Tourbericht 2012 : HEIDENHEIM

Jahresausflug vom 7. bis 9. September 2012



Freitag, 7. September
Tour 1 :    Heidenheim - Bartholomä - Wental - Steinheim          50 km     400 Hm


Begonnen hatte alles am Freitag, dem 07.09. um 08.30 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Rathaus Neckarrems. Nachdem die 14 Fahrräder samt ihren Radler/-innen in die Fahrzeuge verstaut waren, ging es bei herrlichem Sonnenschein los in Richtung Heidenheim. Schon die Fahrt zu unserem Startort durch das Remstal, der Albaufstieg bei Heubach und die Albfläches selbst waren ein Genuss, wenn auch die Fahrräder noch nicht zum Einsatz kamen.

In Heidenheim angekommen wurde das Gepäck im Hotel bei Schloss Hellenstein abgeladen, die Fährräder beladen und die erste Tour gestartet.

Am ersten Tag führte uns die Tour durch einen Teil des Wildparks Eichert und dann über Schotterwege (eine erste Bewährungsprobe für die Teilnehmer) hinab in das Ugental. Vorbei am Heidenheimer Waldbad ging es abseits aller Straßen stetig leicht bergauf, durch schöne Wälder, vorbei an vielen Hülen, die in früherer Zeit den Bewohnern der wasserarmen Ostalb als Wasserquelle dienten in Richtung Zang. Über die Qualität des Hülenwasser kursierten damals übrigens im Volksmund spöttisch-ironische Aussagen wie z.B. ‚s Vieh saufts nemme – mir kennets jo fir ons abkocha…’.

Kurz nach Zang führte die Tour stetig weiter leicht bergan bis nach Tauchenweiler. In Tauchenweiler wurde unter mächtigen Bäumen im Biergarten die Mittagspause bei einem guten Vesper verbracht. Wobei mit längerer Verweildauer der leichte Wind uns daran erinnerte, dass der Hochsommer auf der Ostalb schon vorüber ist.

Nach unserer Mittagsrast in Tauchenweiler ging es die nächsten Kilometer fast nur noch bergab, tatsächlich so wie es die Tourenleitung angekündigt hatte. Die Route führte uns bei strahlendem Sonnenschein durch Wälder und entlang abgeernteter Felder bis nach Bartholomä, wo wir den Einstieg in das Wental nahmen, einem typischen Trockental auf der Karsthochfläche der Alb mit Wacholderheide und Trockenrasen. Die immer zahlreicher werdenden, frei stehenden Felsen wiesen uns den Weg in das „Felsenmeer“. Vorbei an Dolomitfelsen mit Namen wie Spitzbubenstadel, Wentalweible oder Hirschfelsen erreichten wir schließlich Steinheim am Albuch, wo wir nochmals Pause machten und dem Eiscafe einen Besuch abstatteten.

Durch das Steinheimer Becken, einem durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Krater, fuhren wir weiter nach Sontheim und besuchten dort das wirklich sehenswerte Meteorkratermuseum mit seiner interessanten Ausstellung und einem lehrreichen Film zur Entstehung des Kraters. Vorbei am Steinhirt, einer ca. 50 m hohen Erhebung in der Kratermitte, ging es dann zurück nach Heidenheim. Für den letzten großen Anstieg zum Hotel belohnten wir uns mit einem Besuch im dortigen Biergarten.

Vor dem Abendessen besichtigten wir in aller Kürze Schloss Hellenstein mit seinem Rittersaal, dem „Kindlesbrunnen“ und dem Fruchtkasten, der heute das Museum für Kutschen und Chaisen des Württ. Landesmuseums beherbergt. Vom Schloss ging es dann zu Fuß hinunter in die Stadt. Im Rahmen einer kleinen Stadtführung zeigten uns Susanne und Peter einige Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstadt, bevor wir zum Abendessen im Konzerthaus der Stadt einkehrten. Zurück im Hotel ließen wir den ersten Abend dann noch gemütlich an der Hotelbar ausklingen.

Der zweite Ausflugstag, der Samstag, führte uns ins Bayrische und ließ uns über den Tag verteilt einige nette Hochzeitsgesellschaften erleben.

