JUBILÄUMS - RADTOUR  2007 ins  VINSCHGAU


29. September bis 2. Oktober 2007

Wenn einer eine Reise tut . . .

Oder : manchmal kommt es anders als man denkt !

Bevor wir die Reise starten, erst einmal einige Infos zur Gegend, in der wir unterwegs waren. Das Motto der Reise war: Radtour und Törggelen in Südtirol. Wer kennt ihn nicht, den See mit dem herausragenden Kirchturm. Hier am Reschensee startete unsere Radtour, unser Ziel war der Kalterer See. Der Reschensee ist ein Stausee in der Gemeinde Graun im westlichen Südtirol. Der künstliche Stausee ist 6 km lang und an den breitesten Stellen etwa 1 km breit. Unmittelbar am See liegen die Dörfer Reschen, Graun und St. Valentin auf der Haide. Bis zum Jahr 1950 gab es am Reschenpass drei Seen: den Reschensee, den Mittersee und den Haidersee. Für die Stromerzeugung wurden die Dörfer Graun und ein Großteil des Dorfes Reschen unter Wasser gesetzt und ausgelöscht. Unzählige Häuser wurden zerstört und große Flächen an fruchtbarem Kulturboden wurden überflutet. Es entstand ein riesiger Stausee, der eine fast tausendjährige Besiedelungsgeschichte und die Hochebene am Reschenpass vernichtete. Heute zeugt nur noch der aus dem See ragende Kirchturm vom versunkenen Alt-Graun.
Begleitet wurden wir auf unserer Tour von der Etsch. Die Etsch entspringt in den Ötztaler Alpen, durchfließt den Reschensee, gelangt mit raschem Gefälle auf die Malser Haide und die ebene Talsohle von Glurns. Weiter ostwärts durch den Vinschgau passiert sie Meran und Bozen (Etschtal), fließt durch das Südtiroler Unterland und mündet in die Adria. Mit 415 km Länge ist die Etsch der zweitlängste Fluss Italiens.
Der Kalterer See liegt auf eine Höhe von 215 m ü NN in einer von einem alten Flussbett der Etsch gebildeten Senke, ca. 14 km südlich von Bozen. Er ist einer der größten Seen Südtirols und der wärmste Badesee der Alpen.
Der Vinschgau ist eine herrliche Region zum Radfahren. Auf 80 km Länge umschließt er das Gebiet vom Reschenpass bis Meran. Der höchste Berg des Vinschgaus ist der Ortler, ebenso findet man hier die größte zusammenhängende Apfelplantage Europas. Dieses herrliche Gebiet durften wir drei Tage lang auf einer Radstrecke, die fast immer bergab ging, genießen. Landschaft und Wetter waren super und was sonst noch geschah....

Teil 2 :
Bisher wurden unsere Ausflüge immer von unternehmungslustigen ADFC-lern selbst organisiert. Aber warum sollten wir zum Jubiläumsausflug nicht einmal professionelle (?!) Hilfe in Anspruch nehmen. Also setzten wir uns mit einem Reiseunternehmen, das diese Radreise schon mehrfach unternommen hatte, in Verbindung. So ein Reiseveranstalter kennt sich aus, kennt die Gegend und findet immer zielsicher den Weg, oder? Wir buchten eine Reise, an der nur die Remsecker ADFC-ler teilnehmen sollten, also eine eigene Reisegruppe. Dies wurde uns vom Veranstalter zugesagt, aber es kam anders. Nur wenige Tage vor Beginn der Tour wurde uns mitgeteilt, dass noch sieben weitere Personen an dieser Reise teilnehmen werden und das obwohl die Reise mit 30 Remseckern schon gut ausgebucht war. Diese Tatsache löste keine Begeisterung bei uns aus, aber der guten Laune tat's keinen Abbruch.

