Einkaufsfahrrad: Erstes Modell vorgestellt

Technik

Wie kommt ein Radfahrer, der soeben für die Familie eingekauft und zuletzt noch einen Kasten Getränke in den Einkaufswagen gehoben hat, nach Hause? Sehr schnell wohl nicht; er wird seinen Einkauf erstmal in die eventuell vorhandenen Behältnisse umladen: Fahrradkorb, Fahrradtaschen, Rucksack und dann – sicherheitshalber sein Rad schieben? Tut er das öfter als einmal? Oder wird er lieber einen Anhänger kaufen? Oder ein nur für Lasten eingerichtetes Rad?

Nun gibt es auf dem Fahrradmarkt zwar großartige Anhänger für fast jeden Zweck zu kaufen, aber keinen Anhänger, der speziell für die alltäglichen, massenhaft wiederkehrenden Einkäufe von Lebensmitteln und anderem Haushaltsbedarf konstruiert wäre. Die auf dem Markt angebotenen Anhänger sind fürs Einkaufen nicht praktisch, oftmals sperrige, unhandliche Gesellen, die zu Hause extra untergebracht werden, für ihre Verwendung vom Abstellort geholt, ans Fahrrad angekuppelt, nach dem Einkaufen abgekuppelt und wieder weggestellt werden müssen. Geht es auch einfacher?

Aus Normalfahrrad wird Einkaufsfahrrad

Mittlerweile hat sich Alfred Hofer, ein Rentner aus Kappelwindeck (Bühl/Baden), eine Art Einkaufsfahrrad ausgedacht - ein Fahrrad mit größerer Transportkapazität als mit dem Fahrradkorb zur Verfügung steht. Er „pfropfte“ auf ein normales Fahrrad einen selbstgefertigten kleinen zweirädrigen Anhänger. Dieser ist ständig auf dem Gepäckträger platziert und kann bei Bedarf abgeklappt, für Transporte genutzt und wieder zurückgeklappt werden.

"Scherzhaft formuliert:
Die Entwicklung mancher Anhänger wendet sich an Machos,
die hin und wieder einen Eimer Farbe oder einen Sack Zement kaufen;
meine dagegen an die gesamte andere Hälfte der Menschheit,
die verpflichtet ist, die tägliche Ernährung aller Menschen
ungeachtet der Geschlechtsmerkmale sicherzustellen!"

Alfred Hofer

Nachdem er einen Prototyp dieses „Kombi“ gebaut, zum Einkaufen genutzt und dabei getestet hatte, wandte er sich an das Deutsche Patent- und Markenamt und bekam im September 2019 für sein Projekt den Status eines bedingt geschützten Gebrauchsmusters zuerkannt - bedingt geschützt, weil die maximale Schutzdauer von 10 Jahren zwischenzeitlich gebührenpflichtig erneuert werden muss, um nicht vorzeitig zu enden. Bevor es zur Beurkundung durch das Patentamt kam, mussten die Funktionen und Teile des Gegenstands ausführlich beschrieben, begründet und mit Zeichnungen verdeutlicht werden. (Im Register des DPMA nachzulesen unter der Nummer 20 2019 002 093, IPC : B62J7/04.)


Neu: Konstruktion macht aus einem Standard-Fahrrad ein Einkaufs-Fahrrad

Der kleine Anhänger ist nicht für immer mit seinem „Wirt“ verwachsen; er kann leicht abgenommen und in die Ecke gestellt werden, wobei das Gestänge am Fahrrad-Hinterteil für ein späteres erneutes Aufsetzen des Anhängers montiert bleibt. Bei fehlendem angemessenem Transportbedarf kann das Abnehmen des Anhängers auch unterbleiben: er stellt auf seinem Platz den „größeren Bruder“ und Stellvertreter des herkömmlichen Fahrradkorbes dar und wiegt nicht viel.

Wie entsteht ein solches Einkaufsfahrrad?

Man nehme ein vorhandenes Fahrrad mit oder ohne E-Antrieb, das zum Einkaufen geeignet ist, also kein Tandem, kein Dreirad, kein Klappfahrrad o.ä.. Um aus diesem ein Einkaufsfahrrad zu entwickeln, sind drei Zusatzkomponenten erforderlich:

  1. Ein spezieller Fahrradgepäckträger mit der Eigenschaft, auf ihm eine Gepäckbox, einen Kindersitz o.ä. fahrtfest zu verankern und wieder zu entriegeln. Den gibt es bereits im Fachhandel zu kaufen.
  2. Ein kleiner stabiler zweirädriger Anhänger, so konstruiert, dass er auf den Gepäckträger passt und von diesem ab- und wieder zurückgeklappt werden kann.
  3. Ein Gestänge für das Fahrrad-Hinterteil, an dem ein Teil der speziellen Kupplung sitzt, dank der der Anhänger seine Beweglichkeit nach allen Seiten erhält.

