Tourbericht 2011: GERMERSHEIM

Jahresausflug vom 9. bis 11. September 2011



Freitag  -   Radtour nach Karlsruhe      76 km     50 Hm

Unser diesjähriges Ziel, Germersheim in der Pfalz, lag nicht weit entfernt. Dies war auch der Grund dafür, dass wir keinen Bus charterten, sondern mit eigenen PKWs fuhren und auch die Räder selbst transportierten. Es wurden Fahrgemeinschaften sowohl für die Teilnehmer/innen als auch für die Räder gebildet. Die Sache mit den Rädern war in der Theorie einfacher, als in der Praxis, doch am Ende musste keiner wandern, es hatte jeder/jede einen Fahrradsattel unterm Po. Treffpunkt war am Freitag um 8.30 Uhr auf dem Rathausparkplatz in Neckarrems. Alle 21 Teilnehmer/innen waren pünktlich am Start. Der Himmel war noch etwas wolkenverhangen, die Temperaturen noch etwas kühl, doch der Wetterbericht versprach ein sonniges Wochenende. So waren schon einige in kurzen Hosen, andere noch in langen Hosen unterwegs. Oder aber das Hosenbein wusste noch nicht so richtig ob’s warm oder kalt wird.

Reinhold, der zusammen mit Monika den diesjährigen Ausflug geplant hatte, erklärte kurz den Ablauf des ersten Tages und dann hieß es einsteigen und losfahren. Nach einer reibungslosen und flotten Fahrt erreichten wir unser Hotel, den Germersheimer Hof, luden das Gepäck aus, machten die Räder startklar, so dass die Tour bereits um 10.45 Uhr beginnen konnte. 70 km waren geplant, die erste Tour führte uns nach Karlsruhe und zurück, außerdem stand wie schon erwähnt, gutes Wetter auf dem Programm. Da hatte wohl Petrus dem Wetterbericht nicht so richtig zugehört, denn bereits wenige Minuten nach unserem Tourenstart setzte Regen ein. Es half alles nichts, die Regenkleidung musste angezogen werden. Wir stoppten gegenüber von einem Cafe, dieses hatte sinnigerweise den Namen „Regen“. In Regenkleidung gepackt setzten wir die Fahrt fort, aber auf dem Weg zum Rhein nahm der Niederschlag an Heftigkeit zu und wir mussten erneut eine Zwangspause unter einer Eisenbahnbrücke einlegen. Der Himmel versprach nichts Gutes, würde das etwa den ganzen Tag so weitergehen…?

So ging es nicht den ganzen Tag weiter . . . noch standen wir aber unter der Eisenbahnbrücke und diskutierten eifrig: abwarten oder weiterradeln? Nach einer guten halben Stunde sprach Reinhold ein Machtwort und wir setzten die Tour im Regen fort. Ganz schön ungemütlich, aber die Uferbepflanzung bot wenigstens etwas Schutz. Jetzt traf uns noch ein weiteres Hindernis, eine Umleitung. Ein „Späher“ prüfte, ob mit den Rädern nicht doch ein Durchkommen möglich sein würde, dem war leider nicht so und wir leisteten dem Wegweiser Folge. Doch leider warteten wir dann vergeblich auf weitere Schilder und so mussten uns Straßenschilder und GPS in Richtung Rheinfähre Leimersheim navigieren. Wir hatten Glück, die Rheinfähre „Peter Pan“ legte gerade an und so konnten wir hier ohne Wartezeit einen Teil der verlorenen Zeit wieder aufholen. Nach rund 90 Min. Fahrt durch den Regen, freuten sich die Radler/innen auf der Fähre nun über die ersten Sonnenstrahlen. Auf der rechten Rheinseite angekommen ging die Fahrt weiter Richtung Leopoldshafen, kurz darauf beginnt der Karlsruher Hardtwald, dessen Radwege wie mit der Schnur gezogen direkt zum Schloss führen. Ein schöner Ort und 14.00 Uhr eine gute Zeit für die Mittagspause. Einige vesperten das Mitgebrachte auf einer Parkbank, andere zog es ins Schloss-Cafe, wieder andere steuerten die nahe gelegene Innenstadt an. Nun hatte auch das Wetter den Durchbruch geschafft. Die Tour vorbei am Wildparkstadion, dann wieder 7 schnurgerade Kilometer durch den Wald, weiter zum Campus Nord (ehemalige Kernforschungsanlage –heute zusammen mit der Uni das Karlsruher Institut für Technologie) machte jetzt richtig Spaß. Wir nahmen wieder Kurs auf den Rhein, bei inzwischen herrlichem Spätsommerwetter wurde noch einmal der Anblick des Stromes genossen und der rege Schiffsverkehr verfolgt.