Samstag, 29. September 2007: Es ist 6.30 Uhr und fast alle 30 Teilnehmer sind bereits auf dem Lidl-Parkplatz eingetroffen. Die morgendlichen Temperaturen lassen noch sehr zu wünschen übrig, aber ein Radler hat sich tatsächlich für die kurze Hose entschieden. Er kennt doch hoffentlich unser Ziel? Vorsichtshalber sagen wir ihm, dass wir nicht nach Mallorca fahren. Der Bus mit seiner Crew (sie nennen sich die magischen 3 - der Busfahrer und zwei Tourenleiter) erwarten uns bereits. Wir staunen nicht schlecht über den luxuriösen Radanhänger, in dem 40 Räder, jeweils einzeln in einer Schiene stehend, einen sicheren Standplatz finden. Die magischen 3 staunen über die guten Räder, die hier eingeladen werden. Kann es sein, dass keiner weiß, dass hier der Radclub heut verreist?
Es ist 7.00 Uhr - der Bus startet. Der direkte Weg von Remseck zum Reschensee führt über Aalen. Na ja nicht wirklich, aber wir müssen ja noch die sieben weiteren Teilnehmer abholen und die warten in Aalen. War die Wetterlage während der Woche eher bescheiden, so zeigt sich das Wetter während der Fahrt von seiner besten Seite. Sonne und blauer Himmel begleiten uns, die Vorfreude auf's Radeln steigt und die "kurze Hose" freut sich, hatte er doch am frühen Morgen den richtigen Riecher, denkt er!
Während der Fahrt werden wir von den Tourenleitern auf die Reise eingestimmt. Zum dritten Mal schon führen sie diese Reise durch und kennen sich bestens aus, Erfahrung mit Gruppen haben sie selbstverständlich auch. So, so! Eine Vorschau auf die nächsten drei Tage verspricht uns herrliche Landschaften (stimmt), schöne Pausen, um diese zu genießen (wo?), die Möglichkeit zur Weinprobe (keine Spur), guten Südtiroler Speck einkaufen (wäre toll gewesen). Und übrigens: in den letzten drei Jahren gab es nur einen einzigen "Platten". Tja, mit uns waren die magischen 3 halt noch nicht unterwegs!
Nach sieben Stunden Fahrt ist unser Ziel erreicht. Bei welchen Temperaturen wir jetzt auf's Rad steigen - nächste Woche mehr.

Teil 3 : Samstag, 29. September, 14.00 Uhr:
Das Ziel unserer Busfahrt ist erreicht. Leider hat sich die Wetterlage im Verlauf der Fahrt geändert. Der Himmel ist jetzt wolkenverhangen. Der Busfahrer verkündet die Außentemperatur - 10 Grad! Das heißt, alles anziehen was uns zur Verfügung steht. Auch die "kurze Hose" kapituliert bei diesen Temperaturen und streift schnell eine lange über. Im übrigen bewaffnen wir uns mit dicken Jacken, Halstüchern, Stirnbändern und Handschuhen. Während sich die einen warm einpacken, laden die anderen alle Räder aus, das Tagesgepäck wird in den Taschen verstaut und alle stehen bereit für das Gruppenfoto.


Unsere ersten 50 Radkilometer im Vinschgau beginnen. Das heutige Ziel ist unser Hotel in dem Ort Morter. Wir fahren immer leicht bergab durch schöne Urlaubsorte wie St. Valentin, Mals und Schluderns. Zeit für ausgiebige Pausen bleibt nicht. Die Zeit drängt etwas, sonst kommen wir zu spät zum Abendessen. So eine ständige Abfahrt macht natürlich doppelt so viel Spaß mit dem Wissen, dass man diese Höhenmeter nicht wieder rauf muss. Allerdings ist es teilweise so bitterkalt und manch einer denkt darüber nach, ob er nicht doch noch ein warmes Kleidungsstück in der Tasche hat. Wir trösten uns mit dem Wetterbericht, der Besserung für die nächsten Tage verspricht. Auch ist auf einer solch langen Abfahrt das Bremsen nicht zu unterschätzen. Die Bremsen laufen heiß und wir bekommen schon fast einen Krampf in den Händen. Es klingt vielleicht unglaublich, aber es ist anstrengend. Da wünscht sich der eine oder andere doch tatsächlich zum Entspannen und Aufwärmen mal einen kleinen Anstieg! Also bei aller Liebe zum Radeln, zwischendurch mal ne Pause wäre auch nicht schlecht. Aber unsere Tourenleiter haben kein Erbarmen (das Abendessen!), deshalb ziehen wir halt die Notbremse. So ein "Platten" kommt da gerade recht. Der wird jetzt erst einmal geflickt und alle haben Zeit ihren jeweiligen Bedürfnissen nachzugehen (essen, trinken, Nase putzen und was sonst noch dringend erledigt werden muss).
Flott setzen wir unsere Tour fort und schaffen es um 18.00 Uhr im Hotel zu sein. Hier müssen wir doch tatsächlich noch wenige Höhenmeter überwinden, die Räder werden in einer Garage geparkt, das Gepäck wird aus dem Bus ausgeladen und die Zimmer bezogen. Die Zeit reicht gerade noch für eine kurze Dusche, dann geht's zum Abendessen. Manch einer hat hier schon einiges über sein Hotelzimmer zu erzählen...!

