Tourbericht 2010 : KISSLEGG

Jahresausflug vom 10. bis 12. September 2010

 

Freitag - Kisslegg - Isny

Kommt er oder kommt er nicht. Diese Frage stellten sich zunächst einmal vor allem Edith und Bernd am Morgen des 10. September. Die ADFC-ler, die sich zum diesjährigen Ausflug ins Allgäu angemeldet hatten, waren wie gewohnt pünktlich um 6.30 Uhr auf dem Lidl-Parkplatz. Die Abfahrt war für 7.00 Uhr angesetzt, doch dies scheiterte an der Abwesenheit des Busses. Auch um 7.15 Uhr war weit und breit noch kein Bus zu sehen, die Nerven unserer beiden Organisatoren wurden auf eine harte Probe gestellt. Beim Busunternehmen war telefonisch niemand zu erreichen. Der eine oder andere begann zu frieren, denn einige waren in Anbetracht der sehr guten Wettervorhersage schon mal in kurzer Radlerhose angereist. Von wegen „morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“, nicht einmal mehr die frischen Laugenbrezeln vom Bäcker nebenan konnten die Stimmung aufheitern. Es wurde schon Plan B geschmiedet und überlegt, ob die Anreise mit privaten PKWs zu bewerkstelligen wäre. In diese Überlegungen hinein kam er dann doch noch, der Bus, um 7.30 Uhr! Auf die Erleichterung folgte sogleich der nächste Schreck. Anstatt des bestellten Fahrradanhängers für 25 Räder, brachte der Bus nur einen kleinen Anhänger, der maximal 12 Räder fasste, mit. Einige Radler rückten ihre wertvollen Räder nur unter großen Vorbehalten zum Verladen heraus. Die meisten Räder konnten mit viel Mühe im Anhänger verstaut werden, die restlichen Räder kamen irgendwie im Bus unter. Das schränkte zwar die Bewegungsfreiheit im Bus etwas ein, aber in Anbetracht der ganzen Aufregung waren jetzt erst einmal alle froh, überhaupt in einem Bus zu sitzen und alle Räder irgendwie untergebracht zu haben.

Um 8.00 Uhr konnte es dann endlich losgehen und auch Edith und Bernd konnten wieder etwas entspannen. Ohne weitere Zwischenfälle war Kissleg nach drei Stunden Busfahrt erreicht. Flott wurden Räder und Gepäck am Hotel ausgeladen, um 11.30 Uhr war die Gruppe startklar zur ersten Tour, die uns nach Isny führte. Die Aufregung des Morgens war nach wenigen Kilometern vergessen, die herrliche Allgäuer Landschaft entschädigte für die Turbulenzen. Auf gut ausgebauten, verkehrsarmen Wegen ging es bergauf und bergab. Wir merkten kaum, dass wir die Autobahn überqueren, weil die Trasse gut in die Landschaft integriert ist und wir über eine breite Landschaftsbrücke fuhren. Ein erster „Höhepunkt“ war der Anstieg zur Kapelle „La Salette“. Von hier aus hatten wir eine schöne Aussicht, die uns schon den weiteren Weg Richtung Isny zeigte…


Nach dem Genuss der schönen Aussicht setzten wir unsere Fahrt Richtung Isny fort. Langsam wurde es auch Zeit für ein zünftiges Vesper, da kam der große Badesee gerade recht. Eine große Liegewiese mit Tischen und Bänken war wie geschaffen für unsere „Brotzeit“. In der herrlichen Landschaft und an der frischen Luft schmeckte es umso besser. Wenn der schöne See auch dazu einlud, war es doch zum Baden etwas zu kalt und so blieb es bei einem erfrischenden Fußbad.

Nun galt es zwei Höhenzüge zu erklimmen, danach konnten wir uns auch etwas unter einer eiszeitlichen Endmoräne vorstellen (eine wallartige Aufschüttung von Gesteinsmaterial am Ende eines Gletschers. Eine Endmoräne kennzeichnet die Linie eines maximalen Gletschervorstoßes oder eines Gletscherstillstandes). Man kann also auch so einiges lernen, auf einer solchen Tour. Im Kurort Neutrauchburg hielten wir uns nicht lange auf, denn nun lag bereits Isny vor uns. Durch das Wassertor fuhren wir zum Schloss, das eigentlich ein altes Benediktinerkloster ist. Hier erfuhren wir Interessantes über die Stadt und ihre Geschichte, anschließend folgte eine kleine Stadtrundfahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Was nun natürlich nicht fehlen durfte, war die wohlverdiente Kaffeepause, die wir im Freien genießen durften.

