Im STA: Radverkehrsplanungen im Industriegebiet bei S-Vaihingen

Verkehrspolitik

Für einen Teil des Synergieparks Vaihingen – Möhringen werden den Mitgliedern des Stadtentwicklung- und Technik-Ausschusses im Stuttgarter Gemeinderat Pläne zur Umgestaltung vorgelegt. Ein Novum ist, dass zwei Planungen zur Auswahl stehen, zwischen denen der Ausschuss dann entscheiden soll. Beide sehen Radverkehrsanlagen in der Schockenriedstraße und der Industriestraße östlich der Ruppmannstraße vor, ebenso in der Ruppmannstraße zwischen den beiden Abzweigungen, die künftig als Minikreisverkehre gestaltet sein sollen.

Schauen wir uns dazu zunächst die Pläne etwas genauer an. Veröffentlicht wurden diese Darstellungen für die Sitzung des Gemeinderats-Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik am 10.3.2020. An diesem Termin werden die Pläne eingebracht, am 31.3.2020 erfolgt eine Vorberatung, bevor dann am 2.4. der ganze Gemeinderat darüber abstimmen soll. Dazwischen sollen sie in den beiden betroffenen Bezirksbeiräten behandelt werden.

Die Vorlage: https://t.co/Ai78b3EKr4?amp=1
Plan 1:https://t.co/QPddIutiJ6?amp=1
Plan 2: https://t.co/YXlN6WlUgI?amp=1
Der Vollständigkeit halber: Pläne Nord-Süd-Straße: https://t.co/d1pWf2hiY5?amp=1

In der Ruppmannstraße sind in beiden Varianten Radfahrstreifen vorgesehen, mit Breite 2,0 m. Parkstreifen sind keine vorgesehen, damit erübrigt sich die Frage nach dem Sicherheitsabstand zu diesen. 2 m breite Radfahrstreifen sind das absolute Minimum, welches der Radentscheid forderte – damit es möglich ist, einfach einen Parkstreifen durch einen Radfahrstreifen zu ersetzen. Wenn man relativ weit rechts auf dem Streifen fährt, sollte man dadurch schon mal ca. 1 m Sicherheitsabstand zu den überholenden Fahrzeugen haben. Der restliche halbe Meter, um auf die zu recht vorgeschriebenen 1,50 m Abstand zu kommen, muss dann dadurch zustande kommen, dass der Autofahrer nicht direkt am rechten Rand seiner Spur fährt.

In der Industriestraße sieht man einen Unterschied zwischen den beiden Plänen. Variante 1 enthält auf einer Seite noch Parkplätze, die Radfahrstreifen sind mit 1,85 unter den Maßen, die aus dem Radentscheid resultieren und entsprechen genau dem Maß der ERA (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen). Immerhin misst der Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos 0,75 m, wohingegen bislang meist nur 0,5 m eingeplant wurden. Das ist ein wichtiger Punkt für mehr Sicherheit vor "Dooring"-Unfällen. Plan 2 sieht hingegen vor, keine Parkplätze mehr zu erhalten, dann ist zudem auch kein Sicherheitstrennstreifen mehr nötig. Der gewonnene Platz wird für einen 2 m breiten Grünstreifen mit Bäumen in der Straßenmitte verwendet, dazu ist der Radfahrstreifen genau 2 m breit und der nördliche Gehweg wird verbreitert.

Größer ist der Unterschied in der Schockenriedstraße. Hier sind im Plan 1 neben parkenden Autos auf beiden Seiten nur Schutzstreifen eingeplant, die nach Radentscheid gar nicht mehr infrage kommen. Sie haben das Regelmaß nach ERA von nur 1,50 m – zu wenig, um sicher mit genug Abstand überholt werden zu können. Die Restfahrbahn ist 4,50 m breit. Das lässt befürchten, dass zumindest bei Gegenverkehr die Autofahrer scharf an der Linie entlangfahren und die Radfahrer dabei viel zu dicht überholen – obwohl sie eigentlich hinter dem Radfahrer bleiben müssen, bis genug Platz vorhanden ist. Einziger Lichtblick: Auch hier sind Sicherheitstrennstreifen zu den parkenden Autos von 0,75 m vorgesehen. Plan 2 hingegen sieht das Parken "nur" noch auf einer Seite vor, wodurch Platz gewonnen wird, Radfahrstreifen mit 2 m Breite zu markieren, die Kfz-Fahrbahnen in Normalbreite auszuführen und außerdem auf der Südseite den Gehweg ein wenig zu verbreitern. Einziger Nachteil: Gegenüber Plan 1 fallen drei Bäume auf der Nordseite weg. Dafür kommen in der Industriestraße sechs hinzu, auf dem oben genannten Grünstreifen in der Mitte.

Der ADFC Stuttgart spricht sich ganz klar für Plan 2 aus, wobei es schön wäre, die Radfahrstreifen noch etwas breiter ausfallen zu lassen. Kein Verständnis haben wir dafür, dass es in der städtischen Vorlage heißt: "Seitens der Fachverwaltung wird empfohlen, diese Variante nicht weiterzuverfolgen." Dafür wird keine Begründung angegeben, dies kann aber nur mit der "schlechteren" Parkplatzbilanz begründet werden. Wer eine Verkehrswende will, muss aber mutige Maßnahmen ergreifen und darf sich nicht nur am Status Quo festhalten. Parkplätze ziehen Autoverkehr an. Und wenn befürchtet wird, dass naheliegende Wohngebiete zum Parken missbraucht werden, dann müssen entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

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