Teil 4 : Samstag Abend:
Wir sind alle mächtig hungrig und so sitzen nach einer kurzen Badezimmeraktion alle im Speiseraum des Hotels. Um es an dieser Stelle kurz zu machen: es gibt tolle neu renovierte Zimmer, renovierungsbedürftige Zimmer, kalte Zimmer, gut geheizte Zimmer, kaltes Wasser , warmes Wasser, braunes Wasser, klares Wasser zum Duschen... und es gibt Zimmer, in denen alles in bester Ordnung ist. So gibt es genügend Gesprächsstoff beim Abendessen und das Tolle ist, dass die super Stimmung in der Gruppe dafür sorgt, dass wir die "wenigen'" Widrigkeiten locker wegstecken. Das Essen schmeckt richtig gut und das Restaurantpersonal ist sehr freundlich und zuvorkommend. Diese Eigenschaften können wir wiederum dem Hotelchef nicht bescheinigen. Dieser legt eine nicht zu überbietende Arroganz an den Tag, die sich dadurch äußert, dass die Hotelgäste mit dem was sie vorfinden doch bitte zufrieden sein sollen und keine Diskussionen beginnen sollen. Na ja, das mit dem Diskutieren lassen wir uns mal noch offen. Aber wie gesagt, die Stimmung ist gut.
Es sitz noch eine weitere Reisegruppe im Speiseraum, die hat heute Abend ihren sog. "Törggelen-Abend". Törggelen kommt vom Lateinischen (Torggl) und meint ursprünglich eine Traubenpresse. Man verkostet in dieser Zeit die verschiedenen Stufen des Weines und isst dazu alte Bauernkost (zu vergleichen mit unseren Besenwirtschaften). Dazu gibt es noch Musik mit einem Alleinunterhalter. Zusammen mit dieser Reisegruppe wechseln wir nach dem Abendessen die Räumlichkeiten und es wird ein lustiger Abend. Der Alleinunterhalter, unser Busfahrer und der eine oder andere Gast erzählen einen Witz nach dem anderen und strapazieren damit unsere Lachmuskeln. Das "Busengedicht" lässt auch den Letzten in schallendes Gelächter ausbrechen. Auch in unserer Reisebeschreibung steht ein solcher Törggelen-Abend auf dem Programm. Wir freu'n uns schon drauf. So endet unser erster Reisetag in guter Stimmung und wir sind alle gespannt auf die morgige Radtour, die uns vom Hotel aus bis nach Meran führen soll. Den Ort Meran haben wir zielsicher gefunden, aber wo steht unser Busfahrer mit dem guten Picknick? Einen Kreisverkehr kann man halt in verschiedene Richtungen verlassen...

Teil 5 : Sonntag
Gut ausgeschlafen wirft jeder schon mal einen Blick aus dem Fenster. Das Wetter sieht heute schon besser aus. Es gibt zwar noch einige Wolken, die machen aber einen eher harmlosen Eindruck. Wir entscheiden uns für den Zwiebel-Look, wer weiß, vielleicht kommen wir ja noch ins Schwitzen. Um halb zehn soll's losgehen. Mancher frühstückt gerne länger und so stehen die ersten schon um 7.45 Uhr vor dem Frühstücksraum. Die Frühaufsteher haben allerdings die Rechnung ohne unseren liebenswerten Hotelwirt gemacht, der öffnet die Räumlichkeiten nämlich erst Punkt 8.00 Uhr. Also gut, dann warten wir halt bis sich die Pforten öffnen, werden dann aber mit einem super Frühstück belohnt.
Bis auf eine Person sitzen pünktlich um halb zehn alle auf den Rädern. Der Tourenleiter bittet uns um etwas Geduld und Verständnis für die morgendlichen Verdauungsprobleme (so genau wollen wir's jetzt eigentlich gar nicht wissen).
Das Problem kann behoben werden und los geht's nach Meran. Dort erwartet uns der Busfahrer mit einem Picknick. Gute Aussichten also, aber Meran ist groß und hat einen interessanten Kreisverkehr!? Wir genießen die Tour entlang der Etsch und durch die endlos scheinenden Apfelplantagen. Man möchte am liebsten in jeden Apfel reinbeißen, so lachen uns diese an. Ja und dann tun wir wieder etwas für den guten Schnitt bei den "Platten". Wie gut, dass sowieso gerade eine kurze Pause angesagt ist, da kann das Missgeschick gleich behoben werden. Die feuchten Reinigungstücher gehen weg wie warme Semmeln, denn wir haben hier einige "Radtechniker", die kaum zu bremsen sind. Wir setzen die Fahrt fort und erfreuen uns an der herrlichen Landschaft um uns herum. Schon bald ist Meran in Sicht, dann beginnt die Odyssee....