Bevor wir Isny durch das Espantor wieder verließen, bestaunten wir noch den lustigen Steuerzahlerbrunnen, der aufzeigt, wie unsere Steuergroschen versickern. Auf unserer weiteren Fahrt erwartete uns die bedeutendste Niedermoorlandschaft des Allgäus, wir fuhren mitten durch die Bodenmöser. Dieses Naturschutzgebiet setzt sich aus 31 Feuchtgebieten zusammen, die die unterschiedlichen Moor- und Feuchtgebietslebensräume repräsentieren. Wir werden hoffentlich mit unseren Rädern nicht im Moor versinken? Natürlich nicht, wir fuhren auf befestigten Wegen, von denen aus viele seltene Tiere und Pflanzen beobachtet werden können. Natur pur! Mehrmals kreuzten wir anschließend das Tal der Unteren Argen (ein rund 55 km langer Fluss in Bayern und Baden-Württemberg). Die vielen schönen Landschaftsbilder mussten wir mit einigen Steigungen bezahlen, von den erklommenen Höhen konnten wir aber den herrlichen Blick auf die Alpenkette genießen. Auf den restlichen Kilometern zurück nach Kisslegg gab es noch einiges zu sehen…


Immer noch auf dem Rückweg nach Kisslegg begegnete uns zunächst ein „Wunder“: das Rasenkreuz. Ein Pfarrer hatte vor seinem Tod 1968 prophezeit, dass nach seinem Tod in der Pfarrei Merazhofen ein Wunder geschehen werde. 1972 entdeckte ein Landwirt einen kahlen Fleck auf seinem Feld. Er schenkte diesem Phänomen zunächst keine Bedeutung. Wenig später entdeckte ein Bub ein Kreuz an dieser Stelle, es ist 3,30 m lang und 1,60 m breit. Die Entstehung dieses Kreuzes ist ungeklärt, trotzdem blüht ein mächtiger Kult auf diesem Gelände. In der Nachmittagssonne erreichten wir den Wuhrmühlerweiher, gerne wären wir ein wenig geblieben, aber wir hatten noch einiges vor. So ging es flott weiter zur Käserei nach Zaisenhofen. Einige deckten sich mit würzigem Allgäuer Käse ein, die Auswahl war groß, man konnte sich kaum entscheiden. Noch ein paar Kurbelumdrehungen weiter waren wir zurück in Kisslegg. Der Zellersee lag wunderschön im Abendlicht, wir mussten ihn einfach umrunden. Noch kurz ein Blick in das alte Schloss, das mit seinen hohen Staffelgiebeln das Stadtbild von Kisslegg prägt, dann ging’s zum Fotostopp an das Seeufer, um das typische Kissleggbild mit Zellersee, Altem Schloss, Pfarrkirche und selbstverständlich ein paar Kühen zu schießen.


Nach einem erlebnisreichen Tag wurden wir im Gasthof Ochsen vom Personal verwöhnt und fühlten uns rundherum wohl.

Unsere Samstagstour führte uns nach Leutkirch. Wir konnten diesen Tag sehr gemütlich angehen, denn Start der Tour war erst um 9.30 Uhr. Das umfangreiche Frühstücksbuffet konnte also ausgiebig genossen werden, vor allem von denen, die schon um 7.00 Uhr im Frühstücksraum saßen. Aber das wurde ja alles wieder „runtergeradelt“ . . .

