Radler-Demo durch Stuttgart

Verkehrspolitik

Radfahrende fordern die Stadt auf, Radverkehrsmaßnahmen schneller umzusetzen

Der ADFC Stuttgart hat am Samstag (10. Oktober) eine Kreisfahrt quer durch Stuttgart veranstaltet. Gut 100 Radfahrende demonstrierten dafür, wichtige Verbesserungen für den Radverkehr beschleunigt umzusetzen. Die Strecke führte vom Börsenplatz über den Innenstadtring. "Gerade hier gilt es, zügig eine Radwegeverbindung zu schaffen", sagte Tobias Willerding vom ADFC Stuttgart und verwies darauf, dass auch eine im Auftrag der Stadt erstellte Studie für Radschnellverbindungen zu diesem Schluss gekommen sei. Doch ausgerechnet hier baut die Stadt Stuttgart nun Radinfrastruktur zurück – nämlich die Pop-up-Bikelane an der Theodor-Heuss-Straße.

Anschließend fuhren die Radler*innen von Stuttgart-Ost bis Hedelfingen entlang der angedachten Strecke der Hauptradroute 2. Diese Route befindet sich seit vielen Jahren in der Planung. Kommunalpolitik und -verwaltung haben sie immer weiter verzögert, nach neustem Stand soll sie erst Ende 2023 fertiggestellt sein.

Danach führte die Strecke über Ober- und Untertürkheim wieder zurück in Richtung Stuttgart mit Zwischenstation am Bruckwiesenweg. Dort soll künftig der Radschnellweg von Esslingen in Richtung Stuttgart geführt werden. Während im Landkreis Böblingen bereits zwei Radschnellwege umgesetzt worden sind, gibt es in Stuttgart bisher nur eine Machbarkeitsstudie. Hier muss, forderte Willerding, "die oder der neue OB mehr Tempo machen!"

Weiter ging es über die Mercedesstraße, wo der Gemeinderat bereits Anfang des Jahres einen Radweg beschlossen hat. Willerding kritisierte, dass auch hier bisher nichts passiert ist, und verweist auf die Deutsche Bahn: Sie habe es geschafft, in Stuttgart-Plieningen einen baulich getrennten, asphaltierten Radweg innerhalb eines halben Jahres zu planen und zu bauen. Dagegen scheinen Radverkehrsprojekte bei der Stadt Stuttgart immer eine Mehrjahresmaßnahme zu sein. Willerding: "Radwegebau gehört sicher nicht zur Kernkompetenz der deutschen Bahn, sollte aber eine Kernkompetenz der Stadtverwaltung sein."

Zum Schluss fuhren die Radler*innen über die Cannstatter Straße und den Arnulf-Klett-Platz vor dem Hauptbahnhof. Auf beiden Straßen gibt es ein Fahrverbot für Fahrräder und keinerlei Radinfrastruktur, sodass der Radverkehr über den Schlossgarten oder freigegebene Fußwege geschickt wird. "Obwohl dieses Manko seit Jahren bekannt ist", so Willerding, "ist bisher weder vonseiten der Verwaltung noch vonseiten der Politik etwas passiert." Sein Fazit: Der ADFC Stuttgart erwartet, dass Stadtverwaltung und -politik 2021 mehr Tempo machen.

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