Tourbericht 2009 : Radeln durch den Krater – Das Nördlinger Ries 


Jahresausflug vom 11. bis 13. September 2009

Teil 1 :  Das Ries
Während der Saison gehörte unser 3-Tages-Ausflug natürlich wieder zu den Höhepunkten. Am letzten Sommerferienwochenende starteten 20 Radlerinnen und Radler zu einer wunderschönen, gelungenen 3-Tages-Tour ins Nördlinger Ries.
Das Nördlinger Ries befindet sich im Grenzgebiet zwischen Schwäbischer Alb und Fränkischer Alb. Zum größeren Teil gehört es zum bayerischen Landkreis, zum kleineren Teil zum baden-württembergischen Ostalbkreis. Das nahezu kreisförmige, flache (gut für’s Radeln!) Ries hebt sich auffällig von der hügeligen Alblandschaft ab. Zunächst hielt man das Ries für eine vulkanische Struktur, vor allem wegen der dort gefundenen Gesteine, insbesondere des Suevits. Erst im Jahr 1960 wurde nachgewiesen, dass das Ries Überrest eines ca. 15 Millionen Jahre alten Einschlagkraters ist. Das Ries ist nahezu kreisrund mit einem Durchmesser von etwa 25 km und entstand durch den Einschlag eines Großmeteoriten. Es ist einer der am besten erhaltenen und erforschten Meteoritenkrater der Erde. Sogar amerikanische Astronauten absolvierten im August 1970 ein Feldtraining im Ries, wegen seiner Ähnlichkeit mit vielen Mondkratern. Der Kraterboden liegt rund 100 – 150 Meter unterhalb der umgebenden Hochflächen der Schwäbisch-Fränkischen Alb mit der Ausnahme des „Inneren Rings“, einer ringförmigen Hügelkette im Inneren des Kraters. Hierzu gehören die Marienhöhe bei Nördlingen, der Wallersteiner Felsen oder der Wennenberg bei Alerheim. Städte wie Harburg, Oettingen, Bopfingen, Wemding und natürlich die größte Stadt, Nördlingen liegen im Ries. In zahlreichen Flussschlingen durchquert von Nord nach Süd die Wörnitz den Rieskessel und fließt dann bei Donauwörth in die Donau. 

Teil 2 :  Start
Durch diese herrliche und interessante Landschaft führte nun also unser Radausflug. Nach dem Motto: „morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“ klappte unsere Abfahrt pünktlich am Freitag um 7.00 Uhr. Mittlerweile schon zur Routine geworden, wurden die Räder professionell im Radanhänger untergebracht, das Gepäck verstaut und schon konnte es losgehen. Der Bus brachte uns in flotter Fahrt über Schwäbisch Gmünd, Aalen, vorbei an der Kapfenburg und am Ipf bei Bopfingen nach Nördlingen. Peter versorgte uns schon während der Busfahrt mit interessanten Informationen über das Ries. Deshalb auch schon an dieser Stelle ein großes Lob an Susanne und Peter, die sich super auf den Ausflug vorbereitet hatten, die Organisation und die Infos waren klasse. Durch das Baldinger Tor erreichten wir unser Hotel Klösterle in der malerischen Altstadt von Nördlingen, die umgeben wird von einer im 14. Jahrhundert erbauten Stadtmauer mit 5 Toren und 11 Türmen.
Flott ging nun auch das Ausladen, das Tagesgepäck wurde auf’s Rad geschnallt, das übrige Gepäck im Hotel untergestellt, schnell noch einen Kittel angezogen (bei bedecktem Himmel war es doch noch sehr frisch), rauf auf Rad – es langen noch 62 Radkilometer vor uns. Und die waren so schön gemütlich, einfach nur eben und sie führten uns u.a. zum Heilwasser von Maria Brünnlein... 