Teil 6 : Sonntag - Meran

Also wie gesagt, die Odyssee beginnt. Was wir sicher wissen, ist: wir suchen unseren Bus. Was wir sicher zu wissen glauben, ist: der Bus steht am Fußballstadion. Was wir in diesem Moment noch nicht wissen, ist: der Bus steht an der Pferderennbahn. Unbeirrt suchen wir also nun den Weg zum Fußballstadion. Bis Meran hatten unsere Tourenleiter ja sehr routiniert den Weg gefunden (war auch nicht soo schwierig), aber in der Stadt lässt die Orientierung doch sehr zu wünschen übrig. So kommen wir nach erfolgloser Runde wieder an dem Kreisverkehr an, an dem wir begonnen hatten. Also gut, nächster Versuch, so ein Kreisverkehr bietet ja diverse Möglichkeiten, ihn zu verlassen. Wir nehmen eine andere Ausfahrt und siehe da, auch hier findet sich kein Fußballstadion, dafür aber doch schon bald wieder der Ausgangspunkt am Kreisverkehr. Es wird diskutiert und gerätselt, die einen nützen die Zeit, um einen Happen zu essen (das Picknick ist so nah und doch noch nicht in Sicht). Andere entledigen sich unnötiger Jacken, mittlerweile herrschen schon fast sommerliche Temperaturen. Ein Telefonat mit dem Busfahrer bringt die Erkenntnis, dass der Bus auf dem Parkplatz der Pferderennbahn steht. Na bitte, geht doch. Wir verlassen den Kreisverkehr zum dritten Mal, wieder in eine andere Richtung und jetzt klappt's. Sehnsüchtig erwartet uns der Busfahrer mit dem Picknick. Hatten wir uns das Picknick vielleicht etwas idyllischer vorgestellt? Obwohl, so ein Parkplatz hat auch was, vor allem einen Besitzer, der uns nicht wohlgesonnen ist.
Aber wir erfahren erst später, dass der Parkplatzbesitzer unserem Busfahrer nahegelegt hatte, sich einen anderen Platz zu suchen. Egal, jetzt wird erst mal gevespert. Es gibt Brot, Würstchen, Wein und Obst, wir lassen es uns schmecken. Allerdings werden wir dabei scharf beobachtet und ehe wir's uns versehen, stehen zwei Carabinieri vor uns, die uns mit finsterer Miene unmissverständlich auffordern sofort das nicht erlaubte Picknick zu beenden. Widerspruch ist zwecklos, wir packen zusammen.
Einige Radler möchten noch die 40 km bis Bozen radeln, andere ziehen ein gemütliches Straßencafe in Meran vor. Die "Bozener" machen sich schon mal auf den Weg, auch sie wollen einen kurzen Rundgang durch Meran machen. Doch deren Abfahrt nach Bozen verzögert sich zum einen wegen eines "Plattens" (Nr. 3), zum anderen finden die Tourenleiter nicht mehr auf den Radweg zurück (eine gute Radkarte oder ein Stadtplan würden gute Dienste leisten!). Aber irgendwie geht's ja auch ohne, es bleibt halt nur ein bisschen Zeit auf der Strecke (wenn die wüssten, wie viel Zeit sie für ihre Tour an diesem Nachmittag noch haben...).
Die "gemütliche" Gruppe macht sich zusammen mit dem Busfahrer auf den Weg nach Meran. Nach kurzer Fahrt haben wir die Fußgängerzone erreicht und schieben die Räder durch die Gassen. Vielleicht erzählt uns ja der Busfahrer einiges Wissenswerte über das schöne Städtchen? Fehlanzeige - gehört wohl nicht zu seinen Aufgaben und so bestaunen wir die schönen historischen Gebäude und freuen und über das tolle Wetter und landen schon bald in einem herrlich gelegenen Straßencafe und genießen die Dreiviertelstunde Zeit, die wir für den Programmpunkt "Meran" haben. Übrigens: Meran ist nach Bozen die zweitgrößte Stadt Südtirols. Sie liegt inmitten eines Talkessels umgeben von Bergen an der Taleinfahrt des Passeiertals, des Vinschgaus und des Ultentals. Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist Meran vor allem als Kurort bekannt.
Kaffee und Eis waren hervorragend, aber jetzt ist es Zeit zum Bus zurückzuradeln. Schließlich müssen wir noch die "Bozener Gruppe" abholen und wir wollen ja nicht wieder zu spät zum Essen ins Hotel kommen. Wenn wir jetzt schon wüssten, was wir in zehn Minuten wissen, hätten wir noch 20 Kugeln Eis vertilgen können...

