Tourbericht 2022 : ULM an der DONAU

Jahresausflug  vom  02.  bis  04. September 2022
 

Freitag, 02. September 2022
RADTOUR  entlang der DONAU  und der ILLER

Auf dem Messeparkplatz in Ulm wurde es am Freitag den 2.9. ab 8:00 Uhr lebendig. Zwei ADFCler kamen mit dem Rad, doch die Mehrheit mit dem vollbepackten Auto. Die Räder wurden abgeladen und wir trafen uns in der Lobby des Hotels Lago. Die Stimmung unter den 17 Teilnehmern war sehr gut, denn das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite.

Wir machten uns startklar, dann setzte sich die lange Schlange von Radfahrern in Bewegung und wir durchquerten den Park Friedrichsau. Der Donauradweg war schnell erreicht und wir fuhren entlang des schön gestalteten Ufers Donau aufwärts. Die Morgensonne rückte die Stadtmauer mit dem Metzgerturm und den bunten alten Häusern ins rechte Licht und so wurden immer wieder Fotostops eingelegt.

Vorbei an der Mündung der Großen und Kleinen-Blau erreichten wir die Stelle, an der die Iller in die Donau fließt. Hier überraschte uns, dass die Iller eigentlich der Fluss ist, der das meiste Wasser in die gemeinsame Weiterreise als Donau einbringt. Wir folgten der oberen Donau und tauchten bald in dichte Auwälder ein. Entlang des Donaukanales wurde die Landschaft eher parkartig, denn hier wurde nicht nur Strom erzeugt, große Pumpen stellen die Trinkwasserversorgung von Ulm und Teilen der Ostalb sicher. Kurz darauf überquerten wir die Donau sowie zwei große Seen auf einem langen, breiten Steg, der als Naturbeobachtungssteg ausgebaut war. Große Bildtafeln illustrierten, welche Vögel und Fische man dort sehen konnte. Es gab viele Biotope zu bewundern, aber wir mussten weiter.
Wir folgten der Donau bis Donaustetten. Auf dem Weg nach Wiblingen zeigten sich Einige überrascht von der Tatsache, dass die Leute Rasen mähen mussten und noch viel Grünschnitt anfiel. Wo es doch bei uns wegen des fehlenden Regens in diesem Sommer meist braune Rasenflächen gab, die höchstens etwas Heuartiges hervorbrachten !

Dann erreichten wir das berühmte Kloster Wiblingen. Das Kloster ist schon lange säkularisiert und beherbergt eine medizinische Lehranstalt, aber die kulturellen Glanzpunkte sind die spätbarocke Kirche und vor allem die Klosterbibliothek. Wir nahmen uns die Zeit beide ausgiebig anzusehen. Die Wallfahrtskirche St. Martin, in der seit Jahrhunderten Partikel des heiligen Kreuzes verehrt werden, überrascht den Besucher im Inneren mit grandiosen Deckenfresken und steht am Übergang vom Spätbarock zum Frühklassizismus.
Doch die große Sehenswürdigkeit in Wiblingen ist die Klosterbibliothek, ein Meisterwerk des Rokokos. Die geschwungenen Formen des Raumes, der reiche Figurenschmuck und als Krönung das großartige Deckenfresko. Das alles verbindet sich zu einem überwältigenden Eindruck. Der große Saal erstreckt sich über zwei Geschosse und ermöglicht so eine Galerie, die über verborgene Treppen erreicht werden kann.  Sie bestimmt mit ihrer ein- und ausschwingenden Balustrade den Raumeindruck. Fensterreihen an den Längsseiten des Saales sorgen für viel Licht zum Lesen.

Im Kloster Wiblingen beeindruckt nicht nur die außerordentliche Gestaltung der Räume, sondern auch der mächtige, unvollendete Gebäudekomplex. Beeindruckt von so viel Kultur fuhren wir weiter Iller aufwärts durch die grüne Natur. Die Landschaft entlang von Donau und Iller ist weitgehend von Menschen geschaffen - Deiche und Polder gegen Hochwasser und Staustufen zur Stromgewinnung – aber die Natur hat die Auenwälder zurückerobert, zumal sie in weiten Teilen unter Naturschutz stehen. Der Iller-Radweg verläuft weitgehend auf dem Deich, führt aber auch öfters durch die Auwälder und an Teichen vorbei.