Eine weitere Herausforderung war nun noch ein feuchtes Waldstück, äußerst rutschig und beidseitig von Springkräutern und Brennnesseln gesäumt verlangte es den Radlern einiges ab, die Stechmücken taten ihr Übriges. Nach 76 km und immerhin 50 !! Höhenmetern war die Gruppe wieder am Hotel Germersheimer Hof angekommen. Ach ja, den ersten Platten gab es an diesem Tag auch…
Am Abend musste dann die Frage geklärt werden, warum beim ersten Abendessen im Hotelrestaurant bei 21 Plätzen und 21 Gästen, trotzdem einer keinen Platz findet?!

Weiter geht’s Alle freuten sich am Ende des ersten Radeltages auf einen gemütlichen Abend im Restaurant. Das Hotel war ja sehr gut besucht, außer unserer Gruppe mit 21 Leuten war eine noch größere Gruppe einquartiert – und zwar die Schmalspurfilmer! Dies führte dazu, dass das Restaurantpersonal ziemlich gefordert war und ordentlich Stress hatte mit der Verköstigung von beiden Gruppen. Nacheinander trafen die Radler/Innen im Restaurant ein und suchten sich am reservierten Tisch einen Platz. Bald schon war klar, da fehlt ein Stuhl. Wir zählten aber zur Sicherheit noch einmal nach – doch es waren nur 20 Plätze! Die Bedienung mit dieser Tatsache konfrontiert, zählte auch noch einmal nach und bemerkte: „Stimmt doch alles, mir wurden 21 Leute gemeldet“. Wir zählten noch einmal nach, es waren noch immer 20 Stühle, auch die Bedienung zählte wiederum nach und zählte 21 Stühle. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, bis die Bedienung endlich auch nur noch 20 Stühle zählte. Damit ergab sich schon das nächste Problem – es war absolut kein Platz mehr für diesen 21. Stuhl. Nach einigem Hin und Her und dem „Anstückeln“ eines Gartentisches konnte dann auch der letzte Radler an der Tafel Platz nehmen. Insgesamt war der Platz für uns und das Buffet, schwäbisch ausgedrückt,“ a bissle päp“, was uns aber nicht daran hinderte, das Buffet zu stürmen und uns das leckere Essen schmecken zu lassen. Der Abend fand seinen Ausklang an der Hotelbar.


Samstag  -  Radtour nach  Speyer       53 km

Am nächsten Morgen überraschte uns dann ein geniales Frühstücksbuffet. Es gab dort praktisch nichts, was es nicht gab. Angefangen bei den üblichen Frühstückszutaten wie Brot, Brötchen, Wurst, Käse, Gsälz usw. konnte man gleichzeitig fast schon zu Mittag essen. Zuerst ein bisschen Antipasti, dann zierten noch Hackfleischbällchen, Würstchen, Kartoffelplätzchen, Bratkartoffeln und Schnitzel das Buffet. Und wer dann noch nicht genug hatte, konnte sich auch gleich am Schokobrunnen den Nachtisch holen. Und – wir durften uns alle noch ein Vesper für unterwegs einpacken, dafür lagen sogar Tüten bereit. So gestärkt konnten wir uns natürlich locker auf die zweite Tagestour begeben. Diese führte uns in das schöne Städtchen Speyer. Auch auf dieser Etappe mussten keine Höhenmeter überwunden werden, absolutes Genussradeln auf einer Länge von 53 km. Eine erste Pause legten wir am AKW Philippsburg ein, wo uns Reinhold einige interessante Information über das Atomkraftwerk lieferte.