Samstag, 08. September
Tour 2 Entlang der Brenz : Giengen - Sontheim - Gundelfingen     73 km    350 Hm


Frühstück im Hotel über Heidenheim bei herrlichem Sonnenschein – bestes Radel- und Hochzeitswetter. Unsere Tour führte uns entlang der Brenz über Herbrechtingen zum Eingang des Eselsburger Tals beim Kloster Anhausen. Mit herrlichen Eindrücken vom Eselsburger Tal, einem 1983 ausgewiesenen Naturschutzgebiet,  fuhren wir in einer Schleife um den  ‚Buigen‘ , einem Umlaufberg, der uns fast wieder an den Eingang des Tales zurückführte. Unterwegs mussten wir dann einer plötzlich auftretenden Kuhherde Platz machen, die den Platz links und rechts von uns beanspruchte und den einen oder anderen Radler/-in ordentlich beeindruckte.

In Herbrechtingen verließen wir das Eselsburger Tal und es ging weiter in Richtung Giengen, der Heimat der Firma Steiff. Über Hermaringen führt uns der Weg nach Brenz an der Brenz, wo wir der dortigen Galluskirche einen Besuch abstatteten. Die Galluskirche, eines der kunsthistorisch bedeutsamsten Bauwerke im Kreis Heidenheim mit Ursprüngen im Jahr 650 und heute eine evangelische Kirche, konnte von uns glücklicherweise zwischen zwei stattfindenden Hochzeiten besichtigt werden. Der Storch auf dem neben der Kirche liegenden Schloß Brenz beobachtete die Hochzeitsgesellschaft sehr aufmerksam.

Über Bächingen im Donaumoos, einem der größten Naturschutzgebiete Bayerns, fuhren wir weiter nach Gundelfingen, das von drei Armen der Brenz durchflossen wird. Ganz den bayrischen Gepflogenheiten folgend kehrten wir zur Mittagsrast dort in einen mit herrlichen Bäumen bestückten Biergarten ein und ließen uns von der bayrischen Küche verwöhnen.

Wohl gestärkt und gut gelaunt machten wir uns nach unserem Biergartenbesuch im bayrischen Gundelfingen wieder auf den Weg zurück nach Heidenheim.

Der Weg führte uns in das kleine Städtchen Haunsheim im sogenannten Bachtal, einem Ostausläufer der Schwäbischen Alb, in der Donauebene gelegen. Deshalb ging es weiterhin auf ebener Strecke über Unter- und Oberbechingen, Bachhagel und Hohenmemmingen nach Giengen.

Vor Giengen musste dann die einzig nennenswerte Steigung bewältigt werden. Auf der Höhe angekommen, breiteten sich Wacholderheideflächen vor uns aus.

Vorbei am Giengener Bergbad ging es in steiler Bergabfahrt in die Stadt. In Giengen, nach Heidenheim die zweitgrößte Stadt im Landkreis und Heimat von Margarete Steiff, ging es wieder an die Brenz.

Entlang der Brenz kamen wir wieder nach Herbrechtingen, das wir morgens schon bei unserer Fahrt in das Eselsburger Tal gestreift hatten.

Der letzte Anstieg des Tages führte uns wieder zurück zu unserem Hotel beim Schloss Hellenstein. So brachten wir es an unserem zweiten Radeltag auf 73 km und 350 Höhenmeter. Im Hotel hatten wir noch ausreichend Zeit, uns für unser Abendprogramm frisch zu machen, bevor uns das Sammeltaxi abholte und zum Heimatmuseum nach Herbrechtingen brachte.

Was unser Abendprogramm mit einem Hochzeitspaar aus Ballendorf zu tun hat, verraten wir nächste Woche.

Pünktlich wurden wir von unserem Sammeltaxi am Hotel abgeholt und nach Herbrechtingen zum Heimatmuseum gefahren. Das Museum ist auf einer Brenz-Insel in einer ehemaligen Mühle untergebracht. Dort angekommen, wurden wir vom Team des Heimatmuseums herzlich empfangen. Im Garten waren für uns unter Pavillonzelten hübsch dekorierte Tische aufgebaut. Mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages nahmen wir den angebotenen Willkommenstrunk zu uns und bewunderten den hübschen Garten, in dem auch ein von einem Apotheker bewirtschafteter Heilkräutergarten ist.

Der Koch des Heimatvereins bewirtete uns dann mit einer herrlichen Vorspeise, mit Spanferkelbraten aus dem Holzbackofen, Klößen und einem sehr guten, aufwändigen Dessert. Zwischen den Gängen gab es noch eine kurzweilige, interessante Führung durch das Museum, bei welcher in original einrichteten Räumen vieles vom Leben auf der Ostalb zu erfahren war. Zwischenzeitlich erleuchteten Schwedenfeuer den Garten des Museum und schützten uns vor den einsetzenden kühleren Temperaturen.