Samstag - Leutkirch

Unser zweiter Radeltag stand ganz im Zeichen der Kapellen. Diese begegnen dem Besucher des württembergischen Allgäus auf Schritt und Tritt. Aber auch die Kisslegger Seenplatte und Leutkirch standen heute auf dem Programm. Um Kisslegg herum gibt es 32 Kapellen und jede einzelne hat ihre Geschichte. Mal war es eine überwundene Krankheit, Kriegserlebnisse oder der fromme Wunsch, dem Herrgott auch in der Einöde einen passenden Platz zu schaffen. Zunächst machten wir uns auf zur Runde um den schönen Zeller See und schon standen wir vor der St. Anna Kapelle, der Friedhofskapelle von Kisslegg. Die Kapelle steht immer zur Besichtigung offen, heute Morgen allerdings, war sie zu. Da hatte wohl der „Türöffner“ verschlafen?! Also konzentrierten wir uns wieder auf’s Radeln. Nach wenigen Kilometern hatten wir in Höllenbach zum ersten Mal freie Sicht auf die Alpenkette, ein herrlicher Anblick. Nach nur einem weiteren geradelten Kilometer standen wir schon vor der nächsten Kapelle, erbaut in neugotischem Stil. Auch hier durften wir noch einmal einen umfangreichen Blick auf die Alpen genießen. Noch eine Kapelle in Matzenweiler, dann widmeten wir uns der Kisslegger Seenplatte. Die vielen Seen rund um Kisslegg sind nach der letzten Eiszeit entstanden, entweder als Toteisbildung oder indem sich in den von Gletschern geschaffenen Mulden Wasser sammelte. Die Seen und Weiher hatten eine große Bedeutung für die Bevölkerung: Fischerei, Betreiben von Mühlen, Wiesenbewässerung, „Rösten“ des Flachses, Bleichen von Leinen, Eislieferant im Winter an Brauereien und Wirtshäuser zur Kühlung des Bieres. Wir radelten durch lichte Wälder vorbei an einigen Weihern, bis uns an der Holzmühle ein platter Reifen zum Stehen brachte. Wir probierten es zunächst einmal mit Aufpumpen. An der Rochuskapelle, am Ortsrand von Immenried gelegen, legten wir eine längere Pause ein. Der platte Reifen gab keine Ruhe, es musste der Schlauch gewechselt werden. Ausgiebig konnte nun einen Blick auf die Berge, die Kühe und in die Kapelle geworfen werden.

 


Die Besonderheit an dieser Kapelle: vor dem alten Opferstock befindet sich ein Fußabdruck, angeblich eines Heiligen. Wir setzten die Fahrt fort und hatten ein neues Ziel: eine Kapelle! Doch Bernd fuhr einfach vorbei, denn die „Kapellendichte“ war so groß, dass Bernd schon die nächste Kapelle im Blick hatte: die Wallfahrtskirche Maria Königin der Engel in Rötsee. Nun ging die Fahrt ohne weitere Kapellenbesichtigung weiter nach Leutkirch. Die Stadt ist 1200 Jahre alt, Bernd hatte interessantes über die Stadt zu erzählen und am ehemaligen Stadtbach starteten wir unsere Stadtrundfahrt per Rad, auf der uns die Geschichte dieses Ortes näher gebracht wurde. Nach der Fülle der Informationen freuten sich nun alle darauf, die Gastronomie an einem sonnigen Plätzen zu testen. Wir machten uns auf den Rückweg nach Kisslegg, das Programm des heutigen Tages war noch lange nicht beendet…

Unglaublich, was so alles in einen Tag hinein passt. Zurück in Kißlegg war unser Programm noch lange nicht beendet. Zunächst bestaunten wir die Pfarrkirche St. Gallus und Ulrich. Die Anlage stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. In den Jahren 1734 – 1738 wurde ein Umbau in barockem Stil vorgenommen. Aus dieser Zeit stammen auch die Malereien des Deckengewölbes, der Seitenschiffe, der Kuppel und die Stuckaturen (teilweise mit Silber). Nach dieser Besichtigung wurden wir zunächst in den Biergarten oder das Eiscafé entlassen. Zwei Radler hatten aber immer noch nicht genug vom Radeln, diese machten sich noch zu einer kleinen Tour nach Wolfegg auf. Um 18.00 Uhr versammelten sich dann alle (bis auf die zwei „Unermüdlichen“- sie tauchten etwas später auf) frisch geduscht, mit Eis oder „Weizen“ gestärkt, am Schloss Kißlegg zur Schlossführung. Wir erfuhren nun, dass wir nicht in Oberschwaben, sondern im württembergischen Allgäu waren und dass das Allgäu dort anfängt „wo die Kühe scheener sind als die Mädle“. Kalte Platten, Sekt und eine Musikkapelle standen auch schon bereit, allerdings nicht zu unseren Ehren, wie sich schnell herausstellte, sondern für eine Vernissage, die am heutigen Abend im Schloss stattfinden sollte. Aber auch ohne Sektempfang wurde die Schlossführung mit Frau Lang eine gelungene Sache. Frau Lange führte uns kreuz und quer durch die Anlage und erzählte uns mit ihrer kurzweiligen Art viele interessante Details zur Geschichte des Schlosses.