Wenn es die Zusatzteile sämtlich zu kaufen gäbe, könnte jeder handwerklich Begabte die Umwandlung seines Fahrrades in ein Einkaufsfahrrad selbst vornehmen. Natürlich würden das gern auch die Fahrradhändler und -mechaniker tun. Die Hersteller von Fahrrädern könnten künftig ihre neuen Erzeugnisse mit oder ohne Ausrüstung zum Einkaufen wie heute mit oder ohne E-Antrieb anbieten.

Laststufe 50 kg

In der Anmeldung zu diesem Gebrauchsmuster beim Patentamt heißt es: Laststufe vermutlich 50 kg. Soviel auf einmal hat der Entwickler bei seinen Einkaufsfahrten selbst noch nicht transportiert, wohl aber, gewogen, bis 30 kg, einbezogen die Einkäufe, die auf dem leeren Gepäckträger zu liegen kamen, der ja weiterhin genutzt werden kann und soll - mit oder ohne zusätzlich mitgeführten herkömmlichen Fahrradkorb.

"Mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren,
immer dann, wenn es sinnvoll und möglich ist."

Alfred Hofer

Wie viel mit dem Einkaufsfahrrad transportiert werden kann (oder sollte, damit der Transport ohne Stress verläuft), hängt vom Einzelnen sowie von vielen Umständen und Faktoren ab. Beispielsweise von der Fahrstrecke und -bahn, der Gesamtlast, der Verteilung der Last auf dem Fahrrad, den Anhängerrädern, der Gangschaltung.


Praktisch: Einkaufsfahrrad im Einsatz

Sicherheit und Fahrkomfort

Die Sicherheit der Konstruktion ist nach den bisherigen Erfahrungen gegeben, muss aber noch amtlich bestätigt werden, was erst vor dem Marktgang eines neuen Erzeugnisses erfolgen wird. Sicherheits- und ein gewisses Komfortgefühl für den Fahrer stellen sich erst ein, wenn sich eine größere Last auf dem Fahrrad möglichst nahe am Boden befindet (tiefer Schwerpunkt) und hinterhergezogen wird.

Der Fahrkomfort ohne Ladung ist durch das geringe Mehrgewicht der Zusatzausrüstung (gegenwärtig 4,8 + 1,2 kg, ohne zweibeinigem Ständer) kaum oder nur wenig beeinträchtigt, bei beladenem Anhänger abhängig vom Einzelnen und den Umständen.

Mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren, immer dann, wenn es sinnvoll und möglich ist - für viele eine notwendige Vorstellung. Was sich damit erreichen ließe, ist kaum zu überschätzen. Wenn sich doch viele dazu bereit fänden! Obgleich es für die meisten nicht so bequem wäre wie auf die herkömmliche Weise. Auf den Parkplätzen der Supermärkte läßt sich leicht ablesen, wie weit dieser ideale Wandel schon gediehen ist. Zu diesem beizutragen, ist das Einkaufsfahrrad gut geeignet.


Hersteller gesucht

Nun sucht der Entwickler des Prototyps, bislang auf sich allein gestellt, nach einem oder mehreren Partnern, die die professionelle Herstellung der Zusatzkomponenten und die erforderlichen Vorarbeiten wie Entwicklung und Technologie übernehmen wollen und können. (Beispiel: der kleine Anhänger ist in der Bastlerwerkstatt aus vielen Einzelteilen entstanden; sein Kern kann und muss kostengünstig im Aluguss entstehen.) Für die Realisierung geht es wesentlich um die Bereitstellung der Vorlaufkosten, des Risikokapitals. Infrage kommen Betriebe der Fahrradindustrie, darunter die Anhänger- und Gepäckträgerhersteller, aber auch sonstige Interessenten wie fahrradkundige Metallverarbeiter.

Gefunden hat sich bisher trotz des Beifalls für die Neuerung von allen Seiten niemand. Mentaler Zuspruch und Kontakthilfen kamen insbesondere vom ADFC Baden-Baden·Bühl·Rastatt sowie vom Rat der Stadt Bühl.

Kontakt: Alfred Hofer, Tel. 07223 4634 (von 19 bis 20 Uhr)


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