In Vöhringen wartete schon der Wirt des „Colosseums“ auf uns, ein lustiger Italiener, der es nicht nur schaffte, das Essen für die ganze Gruppe sehr zügig zu servieren, er brachte uns auch nebenbei Italienisch bei und sang die Speisekarte rauf und runter. So war der Aufenthalt recht kurzweilig und wir mussten uns richtig überwinden nach dem guten Essen, wieder auf die Räder zu steigen.

Wir fuhren über Senden Richtung Neu-Ulm. In dieser Gegend wurde früher Kies abgebaut und es entstanden viele Kiesteiche. Einer von ihnen, der Plessenteich ist ein schönes Beispiel dafür, was Bürger mit ehrenamtlichem Einsatz erreichen können. In einem Bürgerentscheid wurden die Erweiterungswünsche der Kiesfirma abgelehnt und die bestehende Kiesgrube mit viel Liebe zum Detail in ein Vogelschutzgebiet umgewandelt, das seltenen Vögeln, Amphibien, Insekten und Pflanzen optimale Lebensbedingungen bietet. Das Biotop wird ehrenamtlich ausgebaut und gepflegt und ist mittlerweile ein beliebtes Ausflugsziel. Naturliebhaber können an verschiedenen Stellen einen Blick auf die stille Seenlandschaft werfen. Mehrere Beobachtungsposten wurden erstellt von denen aus schon über 230 verschiedene Vogelarten gesichtet wurden. Hier wird um den Erhalt vieler Arten gekämpft, so sind hier die Kreuzkröte und der Flussregenpfeifer wieder heimisch. Hinweistafeln informieren ausführlich über die Flora und Fauna.

Nach mehreren Stopps am Plessenteich ging es nun in Richtung Neu-Ulm. Schon bald tauchte der beliebte Ludwigsfelder Baggersee auf, allerdings blieb uns fürs Baden keine Zeit. Weiter gings es durch den Wiley Park, der im Rahmen der Landesgartenschau 2008 auf der Fläche einer amerikanischen Kaserne entstand. Neben einigen Wohnsiedlungen sind hier mehrere Parks und Sportplätze entstanden und auch die Radfahrer hat man mit einem schönen Radweg bedacht. Auf diesem rollten wir durch Parks, an der Ludwigsfeste vorbei und durch Neu-Ulm. Endlich war die Donau wieder erreicht und entlang des rechten, bayrischen Ufers auf der Neu-Ulmer Seite ging es wieder ins Hotel. Die Zimmer wurden bezogen. Wir machten uns frisch und zogen uns um. Denn das Abendprogramm wartete auf uns.

Die neue Niederflurbahn brachte uns ins Stadtzentrum, wo Edith in die Rolle des Stadtführers schlüpfte.  Zunächst ging es zum Ulmer Rathaus mit seiner markanten Außenbemalung und der astronomischen Uhr. Die Glaspyramide der Bibliothek bildet einen modernen Kontrast zu den alten Häusern. Nun steuerten wir das Fischerviertel an. Das Fischer- und Gerberviertel ist mittlerweile nach dem Münster die Hauptattraktion von Ulm.

Es erstreckt sich südwestlich des Münsters, wird von der Großen - und Kleinen-Blau durchflossen und ist eine verwunschene, fast autofreie Welt für sich.
Auf einem Rundgang zeigte Edith  uns vom Wasser umspielte Fachwerkhäuser wie das Schiefe Haus (angeblich das schiefste Hotel der Welt), Mühlen mit tropfenden Mühlrädern und viele Lokale mit Biergärten. Die Gassen verlaufen bis zu den Toren der Stadtmauer an die Donau. Das Gehen und Schauen macht hungrig. So strebten wir zum Abendessen in die „Krone“, dem ältesten Lokal von Ulm (seit 1320). Dort ließen wir einen erlebnisreichen Tag bei gutem Essen und Trinken und mit vielen interessanten Gesprächen ausklingen.

