"Noch aus der Nachkrigszeit"

ADFC fährt mit Vertretern der Stadt und des Gemeinderats durch Haller Osten

Neue Schutzstreifen, schmale Wege und flache Bordsteine: Der Haller ADFC hat am Mittwoch mit Vertretern der Stadtverwaltung und Gemeinderäten Wege im Haller Osten inspiziert - auf Fahrrädern.

Die Bremsen des orangefarbenen Fahrrads quietschen. Dann knallt das Gefährt auf den Asphalt - mit ihm Reinhold Goisser, Leiter der städtischen Abteilung Tiefbau. Der Kreisverkehr in der Geschwister-Scholl-Straße war wohl zu verwirrend - er ist nicht auf der Straße, sondern auf Höhe des Asriel-Eisenberg-Wegs auf dem Geh-weg installiert. "So etwas sehe ich zum ersten Mal", sagt Peter Klink, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Stellvertreter Thomas Thamm hat die Erkärung: "Da stand früher ein kapitaler Baum. Drumherum wurde der Kreisel gebaut." Der Baum ist weg, was mit dem Bauwerk geschehen soll, ist unklar.

Die Haller Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) ist am Mittwoch bei ihrer jährlichen Tour mit Vertretern der Stadt und Stadträten von CDU und Grünen im Haller Osten unterwegs. Dieter Wolfarth führt die 15-köpfige Gruppe vom Schenkensee über den Solpark nach Hessental - bis zum Karl-Kurz-Areal - und über die Mittelhöhe wieder zurück.

"Wir sind auf einem guten Weg in Richtung Fahrradstadt."

"Es wurde ganz viel Gutes und Neues gemacht", lobt er die Verwaltung. "Wir sind auf einem guten Weg in Richtung Fahrradstadt." Das meint auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, der mit Muskelkraft auf zwei Rädern unterwegs ist. "Im Osten hat sich viel getan." An vielen Details sei das zu erkennen, unter anderem an abgesenkten Bordsteinen und Radschutzstreifen.

Wolfarth lobt nicht nur, er hat auch Verbesserungsvorschläge. So fehle am Eingang zum Schenkenseebad eine Überdachung für die Fahrradständer. Am unteren Eingang zum Freibad seien die Ständer "noch aus der Nachkriegszeit", an denen nur Räder, aber keine Rahmen befestigt werden könnten.

Als problematisch sieht er den Radverkehr auf der Tüngentaler Straße an. Dort wurde auf einer Seite ein Fahrradschutzstreifen angebracht. In Richtung Schule fehlt er, weil die Straße zu schmal ist. "Hier müsste man den Gehweg verbreitern." Volkmar Gessinger meint, es helfe bereits, wenn Anwohner ihre Hecken schnitten. "Zur Not muss das als städtische Zwangsmaßnahme passieren."

Schutzstreifen auf der Einkornstraße

Einen einseitigen Schutzstreifen gibt es auch im Gründle auf der Raiffeisenstraße - auf der Seite, wo es bergauf geht. In die Gegenrichtung müssten Fahrradfahrer auf der Straße fahren. "Das ist ohnehin sicherer und generell gut, wenn keine Schutzstreifen da sind", meint Wolfarth. Zudem dürfe man da mehr als zehn Stundenkilometer fahren.

OB Pelgrim hält sich aber nicht daran - und wird sogleich vom Ordnungsamtsleiter Manfred Gentner ermahnt. Sein Chef nimmt es gelassen. "Dafür fahr ich ja Fahrrad, um schnell voranzukommen."

Die Forderung des ADFC nach einem Schutzstreifen auf der Einkornstraße ist noch nicht erfüllt. Gentner verweist auf Probleme mit dem Linienverkehr auf der engen Fahrbahn. Gewünscht werden vom ADFC auch neue Schilder für Alltagsradler. "Die touristischen Schilder zeigen nicht immer die optimalen Routen an", so Wolfarth. Er wünscht sich zudem eine Radkarte am Hessentaler Bahnhof. Peter Klink nickt: Ein neuer Stadtplan mit Radwegen sei bereits in Arbeit.

Für gefährlich hält Anwohnerin Regina Scheurer eine steile Strecke vom Grauwiesenweg zur Einkornstraße. "Wer aus dem Riegelweg raus möchte, muss sehr aufpassen, da durch die Hecke keine Sicht ist." Gentner wundert sich, dass das Radfahren an der Steigung freigegeben ist - und vergewisstert sich selbst. "Tatsächlich: Da steht Geh- und Radweg, sogar verpflichtend." Pelgrim macht kurzen Prozess: "Also Schild abmachen!" Problem gelöst.

Nicht so einfach ist dagegen die Situation an der Alten Hessentaler Straße, die eigentlich eine Verbindung zur Grundschule Steinbach darstellt, laut Wolfarth aber für Radfahrer zu stark vom Verkehr frequentiert sei. Das bestätigt Gentner. Messungen hätten zudem gezeigt, dass gerast wird, trotz mehrerer Straßenschwellen. Die sind dem Radclub ein Dorn im Auge, da sie für Radfahrer eine gefährliche Hürde darstellten. Ohne würde aber sicher noch mehr gerast, meint Scheurer.

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Fahrradbox am Bahnhof

Chipkarte Die Stadt hat 2013 am Hessentaler Bahnhof eine überdachte und abgeschlossene Abstellanlage für Fahrräder installiert - ein Vorschlag aus dem Radverkehrskonzept. Der Zugang erfolgt über Chipkarten. 125 seien bereits im Umlauf, so Thomas Thamm, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen. Erhältlich sind die Karten kostenfrei bei der Abteilung Stadtplanung, Gymnasiumstraße 4, Telefon (0791) 751385.

SWP

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 (Quelle: Haller Tagblatt vom 25. September 2015)

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