Fahrradfresser Autotür

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Überraschend geöffnete Autotüren sind der Schrecken aller Radfahrenden. Wenn Autofahrer oder Fahrgäste beim Aussteigen nicht auf den Radverkehr achten, sind Stürze fast unvermeidlich.

Beinahe jeder zweite Unfall zwischen einem Radfahrenden und einem parkenden Auto wird durch Öffnen der Autotür verursacht, meldet die Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Es gibt sogar einen eigenen Begriff für diese Art Unfälle: Dooring (vom englischen Wort "door" - "Tür"). Schuld hat in den meisten Fällen der Autofahrer (oder Beifahrer). Diese Unfälle wären mit folgendem einfachen Trick ganz leicht zu vermeiden:

  • Man öffnet die Autotür nicht mit der Hand, die der Tür am nächsten ist, sondern mit der anderen Hand, und zwar egal, ob man Fahrer oder Beifahrer ist oder vorn oder hinten sitzt.
  • Bei dieser ungewohnten Bewegung dreht sich der gesamte Oberkörper und „zwingt“ den Aussteigenden gewissermaßen zum Schulterblick auf die Straße.
  • Dadurch sieht man rechtzeitig, ob sich ein Radfahrer im toten Winkel des Fahrzeugs nähert und kann warten, bis er vorbeigefahren ist.

In den Niederlanden – wo der Griff schon lange zum Fahrschulunterricht gehört – ist diese Art, aus dem Auto zu steigen, seit Jahrzehnten gängige Praxis. Darum wird der Griff auch als „Dutch Reach“ (auf Deutsch „holländischer Griff“) bezeichnet.

Öffnende Fahrzeugtüren sind Verursacher von Unfällen

Bundesweit kamen 2019 zwei bis drei Radfahrer oder Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben. Etwa 60 werden täglch schwer und 260 leicht verletzt. Rund jeder zweite Unfall zwischen einem Radfahrer und einem Auto, der mit Parken im Zusammenhang steht, ist ein Dooring-Vorfall. 

Es trifft nicht nur Radfahrer: Mehr als die Hälfte der identifizierten Parken-Unfälle stehen in einem indirekten Zusammenhang mit dem Parken - meistens durch Sichteinschränkungen. Betroffen sind hiervon vorrangig zu Fuß Gehende, die zwischen parkenden Fahrzeugen die Straße queren wollen. In Längsrichtung sind es Radfahrende an Knotenpunkten und Einfahrten.

"Die wesentlichsten Probleme sind Radverkehrsunfälle
mit geöffneten Fahrzeugtüren"

Unfallforschung der Versicherer

Das regelwidrige Parken ist vor allem für Radfahrende ein Problem. Aber auch Defizite der Infrastruktur wie fehlende Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Fahrzeugen können Unfälle begünstigen, sagt die UDV.

Die Verantwortung für den konkreten Unfall liegt in fast allen Fällen allein beim Autofahrenden (oder seinen Fahrzeuginsassen). Folgen eines solchen Unfalls sind meist Schürfwunden, Knochenbrüche, Prellungen und noch Schlimmeres. 


Fahrradfresser: Unfallrisiko Autotür

Was empfehlen Unfallforscher?

Zur Vermeidung von Unfällen von zu Fuß Gehenden und Radfahrenden im Zusammenhang mit dem Parken werden von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Wenn der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt wird (auch im Mischverkehr), sollte stets ein Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Fahrzeugen markiert werden.
  • Auch zum Gehweg sind ausreichende Sicherheitsräume zu gewährleisten.
  • Im Zuge von Tempo 50-Straßen sollte das Parken am Fahrbahnrand 20 Meter vor und 15 Meter nach dem Knotenpunkt bzw. der Querungsstelle untersagt werden.
  • Auf Straßen mit geringeren Geschwindigkeiten sollte 10 Meter davor und 5 Meter danach das Parken verboten werden.
  • Wenn das Parken auch im näheren Bereich der Kreuzung oder Querungsstelle ermöglicht werden soll, sollten die Sichtfelder durch bauliche Maßnahmen (Bordsteine, Poller etc.) freigehalten und der Gehweg mindestens bis an den Fahrbahnrand vorgezogen werden.
  • Auch das Parken an Grundstückszufahrten muss so gestaltet werden, dass eine ausreichende Sicht auf zu Fuß Gehende und Radfahrende im Seitenraum und auf der Fahrbahn gewährleistet ist.

Sei kein Fahrradfresser! Sei ein Lebensretter!

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) nimmt sich ebenfalls des Themas an. Der neue Animationsfilm der BGHW-Kampagne GIB MIR NULL! steht unter dem Motto "Sei kein Fahrradfresser! und zeigt anschaulich, wie der Holländische Griff funktioniert.

Forderung an die Verbände der Berufskraftfahrenden und Fahrschulen

Der “holländische Griff” wird in den Niederlanden routinemäßig mit großem Erfolg angewandt. Um dies auch in Deutschland zu erreichen, bedarf es einer deutlichen Verhaltensänderung. Berufskraftfahrende (zum Beispiel in Taxi, Lieferwagen und Lkw) sollten hierzu über ihre Arbeitgeber verpflichtet werden und können durch ihre Multiplikatorwirkung aktiv zu der notwendigen Verhaltensänderung beitragen. Fahrschulen sollten einen stärkeren Fokus in der Fahrausbildung auf diese Praxis und die nachhaltige Anwendung des “holländischen Griffs” legen.

Forderung an die Autohersteller

Um Dooring-Unfälle zu verhindern, müssen Kraftfahrzeuge mit automatischem Stopp-System für Autotüren ausgestattet werden, die das Öffnen kurz vor und während des Vorbeifahrens eines Radfahrenden verhindern.

https://www.adfc.de/artikel/ploetzlich-oeffnet-sich-die-autotuer/


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