Nach der kleinen Pause mit Zahlen und Fakten über das AKW Philippsburg setzten wir unsere Fahrt fort zur Fähre nach Oberhausen-Rheinhausen. Bald war die Anlegestelle erreicht und es war mittlerweile richtig heiß geworden. So suchte manch einer ein schattiges Plätzchen, um auf die Fähre zu warten. Die Fähre nahm Kurs auf uns und wir sorgten dann schnell dafür, dass diese voll wurde. Außer uns ADFC-lern hatten nicht mehr viele die Chance einzusteigen. Nach einer kurzen Überfahrt und einer kleinen Pause an Land setzten wir unsere Fahrt nach Speyer fort. Empfangen wurden wir von einem Jumbo Jet Boeing 747, der auf dem Gelände des Technikmuseums auf einem riesigen Stahlgerüst aufgebaut wurde. Dieser Jumbo Jet ist bis heute das einzige Flugzeug dieser Art, das zerlegt, an einen Ort außerhalb eines Flugplatzes transportiert und wieder zusammengebaut wurde. Ein beeindruckendes Bild. Jetzt waren es nur noch wenige Meter in die Stadt. Wir steuerten den Dom zu Speyer an und legten eine längere Pause ein. Manche fingen mit einem guten Cappuccino im Straßencafe an, andere vertilgten zunächst einmal das mitgebrachte Vesper vom leckeren Frühstücksbuffet, wieder andere machten sich gleich auf den Weg ins Städtchen mit seinen herrlichen Fassaden. Und, man musste natürlich drin gewesen sein, im Dom zu Speyer. Der Kaiserdom in Speyer wurde 1981 ins Weltkulturerbe aufgenommen. Es ist die größte romanische Basilika Europas. Nach 30 Jahren Bauzeit wurde sie im Jahre 1061 fertiggestellt. Kein anderes Bauwerk hat die Macht des deutschen Kaisertums eindrucksvoller symbolisiert. Der Dom hat allen Zerstörungen und Veränderungen getrotzt. Einst das größte Bauwerk der christlichen Welt stand der Dom nach der Zerstörung durch französische Revolutionstruppen 1806 kurz vor dem Abriss. Doch der Abriss konnte verhindert werden. Die größte Sehenswürdigkeit ist die seit 1000 Jahren fast unveränderte Krypta, Grablege von acht deutschen Kaisern und Königen, vier Königinnen und einer Reihe von Bischöfen. Seit 1996 wird der Dom renoviert, 2015 sollen die Arbeiten fertiggestellt sein. Mit vielen tollen Eindrücken machten wir uns auf die Rückfahrt ins Hotel. Der Tag war noch lange nicht zu Ende, es sollten heute noch mehr Informationen folgen. Es stand uns noch eine Führung per Rad durch die Festungsanlagen in Germersheim bevor…

Der Wettergott meinte es wirklich gut mit uns. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein begleiteten uns auf der gemütlichen und wiederum vollkommen ebenen Rückfahrt von Speyer nach Germersheim. Im Hotel angekommen hieß es schnell unter die Dusche und entweder wieder in Radlerklamotten oder auch schon in die Abendgarderobe. Vom Radeln hatten wir heute noch nicht genug, jetzt ging‘s noch zur Führung durch die Festungsanlagen der Stadt – und zwar per Rad. Wir wurden sogar von unserem Stadtführer direkt am Hotel abgeholt und machten uns auf den Weg, um viel Interessantes rund um die Festungsanlagen von Germersheim zu erfahren. Der Stadtführer machte zunächst einen etwas unbeholfenen Eindruck, entpuppte sich aber als humorvoller Mensch, der uns Daten und Fakten auf kurzweilige Art näher brachte. Wohl schon zur Römerzeit war Germersheim ein befestigter Ort, ab 1276 war Germersheim Reichsstadt und schon immer mit wehrhaften Mauern umgeben. Nun aber sollte Germersheim zu einer starken Festung ausgebaut werden und zusammen mit Landau das linke Rheinufer gegen Frankreich schützen. 1834 war sodann die Grundsteinlegung, die Fertigstellung dauerte bis zum Jahr 1861. Nach dem 1. Weltkrieg musste die Festung nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages gesprengt werden. Erhalten geblieben sind das Ludwigstor (heute Festungsmuseum) und das Weißenburger Tor, das Zeughaus (beherbergt heute das Straßenmuseum) mit Grabenwehr und „Carnot’scher Mauer“, die das Zeughaus mit dem Proviantamt verband und benannt war nach dem französischen Festungsingenieur Carnot, die Grabenabwehr Fronte Lamotte (benannt nach Freiherr de Lamotte), der Festungsabschnitt „Fronte Beckers“ und noch einiges mehr. Man könnte an dieser Stelle viele Seiten füllen, was aber den Rahmen der Remseck-Woche sprengen würde. Interessant war noch zu erfahren, dass es in der gesamten Anlage 83 Hauptstollen und 479 Nebenstollen gibt, die größtenteils erhalten sind und auch besichtigt werden können. Das durften wir auch, allerdings zur Fuß .Wir verschwanden hinter einem großen Tor, dort wurden die Räder abgestellt und schon bald hatten wir die Orientierung verloren.Der Stadtführer lotste uns selbstverständlich zielsicher wieder aus den Stollen heraus. Mittlerweile dämmerte es, die Schnaken hatten es auf uns abgesehen, unsere Mägen knurrten uns so nahmen wir wieder Kurs auf’s Hotel. Mit einem herzlichen Dankeschön für diese tolle Führung verabschiedeten wir uns von unserem Guide, der noch sooo viel zu erzählen gehabt hätte.

