Verkehrspolitische Tour in Stuttgart

Verkehrspolitik

Der ADFC Stuttgart und Lastenrad Stuttgart veranstalteten am Freitag eine verkehrspolitische Radtour. Die Teilnehmenden, darunter elf Kandidaten zur Gemeinderatswahl, "erfuhren" Hürden und Gefahrenstellen für Radler in der Landeshauptstadt. Mit Blick auf Fahrverbote und Klimawandel sei es an der Zeit, die Hemmnisse des Radverkehrs abzubauen, meinten die Veranstalter und nahmen die Kommunalpolitik für zwei Stunden ins Schlepptau.

  • Ein erster wichtiger Haltepunkt war die Herzogstraße. Hier beklagt der ADFC, dass viele Autofahrer beim rechts abbiegen aus der Rotebühlstraße zu schnell um die Ecke rasen und dabei die Fahrradaufstellfläche überfahren. Es gebe hier viel Schleichverkehr, der nur die Ampel an der Silberburgstraße umgehen möchte. Es wird daher gefordert, hier mittels "modalem Filter" – damit ist eine Abpollerung gemeint – den Kfz-Verkehr zu unterbinden. Solche Unterbrechungen bestehen zum Beispiel am Spielplatz an der Hasenbergstraße oder – für eine Richtung – an der Kreuzung Gutenbergstraße, Schwabstraße.
  • In der Gutenbergstraße wurde auch der neue Lastenrad-Stellplatz besichtigt, für den sich Lastenrad Stuttgart lange einsetzte. Christoph Hoyer von Lastenrad Stuttgart bemerkte jedoch, dass es Lastenrädern auf Dauer nicht gut tut, immer im Freien zu stehen. "Lastenräder sind teuer, da lohnen sich eine Überdachung und ein Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus." Es wurde angemerkt, dass die Stadt plane, entsprechende Stellplätze zu schaffen.

  • Der Hölderlinplatz ist unattraktiv und schlecht zu queren, merkte Frank Zühlke vom ADFC an. Von der Johannesstraße kommend wisse man gar nicht, wie man eigentlich fahren solle. Außerdem wartet man lange an Ampeln. "Ich könnte mir vorstellen, hieraus eine Art 'Shared Space' zu machen, auf dem es nur noch Zweifeld-Ampeln wegen der Stadtbahn gibt", schlug er vor.

  • An der Zeppelinstraße gibt es bergauf einen Schutzstreifen, also eine mit gestrichelter Linie abgetrennte anderthalb Meter breite Spur, die im Wesentlichen den Radfahrern vorbehalten ist. "Dieser hier ist noch relativ gut, aber oft werden sie zu schmal markiert oder die Mittellinie bleibt bestehen, wodurch Radfahrer dann eng überholt werden, sagte Zühlke hierzu. Allgemein seien Schutzstreifen zwar für manche Radfahrer eine Verbesserung, sie seien aber nicht geeignet, sehr viele Menschen aufs Rad zu bringen.
  • Gegen Ende der Tour wurden noch verschiedene Radfahrstreifen befahren, also mit durchgezogener Breitstrich-Linie abgetrennte Fahrstreifen nur für Radfahrer. Während die Streifen in der Fritz-Elsas-Straße recht gut eingeschätzt wurden (in einer Richtung auch für Linienbusse frei) gab es viel Kritik an den Streifen in der Theodor-Heuss-Straße. Man sei hier "eingeklemmt" zwischen den parkenden und fahrenden Autos, die "Dooring"-Gefahr sei hier sehr groß. "Besonders mit Lastenrad ist es extrem eng", merkte Hoyer an. Kritisiert wurde auch das plötzliche Ende des Streifens wegen der Parkplätze vor der BW-Bank.

 

Was wollen die Kandidaten, die dabei waren, für den Radverkehr unternehmen, sofern sie gewählt werden?

Dr. Christine Lehmann (Bündnis 90 / Grüne) ist bereits im Gemeinderat und kämpft dort für den Radverkehr; sie betreibt auch den Blog "Radfahren in Stuttgart". Sie unterstützte auch den Radentscheid und war maßgeblich am Zustandekommen des anschließenden Zielbeschlusses bzw. dem Ergänzungsbeschluss beteiligt. Sie kündigt an, dass es in konkreten Fällen wieder starke Widerstände anderer Fraktionen geben wird und hofft auf eine starke radfreundliche Mehrheit.

Thorsten Puttenat (Stadtisten): Auch die Stadtisten waren Radentscheid-Unterstützer und haben am Beschluss mitgewirkt. Jetzt geht es darum, das auch umzusetzen und entscheidende Schritte einzuleiten. Eine einfache und sichere Radinfrastruktur wird dafür sorgen, dass das Rad mehr genutzt wird.

Reinhard König (SÖS): Die Einstellung von SÖS zum Radverkehr ist bekannt. Man darf den Radverkehr nicht nur dort planen, wo neben dem Autoverkehr noch Platz übrig ist. Auch aus bisherigen Autospuren müssen Radstreifen werden.

Dr. Carola Eckstein (SÖS) möchte für den Radverkehr mehr Platz schaffen. Es solle für alle (Rad Fuß, ÖV, Kfz) jeweils gleich viel Platz geben. Zudem ist ihr ein "Umstieg 21" wichtig, also die Abkehr von "S21". Es solle zu allen Zeiten ermöglicht werden, Fahrräder in allen öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen.

Dr. Ralph Schertlen (SchUB) möchte, dass alle rollen bzw. laufen können. Er bevorzugt Fahrradstraßen auf Nebenstraßen (ggf. mit Einbahnregelung für den Kfz-Verkehr) gegenüber Radverkehrsführungen an Hauptverkehrsstraßen. Zudem möchte er weniger Ampeln.

Deborah Köngeter (Stadtisten) möchte, dass in städtebauliche, freiräumliche und architektonische Wettbewerbe verstärkt alternative Verkehrskonzepte - auch Infrastruktur fürs Rad - integriert werden, um damit auch Stellplätze fürs Auto einzusparen und den Raum anders nutzen zu können.

Michael Och (Junge Liste) möchte in einer lebenswerten Stadt leben und meint, dass wir bis dahin noch viel vor uns haben.

Katharina Doedens (Stadtisten) hat das Ziel, den öffentlichen Raum fair zu verteilen. Stuttgart brauche eine Stadtplanung, die die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Jeder, der Fahrrad fahren möchte, solle dies sicher und komfortabel tun können.

Andreas Graf von Brühl (CDU) ist bei der heutigen Tour durch Stuttgart bewusst geworden, dass es Brennpunkte auf den Fahrradtrassen gibt, die entschärft werden müssen. Er wünscht sich mehr Verständnis von Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgänger füreinander. Konkret wünscht er sich eine Fahrradstrecke, die ausschließlich von Fahrradfahrern und Anliegern genutzt werden darf. Am besten einmal von Botnang über die Forststraße bis zum Stadtpark.

Slavica Benko (FDP) konnte dank der Tour sehen, wie praktisch Radfahren sein kann. Sie würde für den Radverkehr für mehr überdachte und sichere Parkplätze sorgen, und für bessere Infrastruktur, z.B. bei den breiteren Straßen auch breitere Wege nur für Radfahrer. In den schmalen Straßen kann sie sich vorstellen, Radfahrer in beide Richtungen und Autoverkehr nur in eine Richtung erlauben.

Einige andere Kandidaten konnten aus Termingründen nicht mitfahren, so dass es voraussichtlich noch eine zweite Tour geben wird.

© ADFC BW 2019

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