht nur schlecht gesehen werden und dass in Gruppen Radelnde sie oft zu spät erkennen können und dann analog zu den Drängelgittern stürzen oder hängenbleiben. Auf der Radverbindung zwischen Schlat und Süßen befinden sich im Schlater Wald eine Vielzahl solcher Poller. Auf Initiative des ADFC trafen sich im Jahr 2015 die Verantwortlichen aus dem Landratsamt und der beiden Gemeinden Schlat und Süßen mit dem ADFC zum Vorort-Termin, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Vor wenigen Tagen signalisierte das Landratsamt, dass die existierenden Metallpoller durch bewegliche Plastikpoller ersetzt werden sollen. Ob mit diesem Kompromiss die Gefahrenquelle dauerhaft beseitigt werden kann wird die Zukunft zeigen.

Jedenfalls verdeutlicht dieser Fall, dass mit einem entsprechenden guten Willen aller Beteiligten eine vernünftige Lösung gefunden werden kann. Diese ergebnisoffene Bereitschaft, Lösungen zu finden fehlt oft noch, wenn es um Radverkehrsanlagen geht.

Hilfreich in der Diskussion sind belastbare Fakten zu Unfällen oder Gefahrenstellen auf Radwegen. Der ADFC Göppingen startet deshalb dazu eine Online-Umfrage über die Internetseite des Kreisverbandes.

Diese Form hat uns bereits bei der Umlaufsperren-Problematik wertvolle Informationen für die Argumentation mit den Behörden geliefert.

Kennen Sie Gefahrenquellen auf Radwegen im Landkreis Göppingen, die in der Vergangenheit zu Stürzen oder Verletzungen geführt haben?

Dann können Sie uns diese hier melden

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

© ADFC BW 2021