Friedrichshafen

Kein "weiter so"

Der ADFC war seit der Gründung des Arbeitskreises Radverkehr im Jahr 1995 als ständiges Mitglied vertreten, hat seither zwei Radverkehrskonzepte begleitet und in 157 Sitzungen aktiv daran mitgearbeitet, Friedrichshafen fahrradfreundlich zu gestalten. Dabei waren die unterschiedlichen Rollen und Sichtweisen der Verwaltung und des ADFC als Interessenverband oft Gegenstand der Diskussion, doch das gemeinsame Ziel ermöglichte stets eine Zusammenarbeit.

Seit Beginn des Arbeitskreises war die problematische Radverkehrsführung an der Friedrichstraße das zentrale Thema, auch aus der Bevölkerung kommt anhaltende Kritik. Deshalb hatte für den ADFC die Neugestaltung der Friedrichstraße immer die höchste Priorität aller Radverkehrsthemen.

Sehr überrascht war der ADFC deshalb über die Sitzungsunterlage des Gemeinderats vom 25.03.2019. Darin wurden sechs Planungsoptionen der Verkehrsführung an der Friedrichstraße vorgestellt (siehe Bericht auf Seite 9), die vorher nie im Arbeitskreis Radverkehr erwähnt worden waren. Wir wendeten uns im Juni deshalb an Oberbürgermeister Andreas Brand:

Diese Vorgehensweise der Stadt, den Arbeitskreis Radverkehr nicht in die wichtigste Radverkehrsplanung der Stadt einzubeziehen, kritisieren wir mit Nachdruck. Die Vorgabe der Verwaltung, die Mauer zum Uferpark zu erhalten, steht einer für Radfahrer und Fußgänger attraktiven und funktionierenden Verkehrsführung grundsätzlich entgegen. Der ADFC hält deshalb alle sechs Optionen für untauglich.“

Allerdings war nicht allein das Vorgehen der Stadtverwaltung bei der Friedrichstraße der Auslöser für unsere Zweifel, ob unsere Mitarbeit im Arbeitskreis weiterhin sinnvoll ist:

Wir stellen seit längerer Zeit fest, dass sich die Auswahl der Verbesserungsmaßnahmen für den Radverkehr in den meisten Fällen am geringsten Widerstand der Umsetzung orientieren, statt die Priorität konsequent auf sichere und komfortable Schul-, Arbeits- und Freizeitwege zu setzen. Dies ist nach unserer Auffassung der Hauptgrund, warum Friedrichshafen auch nach über 20 Jahren Radverkehrsförderung immer noch kein attraktives durchgehendes Radverkehrsnetz vorweisen kann und viele kritische Verkehrsführungen weiterhin ungelöst sind. Belastend für die Zusammenarbeit im Arbeitskreis und für eine Lösungsfindung nicht förderlich ist die stets reservierte Kommunikation der Verkehrsbehörde im BSO (Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung). Der ADFC ist in Rad-Arbeitskreisen in anderen Kommunen und beim Landkreis aktiv, doch nirgends verweigert sich eine Verkehrsbehörde derart einer konstruktiven Diskussion wie in Friedrichshafen.“

Der ADFC hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, welche Konsequenzen wir ziehen sollen. Themen und Problemstellungen können in Gesprächen meist besser diskutiert und gelöst werden, als schriftlich oder öffentlich zu kommunizieren. Nach reiflicher Abwägung aller Aspekte kamen wir zu folgendem Entschluss, den wir dem Oberbürgermeister mitteilten:

Aus diesen Gründen kommen wir zum Ergebnis, dass unser ehrenamtliches Engagement im Arbeitskreis Radverkehr in keinem Verhältnis mehr zu den erzielten Ergebnissen steht. Wir sind deshalb zur Entscheidung gelangt, die Mitarbeit im Arbeitskreis Radverkehr bis auf weiteres ruhen zu lassen.“

(Bernhard Glatthaar, 2020)

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