Radwegebenutzung - Recht oder Pflicht?


Für viele Radfahrer stellt sich die Frage:
Wann bin ich verpflichtet, den Radweg zu benutzen?

Die Straßenverkehrsordnung regelt in § 2 Abs. 4 Satz 2, dass Radfahrer Radwege benutzen müssen, wenn sie mit den Zeichen 237, 240 und 241 gekennzeichnet sind.   

Andere Radwege dürfen Radfahrer benutzen, müssen es aber entsprechend § 2 Abs. 4 Satz 3 StVO nicht. Die sogenannten "anderen" Radwege erkennt der Radler daran, dass sie baugleich gestaltet und sowohl von der Fahrbahn als auch vom Gehweg getrennt sind und dass sie keine blauen Radwegeschilder tragen. Früher war die Benutzung rechtsseitiger Radfahrwege Pflicht.

Diese generelle Radwegsbenutzungspflicht ist jedoch durch die Fahrradnovelle seit dem 01.10.1998 aufgehoben worden: Nur dort, wo die vorgenannten Verkehrszeichen stehen, ist die Radwegebenutzung Pflicht. Sie ist nicht an bestimmte Fahrradtypen wie Rennräder oder an bestimmte Geschwindigkeiten geknüpft. Hier unterscheidet die Straßenverkehrsordnung nicht. Fehlen jedoch die Schilder, darf auch bei vorhandenem Radweg die Fahrbahn benutzt werden.

Manche Menschen fühlen sich sicherer, wenn sie auf Radwegen statt auf der Fahrbahn fahren. Studien haben untersucht, wie sicher Radwege aber tatsächlich sind. Aus denen geht hervor, dass sich auf Radwegen mehr und vor allem schwerere Unfälle ereignen als auf Fahrbahnen. Verursacht werden solche Unfälle vor allem dadurch, dass sich das Verkehrsgeschehen außerhalb der Fahrbahn nicht im unmittelbaren Blickfeld der Kraftfahrer befindet. Auch Konflikte mit Fußgängern kommen auf Radwegen häufiger vor. Besondere Gefahren auf Radwegen ergeben sich durch abbiegende Autos und Lkw, aufgrund von plötzlich geöffneten Autotüren, sowie aus Einmündungen herausfahrende Kraftfahrzeuge, deren Fahrer bis an die Bordsteinkante vorfahren.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber diese Nutzungspflicht für Radwege seit der StVO-Novelle an bestimmte bauliche Mindeststandards geknüpft:
Der Radweg muss breit genug, die Linienführung muss eindeutig und stetig, die Führung an den Kreuzungen muss sicher - insbesondere muss die Sichtbeziehung zwischen einbiegenden / abbiegenden Kfz-Fahrern und den Radfahrern gut sein - und der Weg muss baulich nach dem Stand der Technik gestaltet sein.

Ist jedoch ein als benutzungspflichtig ausgeschilderter Radweg deutlich erkennbar unbenutzbar, muss der Radfahrer ihn nicht befahren. Dies kann sein, wenn er vereist, von Pflanzen überwuchert oder von falsch geparkten Autos blockiert ist. In solchen Fällen ist es erlaubt, auf die Fahrbahn auszuweichen. Ob ein benutzungspflichtiger Radweg unbenutzbar ist, ist im Einzelfalle auszulegen. Generell gilt, dass man nicht verpflichtet ist, sofort nach einem Hindernis wieder auf den Radweg zu wechseln, sondern der Radler darf auf der Fahrbahn weiterfahren, bis ein gefahrloses Wechseln auf den Radweg (Bordsteinabsenkung) möglich ist.

Text mit freundlicher Erlaubnis von Rechtsanwältin Karin Stein, Augustastr. 43, 52070 Aachen, Tel. 0241 / 505 025

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Radler sollten sich merken:

Innerorts fährt man auf der Fahrbahn in der Regel sicherer als auf einem Radweg. Auf dem Fahrradweg kommt man an jeder Kreuzung und an jeder Grundstücksauffahrt unweigerlich mit dem Kfz-Verkehr in Berührung. Dort achten die Pkw-Fahrer in erster Linie mehr auf den Kraftfahrverkehr und Radfahrer werden gern übersehen, wenn sie hinter parkenden Autos oder auf der linken Seite geführt werden. Viele Radler fühlen sich auf Radwegen sicherer und passen daher nicht richtig auf.

Leider ist daher die Wahrscheinlichkeit, an einer Kreuzung einen Unfall zu erleiden, auf dem Radweg bedeutend höher als auf der Fahrbahn.

 

Kinder:

Radfahrer haben aber grundsätzlich auf den Gehwegen nichts zu suchen. Eine Ausnahme bilden Kinder bis 8 Jahren. Diese müssen den Gehweg - nicht den Radweg - benutzen. Kinder bis 10 Jahre dürfen den Gehweg benutzen. Wichtig ist hier, dass nur Schritt gefahren wird, damit ein Mitverschulden an einem eventuellen Unfall vermieden wird. An Kreuzungen und Einmündungen müssen die Kinder absteigen und das Fahrrad herüber schieben.

Nur dann, wenn ein Zusatzschild "Radfahren frei" aufgestellt ist, dürfen auch Erwachsene auf dem Gehweg fahren.