Samstag, 03. September 2022    
RADTOUR  nach BLAUBEUREN und im Tal der BLAU

 

Nach dem ausgiebigen Frühstück starteten alle gutgelaunt auf die zweite Tour nach Blaubeuren. Wie am Vortag ging es durch den Park Friedrichsau und donauaufwärts. Diesmal fielen uns gleich eine beträchtliche Anzahl von Fahrrädern und E-Scootern auf, die am Wegesrand lagen. Alle waren durch dichten Algenbewuchs grün und durch längere Zeit im Wasser unbrauchbar. Offenbar hatten liebe Zeitgenossen ihren Frust an den im Weg stehenden Scootern ausgelassen und sie in die Donau geworfen. Jetzt hatte die Stadtreinigung den niedrigen Wasserstand der Donau ausgenutzt, um den Müll zu entsorgen. 
Nach dem gemütlichen Einrollen entlang der Donau ging es diesmal zur Sache, es galt den Kuhberg zu bezwingen. Stetig bergauf aber auf schönen Radwegen durch Parks und ruhige Wohngebiete erreichten wir das Fort Oberer Kuhberg. Dieses ist Teil der Bundesfestung Ulm, die 1842 bis 1857 als eine von fünf Bundesfestungen gebaut wurde. Die Ulmer war die größte Festung Europas im 19 Jh. und umschloss Ulm und Neu-Ulm. Sie war für eine Besatzung von über 20.000 Soldaten ausgelegt. Sie wurde nie angegriffen, musste auch nicht durch den Versailler Vertrag geschleift werden und wurde nur im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Die Reste der Anlage können heute noch besichtigt werden (ein über 12km langer Rundweg) und verfallen langsam.

Bekannt ist der obere Kuhberg auch durch den 1960 errichteten Sender Ulm-Kuhberg des SDR (heute SWR). Der Obere Kuhberg hat auch traurige Berühmtheit erlangt, denn hier befand sich von November 1933 bis Juli 1935 ein Konzentrationslager des Landes Württemberg. Hier wurden politisch missliebige Bürger von den Nazis eingesperrt. Heute befindet sich am historischen Ort, der im baulichen Originalzustand weitgehend erhalten ist, eine Gedenkstätte. Wir hatten nicht die Zeit, alles anzusehen und fuhren nach ein kurzen Besichtigungspause weiter zum Gipfel des Kuhberges.
Hier erreichen wir das Hochsträß eine Hochebene südlich der Alb und hoch über der Donau. Wir folgten zunächst dem Rand der Hochebene und genossen die wunderbare Aussicht, die an klaren Tagen bis zu den Alpen reicht und die es mit der vom Turm des Münsters aufnehmen kann. Wir fuhren weiter durch das Hochsträß einer hügeligen Landschaft mit vielen Wäldern aber in erster Linie landwirtschaftlich geprägt, mit abgelegenen Dörfern und Höfen. Eine lange Abfahrt führte uns ins schöne Achtal.

Im Achtal änderte sich das Landschaftsbild schlagartig. Hier empfing uns eine typische Alb-Landschaft. Rechts und links des Tales wuchsen grüne Laubwälder durch die helle, bizarre Kalkfelsen hervorschauten. Vor Blaubeuren wurde das Tal enger und genau hier machten uns große Hinweistafeln neugierig. Diese informierten über das zum Welterbe gehörende Geißenklösterle. Hier wurden über 40.000 Jahre alte Elfenbeinschnitzereien und Flöten gefunden. Die Höhle ist zwar frei zugänglich, erfordert aber einen längeren Anstieg. So fuhren wir nach einer Pause entlang der Ach weiter nach Blaubeuren.

Als erstes erreichten wir dort das Gerberviertel, auch „Klein-Venedig im Schwabenland“ genannt. In einer Reihe standen die alten Gerberhäuser entlang der Ach. Das Schönste ist das „Hohe Will“, ein imposantes Fachwerkhaus mit sehr steilem Dach. Durch die Altstadt mit weiteren Fachwerkhäusern fuhren wir zum berühmten Kloster Blaubeuren. Im Hof des Klosters machten wir eine längere Pause, in der Jeder sich individuell die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Blaubeuren (das alte Benediktiner-Kloster mit dem berühmten Hochaltar aus dem 15. Jh., die herrlich blaue Karstquelle Blautopf mit der „schönen Lau“, usw.) ansehen, oder einfach nur gemütlich am Blautopf sitzen und etwas essen konnte.