Diese Stadtführung war eine wirklich tolle Sache, wir waren alle begeistert. Doch so langsam stellte sich ein immer stärker werdendes Hungergefühl ein, so dass wir auch schnurstraks nach dem Aufräumen unserer Räder in der Hotelgarage, das Restaurant ansteuerten. Auch an diesem Abend gab es wieder ein Buffet für uns, wir ließen uns die vielen Leckereien schmecken. Die Bedienung, ähnlich überfordert wie am Vortag, sorgte im Laufe des Abends noch dafür, dass ein Viertele guter Wein bei Kurt auf der Hose landete. Aber unser Kurt nahm’s gelassen und genoss dann eben das nächste Viertele. Die Temperaturen ließen es sogar zu, dass wir nach dem Essen den Abend auf der Terrasse des Hotels ausklingen lassen konnten.


Sonntag - Radtour nach Landau

Der nächste Morgen startete wieder mit diesem einmaligen Frühstücksbuffet , man musste sich schon ganz genau überlegen, was man aß. Schließlich konnten wir nicht alles probieren. Die Vesperbeutel wurden gerichtet und wir machten uns eine Stunde früher als ursprünglich geplant auf den Weg. Der Wetterbericht kündigte ein Gewitter an, diesem wollten wir, wenn möglich, entgehen. Von Germersheim aus führte die Route auf dem Queichtalradweg bis Landau. Die Queich ist ein linker Nebenfluss des Rheins, sie entspringt bei Hauenstein, im Stadtgebiet von Germersheim fließt die Queich in den Rhein. Es war wirklich sehr heiß an diesem Tag und wir waren froh, dass Teile des Weges durch schattigen Wald führten. In diesem Wald fanden wir eine Stelle, an der Kurfürst Friedrich von der Pfalz im Jahr 1550 seiner Gemahlin zu Ehren das Jagdschloss Friedrichsbühl erbaute, welches im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Eine weitere Pause auf unserer Tour legten wir am Ottersheimer Teilungswehr ein. Es entstand im Jahr 1772 und trennt den Queichlauf in zwei Teile: 3/5 fließen als Queich Richtung Zeiskam und Germersheim, 2/5 fließen als Spiegelbach über Knittelsheim und Bellheim.

Letztes Tagesziel erreicht…
…die alte Festungsstadt Landau, mit ihren vielen klingenden Beinamen wie Universitäts-, Wein-, Garten-und Einkaufsstadt. Eine Stadt mit Flair und ländlichem Charme. Mit ihren acht Stadtteilen ist Landau eine der größten Weinbau treibenden Gemeinden Deutschlands. So machten sich die Radler/innen in kleinen Gruppen zu Fuß auf den Weg, das schöne Städtchen zu erkunden. Einiges wurde dabei entdeckt. Zum Schluss gab’s natürlich auch noch einen Cappuccino o.ä., das leckere mitgebrachte Vesper wurde verzehrt und pünktlich zur vereinbarten Zeit waren alle wieder startklar für die Rückfahrt. Wieder herrlich eben rollten wir dahin, über Zeiskam, Lustadt und Lingenfeld bis nach Germersheim. Unterwegs fanden wir noch einen ausgesprochen idyllischen Biergarten, an dem wir ohne Stopp nicht vorbei kamen. Zufrieden und gut gestärkt, ob durch Kaffee und Kuchen oder eine deftige Mahlzeit, erreichten wir bei immer noch gutem Wetter wieder den Germersheimer Hof.

Damit wir unsere Räder nicht wieder mühsam aufladen müssen, haben wir uns für folgende Variante entschieden:

Späßle!

Wir haben natürlich unsere Räder alle wieder verladen und uns auf den Heimweg gemacht.

Es war ein toller Ausflug, absolutes Genussradeln – drei Tage keine Höhenmeter! An dieser Stelle bedanken wir uns alle noch einmal ganz herzlich bei Reinhold und Monika für die tolle Organisation. Es steckt viel Mühe und Zeit dahinter und ihr beiden habt das super gemeistert.

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