Mit dem Nachtwächter, einem Mitglied des Heimatvereins, machten wir uns dann zu später Stunde auf den Weg in Richtung Kloster Herbrechtingen. Schon unterwegs unterhielt uns der Nachtwächter mit vielen Geschichten über das Leben auf der Ostalb, über die Äbte von Kloster Herbrechtingen und das damalige Leben im Kloster.

Im Klosterhof angekommen, hörten wir aus dem hell erleuchteten Dachgeschoss Musik. Festlich gekleidete Frauen standen am Fenster und winkten uns herauf. Unser Nachtwächter, ein mutiger Geselle, beschloss, mit uns die Feierlichkeit, offensichtlich eine Hochzeit, zu besuchen.

Nach leichtem Zögern folgten wir unserem forschen Nachwächter zur Hochzeitsgesellschaft. Nachdem wir den Raum betreten hatten, endete abrupt die soeben noch gespielte Musik. Unser Nachtwächter stellte das Brautpaar zur Rede. Hierbei kam heraus, dass das Brautpaar aus Ballendorf stammt und nur in Herbrechtingen heiratet. Dies veranlasste unseren heimatverbundenen Nachtwächter, zum Preis einer Runde Sekt, auf die nun eigentlich fällige Brautentführung zu verzichten.

Das Brautpaar nahm unser Eindringen in die Hochzeitsgesellschaft mit sehr viel Humor und zahlte mit einem Lachen die Runde Sekt an die Radler aus dem fernen Remseck.

Und weiter geht’s mit feiern. Mit besten Glückwünschen an das Ballendorfer Brautpaar verabschiedeten wir uns von der Hochzeitsgesellschaft und kehrten mit unserem Nachtwächter wieder zurück in den Hof des Klosters Herbrechtingen.

Auf dem Rückweg in den Garten des Heimatmuseums gab es natürlich viel zu lachen und auch unser Nachtwächter gab noch die eine oder andere unterhaltsame Geschichte zum Besten.

Wieder bei unseren Gastgebern angekommen, gab es noch ein letztes Getränk, bevor das Großraumtaxi die erste Tour in Richtung Hotel fuhr. Mitfahrer/-innen der ersten Tour waren natürlich jene Radler/-innen, die von des Tages Mühen müde waren und gerne das Bett aufsuchen wollten.

Doch welche Überraschung, als wir mit der zweiten Tour im Hotel ankamen. Die Müdigkeit war bei den zuerst ins Hotel Zurückgekehrten wohl schnell verflogen. In der Hotellobby war Diskobetrieb, eine Hochzeitsgesellschaft feierte und mittendrin die Radler/-innen vom ADFC. Zugegeben, wir waren nicht gerade dem Anlass entsprechend gekleidet und ernteten Anfangs den einen oder anderen schrägen Blick. Das kannten wir ja schon von unserer ersten Hochzeitsgesellschaft. Nachdem die nunmehr zweite Hochzeitsgesellschaft von unseren friedlichen Absichten überzeugt war, störte sich niemand daran, dass die Remsecker zum Teil mit Radschuhen und sehr legerer Freizeitkleidung mit zur Musik tanzten. Und so ergab es sich, dass – so geht das Gerücht – einige der Remsecker Radler erst in den frühen Morgenstunden den Weg ins Hotelzimmer fanden.

Lobenswerterweise waren am letzten Radeltag alle Radler/-innen zur verabredeten Zeit beim Frühstück, wo wir die Erlebnisse des vergangenen Tages nochmals Revue passieren ließen und dabei so manche Träne vergossen.

Sonntag, 9. September
Tour 3 : Heldenfinger Kliff - Hungerbrunnental - Lonetal           56 km   410 Hm

Und auch am letzten Tag unseres Jahresausflugs, immerhin der 9. September, verwöhnte uns die Ostalb mit herrlichem, sonnigen Herbstwetter.
Nachdem die Zimmer geräumt und die Autos wieder beladen waren, ging es auf der Höhe bleibend vorbei am Fußballstadion des Drittligavereins 1. FC Heidenheim durch herrliche Wälder in Richtung Heldenfingen. Fast auf der Hälfte dieser Strecke öffnete sich der Wald und gab den Blick frei auf die Heidenheimer Alb.
Der Blick reichte viele Kilometer weit bis hinüber ins Donautal. Neben einer Alblandschaft mit Kalkstein übersäten Äckern, Streuobstbäumen und Heideflächen konnte man in der Ferne den Dampf der Kühltürme von Grundremmingen aufsteigen sehen. Nachdem wir auch die nächste Waldpassage mit leichtem auf und ab hinter uns gebracht hatten, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick frei auf Heldenfingen.
Am Ortseingang wurden wir gleich freundlich begrüßt, fand an diesem Tag doch aus Anlass des ‚Tags des offenen Denkmals‘ am Heldenfinger Kliff ein Straßenfest statt. Leider war das Straßenfest noch im Aufbau begriffen, so dass wir noch keine Stärkung zu uns nehmen konnten.