Teil 3 : Wemding

Die erste Radelpause war in Wemding. Wemding ist übrigens bekannt als „Fuchsienstadt“. In Wemding findet man die beliebte Fuchsie häufiger als anderswo. In den städtischen Anlagen wird ihr, wo immer es der Standort zulässt, der Vorzug gegenüber anderen Blumen gegeben. Der Grund dafür: sie erinnert durch ihren Namen an einen der großen Söhne Wemdings, den Botaniker Leonhart Fuchs (auch „Vater der Botanik“ genannt). Fuchs selbst hat die Fuchsie nicht gekannt. Als sie 1696 in Südamerika entdeckt wurde, war Leonhart Fuchs bereits 130 Jahr tot.


Teil 4 :  Maria Brünnlein
Mittlerweile schien die Sonne, wir konnten die Jacken ausziehen, unser Vesper am schönen Brunnen genießen und den Worten von Peter lauschen, der wieder Interessantes über die Gegend zu erzählen hatte. Weiter ging die Fahrt zur Basilika Maria Brünnlein. Tausende von Pilgern besuchen alljährlich die Wallfahrtsbasilika, die als bedeutende Marienwallfahrtskirche in Bayern gilt. Der Wemdinger Schuhmacher Franz Forell brachte 1684 das Gnadenbild Unserer Lieben Frau, das auf dem sehenswerten Gnadenaltar steht, von Rom nach Wemding. 1692 wurde eine Kapelle erbaut, in den Jahren 1748 bis 1781 entstand die heutige Rokokokirche. Mit Dekret vom 12. September 1998 wurde die Wallfahrtskirche durch Papst Johannes Paul II zur Basilika minor (päpstliche Basilika) erhoben. Auf der Rückseite des Altars befindet sich ein Brunnen mit einem ganz besonderen Wasser – einem Heilwasser. Die Biologin Dr. Ciccolo stellte fest, dass dieses Wasser über Heilkräfte verfügt. Dr. Ciccolo fand, wie auch im Wasser aus dem französischen Wallfahrtsort Lourdes oder aus Fatima, alle sieben Frequenzen des Lichts (Lichtwasser). Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass diese Wässer sich durch Weitergabe einiger Tropfen unbegrenzt reproduzieren lassen, im übrigen sollen sie therapeutisch wirksam sein. Natürlich haben auch einige von uns ein kleines Fläschchen von diesem Wunderwasser mitgenommen und auch wir können jetzt jedes Wasser zu Heilwasser werden lassen. Auch vor Ort wurde gleich ein Schluck genommen und alle traten auf der Weiterfahrt beschwingt in die Pedale. – Es wirkte schon! 

Teil 5 :  Munningen und Maihingen
Weiter ging die Fahrt nach Munningen. Auch dieser Ort hat ein Wahrzeichen und zwar einen schiefen Kirchturm. Von der Spitze bis zum Grund steht der Turm der kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul rund 1,47 m aus dem Lot. Wir begutachteten den Turm aus verschiedenen Richtungen, denn nicht an jeder Stelle war es sofort sichtbar, aber bei genauerem Hinsehen – der Turm ist schief!