Teil 7 : Immer noch Sonntag!
Unser Busfahrer führt uns zielsicher aus der Fußgängerzone Merans wieder zurück zum Bus. Schon bei der Einfahrt in den Parkplatz staunen wir, wie voll dieser mittlerweile geworden ist. Auch an den unmöglichsten Stellen parken die Autos und es geht eng zu auf dem Platz. Wir verladen jetzt erst einmal die Räder, um uns dann auf den Weg nach Bozen zu machen. Die Bozener erleben in der Zwischenzeit eine weitere herrliche Radtour und sind mit einem Schnitt von 25 km/h flott unterwegs.
Die Meraner Gruppe ist bereit zur Abfahrt, doch auf welchem Weg soll der Bus samt Anhänger diesen Parkplatz eigentlich verlassen? Jetzt ist allen klar, der Busfahrer hat keine Chance seinen Bus durch die parkenden Autos zu jonglieren. Na ja, vielleicht verlässt ja der eine oder andere Wagen, der uns im Weg steht, den Platz. Immer wieder kommen Diskussionen auf, vielleicht würde es ja so oder so rum gehen, in der Theorie wird gedreht und gewendet, doch das Ergebnis ist ernüchternd: nichts geht! Der Parkplatzbesitzer hilft uns natürlich nicht (warum auch, er wollte den Bus ja nicht auf seinem Parkplatz haben), die Carabinieri geht das nichts an, denn der Parkplatz ist ja privat. Auch auf der Rennbahn ist niemand bereit, die Autofahrer auszurufen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten, warten, warten! Wir haben einen neuen Programmpunkt: Pferderennen. Ist ja auch nicht uninteressant und so vertreiben wir uns die Zeit auf der Pferderennbahn. Die Bozener sind zwischenzeitlich von dem Malheur informiert. Dort werden nun energische Diskussionen geführt. Soll gewartet werden, könnte man mit der Bahn zurückfahren oder sogar wieder mit dem Rad ein Stück zurück fahren. Letztendlich entschließt sich diese Gruppe für's Warten und schaut sich derweil die Stadt an. Mit guter Ortskenntnis der Tourenleiter könnte das ja eine gelungene Stadtführung werden, aber die Unkenntnis ist stärker.
So langsam beschleicht uns alle der Gedanke, es könnte im Hotel später wieder hektisch werden. Gemütliches Duschen steht wohl auch heute nicht auf dem Programm. Sage und schreibe zwei Stunden müssen wir auf dem Parkplatz ausharren, bevor wir diesen mit allen Fahrkünsten, die der Busfahrer zu bieten hat, in Richtung Bozen verlassen können. Jetzt gibt der Fahrer richtig Gas, wir holen die Bozener Gruppe und es geht zurück ins Hotel. Auf der Fahrt ist es ausgerechnet ein Mann, der die große Hoffnung hatte, heute auch einmal die Haare waschen zu können. Aber Zeit für Schönheit haben wir auf dieser Reise nicht. Im Hotel angekommen, muss alles ganz schnell gehen. Das Essen wartet schon auf uns. Laut Reisebeschreibung ist heute der Törggelenabend geplant, warum er auf morgen verschoben wird, weiß keiner. Ist ja auch egal, man muss flexibel sein. Bei einem sehr guten Essen geht der Gesprächsstoff über den heutigen Tag nicht aus. Zum gemütlichen Beisammensein müssen wir wieder den Raum wechseln. Wir lassen uns im Nebenzimmer nieder (etwas kühl hier, aber wir wissen ja, die Heizung...). Es entsteht eine Diskussion mit dem Hotelchef vor allem über die nicht beheizten Zimmer, wir dürfen die Tische nicht zusammenrücken und wir kommen zu dem Ergebnis: der Mann hat seinen Beruf verfehlt. Stören tut's uns nicht mehr, nur noch wundern. Der Abend klingt lustig aus und die Spannung auf den nächsten Radeltag wächst, denn morgen erreichen wir unser eigentliches Ziel, den Kalterer See. Um den Finger ins Wasser zu stecken, ist der See allerdings etwas weit weg...