Als wir uns wieder zur Weiterfahrt sammelten, gab es etwas Unruhe in der Gruppe. Aus Süden zogen dunkle Wolken auf. Schnell bestiegen wir unsere Räder und fuhren in hohem Tempo auf dem Radweg entlang der Blau in Richtung Ulm. Das war schade, denn wir konnten die schöne Landschaft im Blautal nicht richtig genießen. Es nutzte auch nichts, denn auf halbem Wege holte uns das Gewitter mit Blitz und Donner ein. Zum Glück entdeckten wir einen Supermarkt in der Nähe, der eine überdachte Lieferzone hatte. Gemäß dem Werbespruch „dann geh doch zu …“ wollten wir ihn umgehend ansteuern. Doch dann machte uns die Deutsche Bundesbahn einen Strich durch Rechnung. Eine geschlossene Schranke versperrte uns den Weg Richtung Supermarkt! So schnell es ging zogen wir uns die Regenjacken an und warteten im strömenden Regen. Als nach einer gefühlten Ewigkeit endlich der Zug kam, keimte Hoffnung auf. Doch auf den Nebenstrecken lässt die Bahn sich aus Personalmangel sehr viel Zeit mit dem Öffnen der Schranke.  So mussten wir weiter warten, bis die Schranke endlich aufging. In unserem trockenen Unterstand wurde die Stimmung dann aber schlagartig wieder besser, denn es war recht warm und der Regen ließ langsam nach.

Das Gewitter hatte sich verzogen, wir verließen unser schützendes Dach und nahmen die letzten Kilometer nach Ulm unter die Räder. Hier kam die goldene Regel für in Gruppen fahrende Radler öfters zur Anwendung „Niemals direkt hinter dem Tourenleiter fahren“, denn wenn der sich verfährt, muss man alles wieder zurückfahren. Ein Grund für die vielen Irrfahrten waren die Baustellen in der Innenstadt, wo das Gebiet um den Bahnhof herum völlig neu gestaltet wurde. Endlich hatten wir das moderne Stadthaus am Münsterplatz erreicht.

Wir stellten die Räder ab und machten gemeinsam einen Rundgang durch das Münster. Das Münster ist das Ulmer Wahrzeichen, es ist nicht nur die Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt, sondern auch die größte evangelische Kirche in Deutschland. Es beherbergt viele Kunstwerke von denen besonders das geschnitzte Chorgestühl, der Altar und am Eingang der Schmerzensmann zu erwähnen sind. Die Ulmer sind sehr stolz auf das Münster, das von den Ulmer Bürgern finanziert wurde. Da wir schon über 50km Radtour in den Beinen hatten, verzichteten wir gerne auf die 768 Stufen, die die Turmbesteigung erfordert hätte.
Den Rest des Nachmittags hatten wir zur freien Verfügung, um die Stadt auf eigene Faust zu besichtigen oder eines der vielen Kaffees und Lokale zu besuchen. 

Um 18:00 Uhr trafen wir uns vor dem Hotel, um wieder mit der Tram in die City zu fahren. Diesmal hatte Edith die Grabenhäusle als erstes Ziel für unseren Rundgang ausgesucht. Diese sind eine Ulmer Besonderheit. Sie wurden 1610 für die Stadtsoldaten in Reihenbauweise auf die alte Stadtmauer gesetzt. Diese konnten von dort aus in den zur Befestigung gehörenden Graben blicken und waren bei Überfällen gleich vor Ort. Daher der Name Grabenhäuser. Nach der Privatisierung wohnten dort ehemalige Soldaten und ihre Witwen. Später wurden sie nun zum Auffangbecken für die städtischen Unterschichten. Es gab nur Gemeinschaftsaborte, die sich bis zu 40 Personen aus zwölf Häuschen teilen mussten! Es kam vor, dass in einer Wohneinheit (1 Flurküche und 2 Kammern) zwei Familien lebten. Mittlerweile hat sich die Situation völlig gewandelt. In den 80er Jahren wurden die 35 noch erhaltenen Häuser modernisiert.t. Manche der Soldatenhäuser werden schon über mehrere Generationen von den denselben Familien bewohnt. Heute sind die idyllischen Häuschen in zentraler Lage ein begehrtes Fotomotiv. Vorbei an bekannten Sehenswürdigkeiten wie Seelturm, Neuer Jüdischer Synagoge, dem Schwörhaus und dem Metzgerturm kamen wir wieder ins Fischerviertel zur südlichen Stadtmauer. Von der Mauer hat man einen schönen Ausblick auf den Fluss und Neu-Ulm. Dort unten innerhalb der Stadtmauer gab es früher einen kleinen Hafen, den Gumpen, über den die Fischer ihren Fang in die Stadt brachten. An diesem Gumpen wurde im 15 Jh. das "Zunfthaus der Schiffleute" erbaut. Heute ist der Gumpen ein idyllischer Platz und das Zunfthaus beherbergt ein es der originellsten Restaurants im Fischerviertel. Ideal um dort unser Abendessen einzunehmen. So wurde es bei gutem Essen und Trinken ein unterhaltsamer, langer Abend. Da es abends draußen noch so warm war, ließen es einige der Gruppe sich nicht nehmen, zu Fuß entlang der Donau ins Hotel zurück zu schlendern.