Die Fahrt führte uns weiter durch das Wörnitztal nach Oettingen. Die Stadt war Jahrhunderte lang Hauptstadt des Fürstentums Oettingen. 1806 kam sie zum Königreich Bayern. Oettingen besitzt ein wunderschönes Rathaus, es ist eines der prächtigsten Fachwerkbauten Schwabens. Ebenfalls sehenswert sind das Schloss Oettingen und der Hofgarten mit seinem z.T. 200 Jahre alten Baumbestand. Und was fällt den meisten spontan bei Oettingen ein? Genau, eine der größten deutschen Brauerein, die Brauerei Oettinger, ist hier ebenfalls zu Hause. Manch einer freute sich nun auf ein „Oettinger“, mancher auf einen guten Kaffee, auf jeden Fall war in Oettingen Mittagspause angesagt.
Gut gestärkt und nach einer örtlichen Erkundung traten wir nach 1,5 Stunden wieder in die Pedale. Nächstes Ziel: Maihingen mit seiner Klosteranlage – unglaublich, was man so alles an einem Radeltag erkunden kann!). Nach der Mittagsrast in Oettingen fuhren wir also weiter nach Maihingen. Dort besuchten wir die Klosterkirche mit ihrer Barockorgel, ein einzigartiges Instrument, das von bedeutenden Organisten gern gespielt wird.
Über Wallerstein mit seinem Schloss erreichten wir unser Ziel Nördlingen. Jetzt wurden erst einmal die Zimmer bezogen, später trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Gasthaus „Zum Fuchs“. Peter hatte hier für uns alle reserviert. Eigentlich hatte das Gasthaus eine tolle Speisekarte, aber auf 20 unterschiedliche Essen wollte sich der Koch wohl nicht einlassen. Es war Schnitzelwoche im Gasthaus und so durften wir uns überlegen, ob wir ein Schnitzel oder lieber ein Schnitzel oder doch ein Schnitzel essen wollen. Die Schnitzelkarte war allerdings sehr umfangreich, die Schnitzelvariationen super lecker und so waren dann am Ende auch alle zufrieden. 

Teil 6 : Höhenzüge uns Schotterpisten
Der Samstag begann mit einem gemütlichen, reichhaltig bestückten Frühstücksbuffet. Gut gestärkt schwangen wir uns auf die Räder. Wir konnten sogar unter zwei angebotenen Touren wählen. Es gab eine 50 km lange, fast ebene Tour und für unsere eifrigen Radler eine 82 km lange Hügeltour. Den ersten Teil der Tour fuhren wir gemeinsam und dabei galt es einen ordentlichen Anstieg zu bewältigen. Sinnigerweise trug die Straße den Namen „Am Kampf“. Nach hartem Kampf kamen alle oben an und alle waren froh, dass Peter hier einiges zu erzählen hatte . . .
Der gemeinsame Kampf war also gewonnen. Wir kamen im „Himmelreich“ (so wird der Höhenzug am Kraterrand des Rieses genannt) an und dort bekamen wir wieder sehr interessante Infos zu den sich dort befindenden Offnethöhlen. Dort wurden erste Besiedlungen des Rieses durch spektakuläre Schädelfunde nachgewiesen. Übrigens, unser Karl unterstützte Peter bei allen seinen Ausführungen auf der gesamten Tour. Karl kommt nämlich aus der Gegend und konnte noch viele Details über Land und Leute beisteuern.
Die Radelgruppe trennte sich in zwei Gruppen. Knapp die Hälfte fuhr mit Susanne, die auf dieser Tour ihre Prüfung zur Tourenleiterin mit Bravur bestand.


Teil 7 :  Der 2. Tag – das Abendprogramm

Bis zum Abendprogramm blieb genügend Zeit (um 21.00 Uhr trafen wir uns zur Stadtführung im Fackelschein), um noch das Städtchen Nördlingen in Augenschein zu nehmen. Jeder hatte da so seine eigene Vorstellung und so zogen verschiedene Grüppchen durch die Stadt. Manche stillten schon mal den Hunger zwischendurch, manche liefen kreuz und quer durch die Stadt und auf der Stadtmauer entlang und konnten dabei viel Sehenswertes entdecken. Obwohl kein gemeinsames Abendessen geplant war, traf sich der größte Teil der Gruppe wieder im Gasthaus Fuchs. Und dieses Mal durften wir aus der gesamten Speisekarte wählen und da gab’s so leckere Sachen wie Ente, Semmelknödel, Haxe...
Wir waren also gut gestärkt für den späten Spaziergang. Im Fackelschein lauschten wir den Geschichten des Nachtwächters über vergangene Zeiten. Durch das Gerberviertel, vorbei am Rathaus ging’s zum Marktplatz. Dort steht die St. Georgskirche mit ihrem 89,9 m hohen Turm, genannt „Daniel“. Der Türmer ruft noch heute täglich zw. 22.00 Uhr und 24.00 Uhr „so, G’sell, so“ vom Turm herunter. Die Geschichte dazu ereignete sich im Jahr 1440. Ein Torwächter ließ sich bestechen, eines der 5 Tore des nachts offen zu lassen. Ein Schwein nahm diese unverhoffte Gelegenheit war und wollte durch den Spalt verschwinden, wurde dabei aber von einer Frau beobachtet. Sie wollte das Schwein wieder einfangen und brüllte dabei die ganze Stadt zusammen. Der Torwächter wurde festgenommen und bei seinem Geständnis sprach die Frau zu ihm: „so, G’sell so“.
Auf dem Weg zum Hotel gab’s noch einen „Absacker“ im Cafe „Rad-Los“ und dann die verdiente Nachtruhe. Am Tag 3 wartet die Harburg auf uns . . .  