Teil 8 : 3. Tag Weinstraße 50 km
So ist der Titel unserer Reisebeschreibung. Weiter heißt es: Heute wollen wir uns der alten Weinstraße von Südtirol widmen. .......Schauen und Genießen. Natürlich bleibt auch Zeit für so manchen Stopp. Ferner haben Sie die Möglichkeit zu einer Weinprobe (???) in einer typischen Weinkellerei. Ein weiterer Stopp wird natürlich auch der Kalterer See sein, unser eigentliches Ziel (tja?)......
Der Tag beginnt gut. Unsere Frühaufsteher müssen auch heute geduldig einige Runden ums Hotel drehen, bis sich um 8.00 Uhr die Pforten des Frühstücksraumes öffnen. Gut gestärkt versammeln wir uns alle im Bus. Dieser bringt uns nach Bozen, wo die heutige Radtour startet. Im Ausladen der Räder sind wir schon Profi und nach kurzer Zeit sitzen alle startbereit auf dem Sattel.
Der Radweg von Bozen nach Eppan zählt wohl aufgrund seiner besonderen Lage auf der ehemaligen Überetscher Bahntrasse zu einer der schönsten und naturnahen Verbindungen ins Überetsch. Der Radweg führt durch Obstwiesen und Weinberge und zieht sich im Bereich vor St. Michael durch den Hangwald unterhalb der Girlaner Terrasse. Hinter St. Michael schließt er an den bestehenden Fuß- und Radweg nach Kaltern an. Eine Attraktion ist die Fahrt durch die beiden alten erhalten gebliebenen Eisenbahntunnels. Eine wirklich tolle Radstrecke auf der wir heute sogar auch mal etwas bergauf müssen. Und tatsächlich gibt es heute eine Pause und zwar bei "Christel im Loch", ein schönes Weinlokal. Wir können auf der Terrasse sitzen und die warmen Sonnenstrahlen genießen. Die Zeit für diesen Genuss ist allerdings begrenzt und wir dürfen nichts Essbares bestellen. Nicht alle schafften es, ihr Glas leer zu trinken. Unsere "magischen 3" werden schnell unruhig und drängen zur Weiterfahrt (der Busfahrer ist heute auch auf dem Rad unterwegs). Wir trauen unseren Augen und Ohren nicht, als wir keine 15 Minuten später schon wieder eine Pause einlegen. Aber schließlich waren ja verschiedene Stopps im Programm vorgesehen. Wir sind mittlerweile in Kaltern angekommen und suchen dort ein typisches Südtiroler Gasthaus auf. In einem herrlich gelegenen Hof lassen wir uns die Vesperteller mit Speck und Käse schmecken. Auch ein gutes Gläschen Wein darf nicht fehlen. Alle sind zufrieden und begeistert vom Ambiente.


Ganz nebenbei: eine Weinprobe werden wir heute nicht mehr machen, da hat sich das Programm wohl getäuscht. Gut gestärkt machen wir uns auf zu unserem heutigen Ziel: dem Kalterer See. In rasanter Fahrt geht es bergab, schnell haben wir den See erreicht. Aber warum fahren wir denn vorbei....?

Teil 9 : Knapp vorbei am Kalterer See
Wir fahren bergab und vor uns liegt ein herrliches Bild: der Kalterer See. Jetzt geht's rechts ab zum See (eigentlich!). Unser Tour-Guide fährt aber nach links. Na ja, er wird schon wissen warum oder vielleicht doch nicht?! Wir radeln ein kurzes, aber knackiges Stück bergauf, biegen dann rechts ab und kommen weit oberhalb des Sees auf eine Aussichtsplattform. Zugegeben, eine herrliche Aussicht und ein toller Foto-Point, aber doch nicht so ganz das "eigentliche Ziel". Es wird gemunkelt, unser Tour-Guide habe die Abfahrt zum See verpasst?!


Egal, wir haben den See gesehen und nachdem diverse Fotos geschossen sind und unser Karl noch die Blasen eine hübschen jungen Dame verarztet hat, setzen wir unsere Fahrt zurück nach Bozen fort. Der Radweg ist super, ohne Steigungen können wir das tolle Wetter und die herrliche Landschaft genießen.
Wir steuern schon wieder auf einen Höhepunkt der Reise zu. Es gibt hier auf dem Weg eine Eisdiele, die wir so schnell nicht vergessen werden. Schon auf der Busfahrt wurde uns der Mund auf das genial gute Eis wässrig gemacht. Apropos Busfahrt, da muss ich noch kurz was dazwischen schieben: nachdem die "magsichen 3" sich mit Informationen über Land und Leute doch sehr zurückhielten, hielt es Bernd auf der morgendlichen Busfahrt nach Bozen nicht mehr auf seinem Sitz. Spontan entschloss er sich vorne im Bus das Mikrofon zu ergreifen und erzählte uns Interessantes zur Landschaft, zum Weinbau und zur Geschichte. Bernd war schon einige Mal in der Gegend und hatte sich so einiges angelesen. Unsere "magsichen 3" waren zutiefst beeindruckt.
Doch nun zurück zur Eisdiele. Sie rückt näher und der Gedanke an das gute Eis lässt uns immer schneller werden. Doch diese Gaumenfreude ist uns nicht gegönnt - die Eisdiele hat Ruhetag! Halb so schlimm, wir sind ja schließlich zum Radeln da.
Auf der weiteren Fahrt trennt sich die Gruppe, ein Teil fährt direkt zum Bus zurück, der andere Teil fährt in rasanter Fahrt nach Bozen. Wir machen einen kleinen Stadtrundgang und sind vor allem von den phantasievoll gestalteten Gemüseständen auf dem Markt beeindruckt. Es folgt die Rückfahrt zum Bus, die Räder werden verladen und wir fahren zurück ins Hotel. Heute könnte sogar Zeit zum Haare waschen bleiben. Wir freuen uns auf das angekündigte "Törggelen-Essen", doch bevor wir das genießen können, kommt erst noch die aufregende Ankunft auf dem Hotel-Parkplatz...