Nun hatten wir uns unser „schwäbisches Spezialitäten-Abendessen“ aber wirklich verdient. Es wurde ein gemütlicher, lustiger und für manchen auch ein sehr langer Abend.

Sonntag - Wangen

Trotzdem waren am nächsten Morgen alle topfit und einer schönen Radtour nach Wangen bei herrlichem Sonnenschein stand nichts entgegen. Los ging’s wieder mit einer halben Runde um den Zeller See, dann gleich bergauf. Von Hof zu Hof und von einem Hügel zum nächsten führte unsere Tour zunächst auf der Route des Donau-Bodensee-Radweges. Und es ging wieder bergauf (hatte nicht Bernd am Morgen noch erwähnt, Richtung Wangen ginge es vor allem bergab??). Doch das „Genussradeln“ setzte ein, als wir oben angekommen waren. Durch Wiesen und Wälder, vorbei an kleinen Seen über die Hügel mit dem Blick auf die Alpen führte die Route. Wir hätten das gerne noch viel länger genossen, doch wir hatten Wangen schon erreicht. Bernd hatte sich auch hier wieder gut vorbereitet und konnte uns viel Wissenswertes über Wangen berichten. Unser Weg durch die Stadt führte uns vorbei an herrlich bemalten alten Häusern und witzigen Brunnen (z.B. der Antonius Brunnen am Saumarkt).


Mit den geradelten Kilometern in den Beinen und den vielen Informationen im Kopf meldete sich nun auch wieder der Hunger. Zeit also zur Einkehr, bevor uns die Fahrt zurück nach Kißlegg führte…

Nachdem nun alle wieder gut gestärkt waren und Kraft getankt hatten, schwangen wir uns wieder auf die Räder und verließen Wangen. Einen ersten Stopp gab es bei Oflings an einer Turmhügelburg aus dem 12. Jahrhundert.
Ein Oldtimer-Omnibus, der uns auf der Weiterfahrt entgegenkam, sorgte dafür, dass alle Fotografen nach ihren Kameras griffen.


Wenig später begegneten wir dem Bus am Bahnhof in Ratzenried, der an diesem Sonntag nach einer Renovierung eingeweiht wurde, noch einmal. Zwar hält hier kein Zug mehr, aber die alten Zeugnisse der Geschichte waren eine ausführliche Besichtigung wert. Wahrscheinlich war es besser, dass die Farny-Brauerei, an der wir nun vorbei radelten, geschlossen hatte. Wir hatten einen richtig heftigen Anstieg vor uns, da hätte sich ein Bierchen vermutlich nicht gerade positiv auf die Bewältigung ausgewirkt. Manch einer entschloss sich auch dazu, das Rad zu schieben. Aber, was ist das Positive am Anstieg, es folgt eine Abfahrt! Noch einmal konnten wir den herrlichen Blick auf die Alpenkette genießen. Das Zeppelindenkmal lag auch noch auf der Strecke, es erinnert an die Notlandung und Zerstörung des Luftschiffes LZ2 im Jahre 1906.
Nur noch wenige Kilometer waren es nun bis Kißlegg, es blieb noch genügend Zeit für’s Eiscafe und den Biergarten. Kurz nach 16.00 Uhr traf unser Bus ein, mit einem genügend großen Radanhänger!! Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir Remseck. Kaum zu Hause angekommen, begann es zu regnen – was hatten wir für ein Glück!

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