Das Heldenfinger Kliff ist Teil einer Klifflinie, einem Felsband, das sich über die gesamte südliche Schwäbische Alb verfolgen lässt. Diese Kliff ist vor ca. 15 Millionen Jahren entstanden. In Heldenfingen hat der Anprall der Wellen eine typische Hohlkehle aus dem Fels herausgemeißelt. Die Hohlkehle selbst und die umgebenden Felsen sind mit größeren Löchern von Bohrmuscheln und Bohrschwämmen bedeckt. Von Geologen wird das Heldenfinger Kliff als besterhaltener fossiler Strand bezeichnet.
Nach Erkundung des Kliffs mit seinen Informationstafeln ging es, mit reichlich neuem Wissen versehen, weiter in Richtung Hungerbrunnental.


Das Hungerbrunnental, ein typisches, sehenswertes Trockental der Schwäbischen Alb, wird von der Quelle des Hungerbrunnens, einer Karstquelle, gespeist. Der Hungerbrunnen schüttet nur nach besonders großen Niederschlägen Wasser aus.

Die Auflösung unseres Rätsels : das Hungerbrunnental kam zu seinem Namen, weil sich der Glaube festsetzte, dass eine unregelmäßige Schüttung der Quelle eine kommende Hungersnot, Missernte, Teuerung oder Kriegsgefahr ankündigt. Wir hatten Glück und trafen die Quelle trocken an. Eine weitere Teuerung scheint somit nicht bevor zu stehen.

Unsere Tour führte uns weiter nach Ballendorf. Sie erinnern sich – unser Hochzeitspaar aus dem Kloster Herbrechtingen. Weil das Dorf nach der Hochzeitsfeierlichkeit wohl noch schlief, konnten wir unerkannt unsere Fahrt nach Nerenstetten fortsetzen, wo wir Mittagsrast im Garten des Gasthauses Adler unter ausladenden Nussbäumen machten. Danach ging es gestärkt hinab ins Lonetal.

Die nächsten Kilometer fuhren wir auf überwiegend ebenen Wegen durch das Lonetal. Am Hohlenstein, in der sogenannten Bärenhöhle, fanden wegen des Tages des offenen Denkmals Schaugrabungen in der Höhle statt. Die Bärenhöhle ist Fundort des ‚Löwenmenschen‘, der ältesten Tier-Mensch-Figur, ca. 32.000 Jahre alt. An Schautafeln informierten wir uns über die Funde und setzten dann unsere Fahrt fort.

Schon nach wenigen Kilometern kamen wir am nächsten kulturhistorischen Kleinod vorbei. Die Vogelherdhöhle im Lonetal gab bei Grabungen die ältesten bekannten Kulturwerke der Menschheit preis. Es handelt sich um die Darstellung eines Wildpferdes aus Elfenbein, ebenfalls ca. 32.000 Jahre alt, bald in einem Museum direkt an der Vogelherdhöhle zu bestaunen.

Nachdem wir die offene Höhle besichtigt und von Susanne etwas über die Geschichte der Höhle und ihrer Funde gehört hatten, ging es entlang der Lone ins Tal der Hürbe und dort unterhalb der Charlottenhöhle in den Ort Hürben. Die Charlottenhöhle ist mit ca. 590 m Länge eine der längsten Schautropfsteinhöhlen und, so meine Empfehlung, auf jeden Fall einen Besuch wert.

Das Tal der Hürbe, immerhin einst von der Urbrenz durchflossen, trennt heute ein beachtlicher Höhenzug vom Brenztal, den es zu überwinden galt. 

Nachdem wir den trennenden Höhenzug zwischen Hürbe und Brenztal überwunden hatten, kamen wir durch Eselsburg in das Eselsburger Tal. Bei den Steinernen Jungfrauen wurde ein kurzer Halt für ein Gruppenfoto gemacht, bevor es nochmals zum Heimatmuseum nach Herbrechtingen ging.

Am Tag des offenen Denkmals war das Museum geöffnet und so konnten wir uns zum Abschluss im Garten guten Kaffee und leckeren Kuchen schmecken lassen. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei unseren Gastgebern des Heimatmuseumsvereins für den tollen Samstagabend und die Bewirtung am Sonntag bedanken.

Frisch gestärkt nahmen wir die letzten Fahrradkilometer in Angriff, verluden die Fahrräder und traten den Heimweg nach Remseck an.

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