Happy Birthday: Der ADFC Baden-Württemberg ist 30 Jahre alt!

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Happy Birthday to us: Der ADFC Baden-Württemberg wird am 3. Februar 2020 30 Jahre alt!

Zu diesem Anlass haben wir einen erfahrenen ADFC-Aktiven interviewt, der sogar noch länger dabei ist. Es wird zurück geblickt, aber auch nach vorne geschaut.

30 Jahre ADFC: ein Urgestein erzählt

Cornelius Gruner sagt von sich selbst: „Ich bin ADFCler von oben bis unten“. Seit über drei Jahrzehnten begleitet der 64-Jährige den Verband als aktives Mitglied. Im Ländle kennt man ihn als Vorsitzenden des Kreisverbandes Stuttgart – oder als Tandemfahrer im Doppelpack mit seiner Frau Renate.  

1.    Wie lange engagierst Du Dich schon für den ADFC?

Seit über 30 Jahren – ich bin 1983 eingetreten. Ich war damals schon Alltagsradler, Umweltpolitik und Nachhaltigkeit waren immer meine Themen. Den Einsatz des ADFC für bessere Bedingungen für den Radverkehr fand ich unterstützenswert. Dafür wollte ich mich auch engagieren und bin daher seit 1984 im Kreisverband (damals noch Ortsgruppe) Stuttgart aktiv – in unterschiedlichen Funktionen: als Sprecher der Ortsgruppe und Ehrenvorsitzender, seit 2012 wieder im Vorstand, seit 2015 wieder Kreisverbands-Vorsitzender.

2.    Was waren und sind Deine Schwerpunkte?

Ich bin ein Vereinsmeier! Meine Aufgabe habe ich immer darin gesehen, Leute zu finden, die mit uns für unsere Sache kämpfen und sich mit uns für den Radverkehr engagieren. Wir haben natürlich immer verkehrspolitisch gearbeitet, aber auch das erste Fahrradbüro Baden-Württembergs gegründet, Fahrraddemos oder Ausstellungen organisiert. In früheren Zeiten ging es im ADFC deutlich familiärer zu, meine besten Freunde stammen noch aus dieser Zeit. Heute trifft man sich eher, um etwas zu bewegen.

3.    Wann hast Du Deine Leidenschaft fürs Radfahren entdeckt?

Schon als Kind. Ich hatte körperliche Probleme mit den Beinen und der Arzt hat meinen Eltern geraten, mich möglichst viel Radfahren zu lassen. Also habe ich deutlich früher als meine sechs Geschwister, mit acht Jahren ein eigenes Fahrrad bekommen – der Rest ergab sich von selbst. Jetzt fahre ich seit über 30 Jahren gemeinsam mit meiner Frau Tandem. Das ist unsere große Leidenschaft! Wir haben vier davon und fahren damit seit Jahren in den Urlaub.

4.    Was war Dein schönstes Fahrraderlebnis?

Oh je, da gibt es viele. Wir haben schon so viel gesehen, sind kreuz und quer durch Deutschland und viel durch die Alpen gefahren. Waren in Schweden und Norwegen… Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse war für mich aber sicherlich, als wir wirklich direkt nach der Wende mit dem Rad über Tschechien  nach (Ost-)Berlin fuhren und dort über den „Dachgeber“ übernachtet haben, den es im Osten zum ersten Mal gab. Das ist ein Verzeichnis von Radfahrern für Radfahrer auf Reisen, die sich gegenseitig kostenlos ein Dach über dem Kopf anbieten. Der Vater eines unserer Gastgeber, ein ehemaliger NVA-Offizier war ein bisschen überfordert, weil der „Feind“ plötzlich Freund war.

5.    Wie war die Situation für Radfahrer*innen in Baden-Württemberg vor 30 Jahren?

Im Bewusstsein der Bevölkerung war das Fahrrad etwas für die Freizeit – entweder als Rennrad oder für die Spazierfahrt. Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel war für die meisten außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Die Atmosphäre auf der Straße war grundsätzlich entspannter. Vielleicht weil es weniger Autoverkehr gab, aber vielleicht auch, weil die Autofahrer nicht so sehr das Gefühl hatten, dass ihnen der Platz weggenommen wird. In Stuttgart hat die damalige Bürgerinitiative AFiS (Aktion Fahrrad in Stuttgart) eine wichtige Basis für die Radverkehrspolitik gelegt.

6.    Wie hat sie sich entwickelt und was hat der ADFC dazu beigetragen?

Konzeptionell ist das Thema vorangekommen, die Politik hat sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahnen geschrieben. In der Umsetzung hinkt man leider hinterher. Das Bewusstsein hat sich deutlich hin zum Fahrrad entwickelt. Was sich leider nicht verändert, sondern eher noch verschärft hat, ist die Aggressivität im Straßenverkehr. Die bisherige Radinfrastruktur war dabei wenig hilfreich. Der ADFC ist in den Jahrzehnten zu einer Größe geworden, die gehört wird, die etwas zu sagen hat, es geht nichts mehr an ihm vorbei. Und dennoch gibt es noch einiges zu tun!

7.    Was muss passieren, damit die Situation für Alltagsradler besser wird?

Ohne eine Umverteilung der Verkehrsflächen zugunsten des Radverkehrs wird sich wenig ändern – da kann man noch so viel Geld reinbuttern. Da muss in erster Linie ein Umdenken stattfinden. Und wir brauchen natürlich eine bessere, sichere und angstfrei nutzbare Fahrradinfrastruktur. In Stuttgart hat Radfahren etwa wenig Tradition. Hier wurde alles für das Auto getan und Verkehrsfläche lässt sich nur einmal verteilen. In Städten wie Freiburg oder Karlsruhe kommt man sehr viel besser mit dem Rad durch die Stadt.

8.    Weitere 30 Jahre ADFC: Welche Rolle spielt das Radfahren in 30 Jahren?

Bei aller Zukunftsträumerei in Sachen E-Mobilität und autonomem Fahren wird sich zeigen, dass das Flächenproblem insbesondere in den Städten dadurch nicht gelöst werden kann. Das ist die Chance für das Fahrrad. Der ADFC sollte auf jeden Fall sein verkehrspolitisches Profil behalten und weiter schärfen.

© ADFC BW 2020

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