Ute Stegmann ist seit 2019 Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT). Sie beantwortet Fragen von Bernhard Glatthaar.

ADFC: Welchen persönlichen Bezug haben Sie zum Fahrradfahren?

Stegmann: Ich bevorzuge kleine und gemütliche Radtouren. Abends mit dem Rad zum Baden an den See oder am Wochenende mal eine kleine Tour abseits der stark befahrenen Strecken. Gerne würde ich das Rad auch ab und zu auf dem Weg zur Arbeit nutzen. Im vergangenen Jahr habe ich das ein paar wenige Male auf dem Weg von Kippenhausen nach Friedrichshafen ausprobiert. Leider ist mir an der stark befahrenen Straße entlang der B 31 schnell die Freude daran vergangen. Es ist wirklich schade, dass es hier keine besseren Möglichkeiten gibt.

ADFC: Erkennen Sie einen Trend beim Radurlaub am Bodensee? Wie hat sich die Nachfrage der Gäste nach Radtouren und Dienstleistungen entwickelt? Gibt es Zahlen zu den jährlichen Radurlaubern am Bodensee?

Stegmann: Zahlen zu den Radurlaubern liegen uns keine vor. Das Radfahren am Bodensee liegt aber nach wie vor hoch im Trend und der Bodensee Radweg ist einer der beliebtesten Radwege in Deutschland und auch darüber hinaus. Vor allem die Möglichkeit, drei Länder auf einer Tour mit dem Rad zu erleben, hat für die Bodenseeurlauber einen großen Reiz. Gern genutzt werden auch die Schiffe, mit welchen sich die Touren gut abkürzen lassen.
Seit einigen Jahren gibt es auch die Möglichkeit mit der ECHT BODENSEE CARD die Fahrräder in den Zügen innerhalb des bodo-Gebietes kostenlos zu transportieren. Dieses tolle Angebot wird von den Gästen sehr gerne angenommen, denn viele Gäste wählen für Ihren Radurlaub einen festen Standort und kehren am Abend wieder in ihre Unterkunft zurück. Die Bedürfnisse der Radurlauber in Bezug auf die Touren und auch die Dienstleistungen sind sehr unterschiedlich. Von Familien mit kleineren Kindern werden vor allem Wege in sicherer Entfernung zu stark befahrenen Straßen bevorzugt.
Für E-Bike-Fahrer sind die Wege-Beschaffenheit und auch die Möglichkeit, den Akku wieder laden zu können, von Bedeutung. Gutes Informationsmaterial, je nach Wunsch auf Papier oder Digital, und eine übersichtliche Beschilderung wird von allen Radfahrern sehr geschätzt. Die Tourist-Informationen rund um den See und auch wir von der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH halten dafür Tour-Broschüren und auch eine Touren-App bereit.

ADFC: Der Bodensee ist ein sehr beliebtes Ziel für Radfahrer, aber in der Tourismus-Saison ist der Bodensee-Radweg überlastet und an vielen Stellen kommt es zu Konflikten. Was unternimmt die DBT, um die Infrastruktur und den Service am Bodensee-Radweg und im Umland zu verbessern?

Stegmann: Als Marketingorganisation haben wir wenig Einfluss auf die Infrastruktur der Radwege. Aus meiner langjährigen Erfahrung als Leitung der Tourist-Information Immenstaad sind mir durch den direkten Gästekontakt doch einige Defizite entlang des Bodensee-Radweges bekannt. Immer dann, wenn in den Sommermonaten „alle“ unterwegs sind, wird es an manchen Stellen eng. Oftmals liegt es aber auch daran, dass keiner mehr bereit ist, Rücksicht auf den anderen zu nehmen. Da beschweren sich Fußgänger über Radfahrer, schnelle Radfahrer über langsame usw.
Mit gezielt ausgearbeiteten Tourenvorschlägen versuchen wir und auch die örtlichen Tourist-Informationen, die Gäste auch auf andere Wege zu leiten. Denn abseits des Bodensee-Radweges gibt es unzählig viele Wege, auf welchen man selbst zu Spitzenzeiten ungestört radeln kann.

ADFC: Wo sehen Sie am nördlichen Bodenseeufer den größten Handlungsbedarf für den touristischen Radverkehr?

Stegmann: Wie bereits erwähnt, ist die Strecke zwischen Immenstaad und Friedrichshafen sicherlich die unattraktivste Strecke entlang des Bodenseeradweges.  Ich erinnere hier auch gerne an meine Arbeit in der Tourist-Information in Immenstaad. Wir waren oft erste Anlaufstelle für aus Friedrichshafen kommende Radurlauber und wurden häufig mit folgendem Satz begrüßt: „Geht der Bodensee-Radweg in Richtung Meersburg so weiter? Wenn ja, dann brechen wir hier ab!“ Zum Glück konnten wir die Gäste immer davon überzeugen, dass es ab Immenstaad wieder entspannter weitergehen wird. Hier wäre es wünschenswert, wenn man zukünftig Alternativen anbieten könnte. Vielleicht gibt es durch den Straßenneubau hier eine neue Möglichkeit, mit mehr Abstand zur Straße und breiteren Radwegen. Davon würden alle Radfahrer profitieren!

(2020)

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