Radverkehrskonzept des ADFC für den Landkreis Schwäbisch Hall

Präambel

Der Bund und das Land Baden-Württemberg fördern verstärkt den Radverkehr als um­welt­­freundlichste und gesündeste Fortbewegungsart im Bereich bis ca. 5 km, mit Pedelec bis 10 km, mit dem „schnellen“ Pedelec sogar bis 15 km und mehr. Sie haben sich die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf 20% als Ziel gesetzt. Eine Verkehrswende für den Klimaschutz ist ohne eine deutliche Erhöhung des Radverkehrs nicht zu schaffen.

Auch der Landkreis Schwäbisch Hall möchte den Trend vieler Menschen zu einer nachhaltig gesunden, modernen und lustbetonten Mobilität unterstützen. Die z. T. ungünstige Topografie mit tief eingeschnittenen Tälern ist im Zeit­alter der Pedelecs (= Fahrrad mit Elektrounterstützung) kein Hinderungs­grund mehr: Mit einem Pedelec kann Frau und Mann zügig und trotzdem unverschwitzt Berge hochfahren. Und das extrem klimaschonend mit max. 1 kWh Strom pro 100 km, das entspricht weniger als 0,1 l Benzin/100 km bzw. ca. 25 Cent pro 100 km (= Preis einer Pfandflasche).

 Ziele

Der Landkreis Schwäbisch Hall möchte dem Fahrradverkehr im gesamten Landkreis durch ein attraktives und ambitioniertes Radverkehrskonzept einen deutlichen Auftrieb geben, um viele AutofahrerInnen in immer mehr Situationen zum Umsteigen auf das Fahrrad zu motivieren: Bei der Fahrt zum Bäcker oder am Sonntag zur Kirche, Jugendliche fahren selbstständig zum Verein oder zur FreundIn statt mit dem „Mama-Taxi“. Die tägliche Fahrt zur Arbeit wird für immer mehr zur Selbstverständlichkeit, weil immer mehr Betriebe dies fördern, … .

Das Radverkehrskonzept untersucht die vorhandene Radinfrastruktur (Wege, Abstellanlagen, Beschilderung, Service, Werbekampagne) auf Schwächen, empfiehlt mit einer Prioritätenliste Lückenschlüsse und Verbesserungen und macht Vorschläge für eine Imagekampagne. Eine Verdoppelung des Radverkehrsanteils wird innerhalb von 5 Jahren (bis 2019) angestrebt.

Inhalte

Gemeinde-, kreis- und länderübergreifende Zusammenarbeit (mit Bayern) bei Radwegeplanung und –bau nach ERA 2010-Standard, (überdachte) hochwertige Radabstell­anlagen gerade auch an Bahnhöfen und Bus­halte­stellen (Verknüpfung mit dem ÖV), Radwegweisung für Alltagsradler nach FGSV-Standard, Serviceleistungen (Kreis-Radkarte mit Alltagsrad­wegen, Radmitnahme im Bus, öffentliche Ladestationen, Luftpumpen, Schließfächern, etc.) und vor allem einer Werbekam­pagne („Radfahren beginnt im Kopf“): Slogan z. B. „Wir im Kreis Hall fahren Fahrrad“.

 Methoden

·        Die Kreisverwaltung schafft eine Stelle „Radverkehrsplanung“.

·        Der Kreistag beschließt einen Etatposten „Fahrradförderung“.

·        Der Kreis gibt Teile eines Radverkehrskonzepts in Auftrag bei einem ex­ternen Planungsbüro zur schnelleren Umsetzung und für professionelles externes Input. Ein wichtiger Baustein hierbei ist die Digitalisierung aller Radinfrastrukturmaßnahmen, vor allem aller Radwege nach Art und Güte.

·        Alle 30 Gemeinden des Landkreises werden einbezogen in die Ent­wicklung. Der Kreis trägt bei zur Weiterbildung der in den Gemeinden für den Radverkehr Verantwortlichen.

·        Der Kreis initiiert einen Wettbewerb „Fahrradfreundlichste Kommune“.

·        Der Kreis informiert und ermutigt Betriebe, noch radfahrerfreundlich zu werden, evtl. auch über einen Wettbewerb „Fahrradfreundlichster Betrieb“. Der Kreis unterstützt aktiv die Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“.

·        Der Kreis koordiniert die Schulradwegeplanung aller Gemeinden mit weiterführenden Schulen. Der Kreis initiiert eine kreisweite Kampagne „Mit dem Rad zur Schule“. Der Kreis entwickelt die Schulradweg-Pläne seiner Berufsschulzentren weiter.

·        Der Kreis sorgt für die Einhaltung der ERA-Standards und gibt „Best-Practice-Beispiele“ vor.

·        Der Kreis wird Mitglied in der AGFK-BW (Arbeitsgemeinschaft Fahrrad­freundlicher Kommunen).


Was hätten die BürgerInnen im Kreis von den Geldausgaben zur Radverkehrsförderung?

 

Vermehrtes Radfahren trägt zu einer Reduzierung der verkehrsbedingten Emissionen bei und zu einer hoffentlich deutlichen Lärmreduzierung in den Gemeinden. Im Zeitalter der weitverbreiteten Herz-Kreislauferkrankungen und des Bewegungsmangels ist Rad fahren eines der besten Präventiv­maßnahmen.

Also:

Gesündere Bürger durch mehr und tägliche Bewegung.

Bessere Luft durch weniger Autoverkehr.

Weniger Lärm durch weniger Autoverkehr.

Weniger Staus.

Geringere Krankenstände bei den Betrieben.

Geringere Kosten der Krankenkassen.

Höhere Attraktivität im Radtourismus.

Weniger Raumbedarf für den ruhenden Verkehr.

Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität, auch für Neubürger.

 

(Stand: 14.07.2014)

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