Teil 10 : Das Malheur mit dem Bus - was nun?
Unser Busfahrer bringt uns flott wieder zurück zum Hotel. Wir liegen heute gut in der Zeit. Wir fahren auf den Parkplatz des Hotels, ein Tourenleiter steigt aus um den Bus einzuwinken. Der Fahrer rangiert gekonnt seinen Bus samt Anhänger rückwärts an Ort und Stelle und plötzlich -ein gewaltiger Schlag-. Alle schauen sich erschocken um. Unser Tourenleiter außerhalb des Busses kann gerade noch mit einem Sprung zur Seite verhindern, dass ihm der Radanhänger auf die Füße fällt. Der Anhänger hat sich vom Bus verabschiedet, denn die Anhängerkupplung ist einfach mal so abgebrochen. Aufgeregte Diskussionen beginnen, die Vorstellung taucht auf, dass wir den Anhänger unterwegs hätten verlieren können, womöglich schon bei der Hinfahrt auf der Autobahn. Also zunächst müssen wir sagen: Glück im Unglück, dass es auf dem Hotelparkplatz passierte. Einige Radler fachsimpeln um die Anhängerkupplung herum, Fakt ist: es muss ein Mechaniker her. Dazu ist es heute allerdings schon zu spät und das Programm von morgen ist in Gefahr. Es stellt sich sogar die Frage, ob wir den Anhänger samt Fahrräder im Vinschgau stehen lassen müssen und morgen die Rückreise ohne Anhänger antreten werden. Die ganze Geschichte sorgt für viel Aufregung und Gesprächsstoff. Aber wir lassen uns auf dieser Reise durch wirklich gar nichts mehr aus der Ruhe bringen, jetzt gehen wir erst mal duschen und freuen uns auf unseren Törggelen-Abend.
Das anschließende Essen schmeckt allen sehr gut, allerdings bekommen wir Törggelen ohne Musik. Die gab's ja schließlich schon am Samstag. Das war zwar der Törggelen-Abend einer anderen Reisegruppe, aber wir haben ja mitgehört. Das spart dem Hotelwirt am heutigen Abend den Musiker. Macht nichts, bei uns geht's auch ohne Musik lustig zu. Das grimmige Gesicht des Chefs übersehen wir und die Tourenleiter kündigen für morgen früh einen Mechaniker an, dann werden wir ja sehen, ob der letzte Reisetag nach Plan verläuft...

Teil 11 : Letzter Tag
Heutiges Pogramm: Ultental, Wanderung ½ Std., 25 km Radeln

So sieht die Planung für den heutigen Tag aus. Laut Reisebeschreibung frühstücken wir heute um 7.00 Uhr und fahren bereits um 7.45 Uhr mit dem Bus in das wildromantische Ultental. Aber zum einen ist ja die Anhängerkupplung kaputt, zum anderen gibt es um 7.00 Uhr ja sowieso noch kein Frühstück. Wir frühstücken also um 8.00 Uhr, in der Zwischenzeit ist ein Mechaniker eingetroffen, der sich an der Anhängerkupplung zu schaffen macht. Noch weiß keiner so genau, wie der heutige Tag verläuft. Wir räumen die Zimmer, laden das Gepäck in den Bus und nutzen die Zeit, die wir plötzlich haben, um uns das Hotel und das Gelände einmal richtig anzuschauen. Dazu sind wir seit unserer Ankunft noch gar nicht gekommen. Wir stellen fest, dass das Hotel über eine tolle nagelneue Sauna verfügt, auch der Pool im Garten ist ganz neu und wird umrahmt von einem Holzboden mit gemütlichen Liegestühlen. Man könnte hier herrlich Urlaub machen, wäre da nicht dieser Hotelchef.