Teil 8 : Der 3. Tag – die Harburg ruft!
Tag 3 – letzter Radeltag und Abreisetag. Die Busabfahrt war für 16.00 Uhr geplant, aber bis dahin lagen noch 48 Radkilometer vor uns. Bereits um 9.00 Uhr schwangen wir uns bei kühlen Temperaturen auf die Räder. Durch das Eger- und das Wörnitztal gelangten wir nach Harburg. Hier war Zeit genug für eine Mittagspause. Ein Teil der Gruppe ließ es sich nicht nehmen, die Höhenmeter zur Burg Harburg zurückzulegen. Die Burg ist eine der schönsten und besterhaltenen Burgen Süddeutschlands aus dem 11./12. Jahrhundert und im Besitz des fürstlichen Hauses Öettingen-Wallerstein. Ein schöner Biergarten lud zum Verweilen ein. Der andere Teil der Gruppe verzichtete freiwillig auf die Höhenluft und genoss den Sonnenschein, Kaffee und Kuchen im Biergarten bei der Steinernen Brücke direkt an der Wörnitz. Von einer sehr idyllisch gelegenen Terrasse aus konnten wir beobachten, dass die Menschen hier ihr Ziel nicht nur auf der Straße erreichen.


Auch die schönste Pause hat mal eine Ende und so machten wir uns auf die Rückfahrt. Dazu mussten auch die „Bequemen“ unter uns zunächst einen kurzen aber heftigen Anstieg meistern. Das gelang natürlich allen, ob zu Rad oder zu Fuß, oben angekommen sind alle. Und nun sollte die Strecke immer schön eben sein . . . ?

Teil 9 :  Der 3. Tag – immer schön eben ? !
Unser Tourguide Peter prophezeite uns nun eine nahezu ebene Rückfahrt, die aber stets erst  nach dem gerade bewältigten Anstieg begann. Es waren natürlich keinen riesigen Berge zu bewältigen, die gab es ja nicht. Allerdings war die Rückfahrt doch sehr hügelig und wir einigten uns dann irgendwann auf ein Wahrnehmungsproblem. Schließlich lagen die „Testfahrten“ schon lange zurück, da konnte man den einen oder anderen Hügel schon mal vergessen. Erschwert wurde die Fahrt noch durch den zwischenzeitlich aufgekommenen starken Wind. Wir kämpften uns also zurück nach Nördlingen und hatten die Einkehr im Straßencafe wirklich verdient. Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Der Bus war pünktlich, wurde rasch beladen und los ging’s Richtung Heimat. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal alle ganz herzlich bei Susanne und Peter für die hervorragende Organisation und den gelungen Ausflug bedanken. Besonders erwähnenswert sind hier die Fülle von Informationen über das Ries und seine Sehenswürdigkeiten, die die beiden zusammengestellt hatten. Auch unserem Karl gilt ein großes Lob, denn er konnte viele interessante Geschichten über Land und Leute beisteuern. Da freuen wir uns doch schon auf den Ausflug im Jahr 2010!

 

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