Sonntag, 04. September 2022
RADTOUR  an der DONAU nach GÜNZBURG und OBERELCHINGEN

 

Am 4.9. weckte uns strahlender Sonnenschein. Nach dem üppigen Frühstück wurden die Zimmer geräumt und wir starteten gleich auf dem Donauradweg. Diesmal fuhren wir Donau abwärts nach Obertailfingen, wo wir auf die rechte Seite der Donau wechselten. Nach einer etwas abenteuerlichen Strecke durch Wälder und Wiesen kamen wir wieder auf die Dammkrone. Wir erreichten eine Stelle, an der die Erhöhung der Deiche erst vor wenigen Jahren abgeschlossen wurde und bei einer Trinkpause studierten wir das Ergebnis der Bemühungen, die Wunden des Umbaus zu mildern und die Donau wieder zu renaturieren.

Bei Nersingen verließen wir die Donau und durch landwirtschaftlich genutzte Flächen fuhren wir ostwärts rechts und links der A8. Wir schlängelten uns durch das Straßengewirr an der B16, bis wir einen riesigen Parkplatz erreichten. Die vielen überdimensionale Bauklötze in allen Farben signalisierten, dass wir das Legoland erreicht hatten. Obwohl der Parkplatz recht leer war, war das Gedränge am Eingang groß. Wir informierten uns ausgiebig über den Vergnügungspark und stellten einstimmig fest, dass die Sensationen auf andere Altersgruppen zugeschnitten waren. Da die Sonne erbarmungslos auf uns niederbrannte, machten wir uns nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto auf den Weg nach Günzburg. Bald mussten wir eine Großbaustelle umfahren, die vor ein paar Wochen für Schlagzeilen gesorgt hatte. Es mussten mehrere Blindgänger entschärft werden, was sogar eine Sperrung der A8 erforderte. Wir vertrauten darauf, dass alle Bomben gefunden und entschärft waren und rollten auf guten Radwegen in Richtung Günzburg.

In Günzburg fuhren wir direkt in den Hof des Günzburger Schlosses. Hier residierten 500 Jahre lang die Habsburger. Unter Maria Theresia begann für die Stadt eine Blütezeit. Seit 1760 verlief die Poststraße von Wien nach Paris über den Günzburger Marktplatz. Unter Napoleon kam Günzburg zu Bayern. So erhielt Günzburg den Beinamen „Das kleine Wien in Bayrisch-Schwaben“. Die Begeisterung für Bayern hielt sich aber in Grenzen, denn der Stadtpfarrer soll am Neujahrstag 1806 gepredigt haben: „Jetzt sind wir also bayerisch geworden - wahrscheinlich haben wir es wegen unserer Sünden auch nicht besser verdient!“
Nach einer Rundfahrt durch die Altstadt machten wir eine lange Mittagspause auf dem Marktplatz, um die Kaloriendefizite aufzufüllen und auf eigene Faust die Altstadt anzusehen. Besonders die Frauenkirche, eine der schönsten Rokokokirchen Süddeutschlands und die unmittelbare Vorläuferin der Wieskirche ist hervorzuheben.

