Positive Bilanz aber noch viel zu tun für Esslingens Radnetz

Verkehrspolitik Presseinfo

Esslingens Radfahrverbände ziehen eine positive Bilanz zum Ausbau der Fahrradinfrastruktur in 2019. Mit mehreren Projekten konnte das Radfahren sicherer gemacht und Menschen zum Umstieg aufs Rad motiviert werden. Wichtige Projekte stehen kurz vor dem Baustart, trotzdem ist noch viel zu tun.

 „Zufrieden aber nicht fertig“ resümiert Joachim Schleicher, Ansprechpartner des ADFC fürs Stadtgebiet Esslingen. Mit den 2020 beginnenden Baumaßnahmen und viel mehr bestellten Radabstellbügeln in der Altstadt habe sich die Zusammenarbeit mit Stadt und GemeinderätInnen positiv entwickelt. Weiter verstärkte Anstrengungen und vor allem mehr Geld sei jedoch notwendig, um die Esslinger Verkehrswende zu schaffen.

Nach mehreren Jahren Bauzeit konnte im Frühjahr 2019 die Augustinerbrücke wieder-eröffnet werden. Die Unterführungen Kleiner Markt und Rathausplatz sind seither uneingeschränkt nutzbar und neue Busspuren mit Radfreigabe ermöglichen schnelles vorankommen auf dem nordwestlichen Teil des Altstadtrings.

Mit der Busspur in der Mülberger Straße erhalten Radfahrende neue Möglichkeiten, schnell in die Stadt zu kommen, wenn 2020 die städtischen Prognosen zur Vollsperrung der Geiselbachstraße lange Auto-Staus vorher sagen. Der Umstieg aufs Rad sei umso wichtiger und nütze allen Stadtbewohnern, hebt Petra Schulz vom VCD Esslingen hervor. „Jeder, der das Fahrrad oder den Bus nutzt verkürzt den Stau um mehrere Meter, sorgt für bessere Luft und weniger Lärm“.

Beide Verbände fordern aktuell eine Erweiterung der Rad- und Busbevorrechtigung auf den süd-östlichen Altstadtring. Im Oktober haben sie im Rahmen der Kampagne #MehrPlatzFürsRad für sichere Radwege auf der Kiesstraße geworben. In Fortsetzung der Fahrradstraße Hindenburgstraße könnte mit einem Verkehrsversuch ein echter Lückenschluss zum Bahnhof und Neckar näher rücken.

In den Sommerferien wurde an der Schorndorfer Straße ein breiter Radfahrstreifen bergab markiert sowie die Gehwege bergauf für Radverkehr freigegeben, was den Schülern dort entgegenkommt. „Im nächsten Schritt müssen 2020 die Ampelschaltungen angepasst werden“, blickt Schleicher voraus. Im Rahmen des Projekts OptiFluss pochen die Radfahrverbände auf bessere Linksabbiege-Möglichkeiten für Schüler in die Breslauer Straße und aus der Steinhalde, wo aktuell nur Fußgängerampeln vorhanden sind. Dass RadfahrerInnen dort aktuell absteigen und minutenlang warten müssen hält er für keine gute Idee.

Auch auf der Zollbergstraße konnte mit einem Radweg im Rahmen der Sanierung begonnen werden; die Fortsetzung bis zum neuen Festoknoten bleibt jedoch vorerst eine Lücke im Netz.

Der Champagne-Radweg ist 2019 ebenfalls ein gutes Stück näher gerückt. Der Baustart auf der wichtigen Verbindung nach Ostfildern-Parksiedlung steht kurz bevor, auch wenn der Radweg nach Ansicht der Radverbände nur das halbe Potential erschließt. Als nächster Schritt sollte eine Radführung bergab und ein direkter Anschluss aus Weil die Radanlage vervollständigen, monieren die Verbände hier die schlechte Einbindung in die städtischen Planungen.

In der Summe ist damit aber immer noch erst ein Viertel der 2013 beschlossenen Maßnahmen aus der Radnetzkonzeption umgesetzt. „9 von 33 Maßnahmen sind zu wenig, um einen raschen Umstieg aufs Rad zu erreichen“ meint Schleicher. Er will sich dafür einsetzen, dass die Gelder für Radverkehrsprojekte im Haushalt 2020/21 um ein vielfaches erhöht werden und wirbt dafür um Unterstützung bei allen Parteien. Da der personelle Engpass im Stadtplanungsamt nun endlich beseitigt sei, müsse nun auch die seither unausgeschöpften Finanzmittel bereitgestellt werden.

Bei der monatlichen Radtour „Critical Mass“, die mit Musik und guter Laune durch die Stadt führt konnten Radfahrende Teile der neuen Infrastruktur „erfahren“. Mit Bildern im Anschluss blickten die TeilnehmerInnen auf Aktionen und gemeinsame Touren im zu Ende gehenden Jahr zurück. Für Neubürger und Auswärtige zeigt die Critical Mass immer wieder neue Ecken der Stadt. Neben schmalen Altstadtgassen gehören aber regelmäßig auch große Hauptstraßen zur Route, nach dem Motto: „Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr“.

zur Pressemitteilung von ADFC und VCD

 

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