Der Mechaniker schafft es tatsächlich, die Anhängerkupplung so zu reparieren, dass der Anhänger mit uns nach Haus fahren kann. Es könnte jetzt losgehen, alle sitzen im Bus und mittlerweile drängt ja auch die Zeit. Wenn da nicht diese störrische Ladeklappe wäre! Eine der Klappen lässt sich plötzlich nicht mehr schließen. Müssen wir jetzt den Bus im Vinschgau lassen? Aber auch dieses Problem wird gelöst, mit riesiger Verspätung können wir starten. Nach längerer Fahrt erreichen wir das Ultental. Es ist 40 km lang, verläuft parallel zum nördlichen Vinschgau und reicht vom Stilfserjoch-Nationalpark bis nach Lana im Meraner Land. In der Nähe von St. Gertraud, einer der Orte im Ultental, befindet sich ein Naturdenkmal, die drei "Ultner Urlärchen". Diese gelten mit einem Alter von wohl über 2000 Jahren als die ältesten Nadelbäume Europas. Die Bäume ragen mit ihren bis zu acht Meter dicken Stämmen auf 1430 Metern Meereshöhe bis zu 35 Meter hoch in den Himmel. Aber noch sind wir ja nicht bis zu den Bäumen vorgedrungen...

Teil 12 : Die "Ultener Urlärchen" warten
Es fängt ja schon damit an, dass der Bus nicht so weit fahren kann, wie er gern möchte. Auf der Strecke ist eine riesige Baustelle eingerichtet. Um da durchzufahren, müsste ein Hindernis überquert werden, das wiederum geht nicht, weil die Anhängerkupplung nicht mehr so beweglich ist, wie sie sein sollte. Wir gestalten den Tag nach unserem Reisemotto: manchmal kommt es anders.... Die Räder werden nicht mehr ausgeladen, der Bus fährt nicht bis ans Ende des Tales, sondern parkt auf dem Parkplatz einer Gaststätte und wir dürfen zu Fuß die Höhe erklimmen.
Über die Länge der kleinen Wanderung besteht Uneinigkeit. Die Strecke schwankt zwischen 1 km und 3 km. Die Länge ist auch gar nicht so entscheidend, aber wir müssen ganz schön Höhenmeter gewinnen. Unser Tour-Guide möchte wohl einen Rekord aufstellen und legt ein Tempo vor, man könnte meinen, wir seien auf der Flucht. Der Weg führt steil bergauf und wir kommen ganz schön ins Schwitzen und Schnaufen. Und dann stehen sie da, die riesigen Bäume - wirklich sehr beeindruckend. Wir legen eine kurze Pause ein und treten dann den Rückweg an. Wir nehmen einen anderen Weg, der uns zwar in die Sonne, aber auch direkt in die Baustelle führt. Die Strecke zieht sich ewig, die Baustelle sorgt für ordentlich Staub und irgendwie hat man das Gefühlt einfach nicht mehr am Bus anzukommen.
Der Zeitplan ist komplett aus den Fugen geraten und die "magischen Drei" streichen den nächsten angekündigten Programmpunkt. Denn auf dem Rückweg aus dem Ultental war noch eine Essenspause in einem Restaurant an einem herrlich gelegenen See geplant. Dieser Stopp wird kurzerhand gestrichen, wir müssen uns jetzt endgültig auf die Heimreise machen, sonst bekommt der Busfahrer Schwierigkeiten wegen seiner Ruhezeiten.
Fazit: das Ultental ist ein herrliches Tal und wer Gelegenheit hat, sich dieses in Ruhe anzuschauen, sollte das unbedingt einmal tun.


Mit Müh und Not können wir beim Busfahrer noch die Zeit für einen Kaffee herausschlagen, bevor es auf die Heimfahrt geht. Hin und wieder schaut der eine oder andere nach hinten um sicherzugehen, dass der Radanhänger ebenfalls mit nach Hause fährt. Irgendwann liegt dann doch noch eine Essenspause drin und spät am Abend erreichen wir wohlbehalten wieder den Lidl-Parkplatz in Aldingen.
Dank unseres sonnigen Gemütes und unserer stets guten Laune war es ein gelungener Ausflug mit einigen organisatorischen Schwächen, aber dafür mit herrlichen Landschaften und wunderschönen Radtouren. Jeder der dabei war kann sicher viele nette Geschichten über diese Reise erzählen. Wir werden uns bestimmt immer wieder gern daran erinnern.

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