Durch das “Untere Tor" dem Wahrzeichen der Stadt Günzburg rollten wir aus der Stadt und fuhren nach Leipheim. Dort liegt das Schloss Leipheim imposant auf einem Felsen hoch über der Donau. Da es sich in Privatbesitz befindet, konnten wir es leider nicht besichtigen.
Ab jetzt begleitete wieder die Donau unseren Weg. Nach einer längeren Fahrt auf dem Damm tauchten wir in die verwunschenen Wälder des Naturschutzgebietes Märzenbecher ein. Die dichten Auwälder ließen nur kurze Blicke auf die vielen Seen zu, die wir in einigen Schwenks umfahren mussten. Auch wenn es alte Baggerseen waren, hatte die natürliche Vegetation das Naturschutzgebiet längst wieder zurückerobert. Wir überquerten die A7 und erreichten Unterelchingen. Eine lange aber gut zu fahrende Steigung führte uns durch den Ort auf ein großes Feld in Sichtweite des Klosters Oberelchingen mit dem es eine ganz besondere Bewandtnis hat.

Von der Höhe oberhalb Oberelchingen hatten wir nicht nur eine umfassende Aussicht über das Donautal, wir standen auch auf historischem, blutgetränktem Boden. Hier fand 1805 die Schlacht von Elchingen - auch Schlacht von Ulm genannt - statt. Diese Schlacht ist dem meisten völlig unbekannt, doch sollte man ein paar Worte dazu sagen, denn die Folgen für das Deutsche Reich, Württemberg und jeden von uns waren sehr vielfältig und wirken sich bis heute auf uns alle aus. War es das Genie von Napoleon, die Unfähigkeit der österreichischen Kriegsführung oder einfach nur Glück, dass Napoleon mit seinem modernen Revolutionsheer ein zahlenmäßig überlegenes österreichische Heer vernichtend besiegen konnte. Den Franzosen gelang es die strategisch wichtige Brücke von Oberelchingen einzunehmen und mit den darüber nachrückenden Truppen, die beim Kloster Elchingen liegenden österreichischen Einheiten in einer blutigen Schlacht zu vertreiben. (Man spricht von 3000 bis 6000 Gefallenen Österreichern.) Zu dieser Zeit lag die Hauptmacht der Österreicher entgegen allen Absprachen immer noch in der Festung Ulm und griff nicht in das Gefecht ein. Während Napoleon sein Hauptquartier nun in die Abtei Oberelchingen verlegte, bombardierte seine Artillerie das Hauptheer der Österreicher in Ulm. Das sah keinen Ausweg mehr, kapitulierte fast kampflos und marschierte unter Abgabe aller Waffen und Pferde in die französische Kriegsgefangenschaft. Von dieser Niederlage erholten sich die Österreicher nicht mehr. Napoleon konnte bis nach Wien und Austerlitz marschieren. Der Sieg des französischen Revolutionsheeres in Elchingen markierte den Anfang vom Ende des Heiligen Römischen Reiches und des Deutschen Reiches, daher wurde die Schlacht auch im Pariser Triumphbogen verewigt.

Es gab in der Folge viele Gewinner und Verlierer, denn Napoleon teilte die Gebiete neu auf, entmachtete den feudal-absolutistischen Adel und Klerus und die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (Code civil) garantierte dem einfachen Bürger erstmalig Gleichheit vor dem Gesetz, Freiheit für alle und den Schutz des privaten Eigentums. Bayern und Württemberg vergrößerten ihr Staatsgebiet und wurden Königreiche. Allerdings bezahlte Württemberg das teuer. Es musste sich später am Krieg gegen Russland beteiligen, aus dem von 15.800 württembergischen Soldaten nur einige Hundert zurückkehrten.

Wir fuhren weiter zum Kloster Oberelchingen, wo die Klosterbräustuben einen sehr schönen Biergarten betreibt. Hier ließen wir die Tour im lichten Schatten alter Bäume mit dem traditionellen Abschlussessen ausklingen. Nachdem wir uns gestärkt hatten, warfen wir noch einen Blick in die frühklassizistische Klosterkirche und besuchten den Aussichtspunkt mit herrlichem Blick über das Donautal, von dem die österreichischen Befehlshaber die Schlacht beobachtet hatten. Die restlichen 10 km bis zum Hotel waren schnell geschafft, da es fast nur noch bergab ging. Jetzt wurden die Räder verladen und die Heimreise angetreten.

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