22.01.2014: Marbach/Neckar: Bau von Radweg soll dieses Jahr starten

Marbacher Zeitung vom 22. Januar 2014
von Christian Kempf

Marbach - Die aktuelle Situation ist für Pedaleure alles andere als befriedigend. Zum einen fehlt vom Eichgraben in Richtung Bottwartal überhaupt ein durchgängiger Radweg. Und die Abschnitte, die bereits vorhanden sind, haben zu allem Überfluss auch noch ihre Tücken. So geht es beispielsweise zwischen Neckarsteg und der Brücke vor dem Abzweig nach Benningen auf einem schmalen Weg direkt an der viel befahrenen Landesstraße 1100 entlang. Vor allem bei Begegnungsverkehr sind die ganzen Steuerkünste der Herren, Damen und Kinder auf zwei Rädern gefragt. Und auch die Autofahrer stöhnen, wenn die Ampel vor der Häldenmühlenabfahrt mal wieder auf Rot springt, weil ein Radler die Straße überqueren will. All diese Probleme wären mit dem neuen, von der Straße abgesetzten Radweg beseitigt, den das Land jetzt bauen will. Den ersten Abschnitt sogar schon in diesem Jahr.

Die Trasse soll auf dem bestehenden Industriegleis realisiert werden und vom Energie- und Technologiepark bis zur Oehlerkreuzung und weiter zur alten Bahnbrücke führen. Mittels dieser würde dann die L 1100 überwunden – ohne Wartezeiten für Radler oder Autofahrer heraufzubeschwören. Im späteren Verlauf trifft die Route auf den vorhandenen, gut ausgebauten Radweg in Richtung Murr und Bottwartal.

Bei der Stadt Marbach rennt das Land mit dem Projekt offene Türen ein. Die Kommune hatte sich nämlich für den Bau stark gemacht, nachdem sich immer deutlicher abzeichnete, dass die Gleise zur Erschließung des Energie- und Technologieparks nicht mehr benötigt werden. „Der Radweg wäre sowohl zur Verbesserung der Sicherheit als auch für den Tourismus wünschenswert“, erklärt der Bürgermeister Jan Trost. Er erinnert vor allem an die vielen Schüler, die dank dieser Variante gefahrlos von A nach B gelangen könnten. Man habe auch positive Signale von den Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen von den Grünen und Thomas Reusch-Frey von der SPD erhalten, dass die Umsetzung tatsächlich vonstatten gehen soll. Das Land würde die Kosten von rund 750 000 Euro sogar allein schultern. „Wir müssten also keinen Cent zahlen“, sagt Jan Trost.

Der einzige Haken könnte sein, dass das Land zunächst die entsprechenden Areale erwerben muss. Die alte Industriegleisstraße gehört nämlich einer EnBW-Tochter. Doch auch daran dürfte es nicht scheitern. „Wir gehen davon aus, dass wir noch in diesem Jahr bauen können“, erklärt Robert Hamm, Pressesprecher vom Regierungspräsidium Stuttgart. „Im Moment scheint auch nichts dagegen zu sprechen“, fügt er hinzu. „Die Verhandlungen laufen. Außerdem wird das Baurecht gerade auf den Weg gebracht“, erläutert Robert Hamm. Die Planungen sehen vor, dass die insgesamt drei Kilometer lange Strecke in zwei Bauabschnitten verwirklicht wird. Einer 2014, der nächste im kommenden Jahr. Pro Teilstück werden die Arbeiter vier bis fünf Monate beschäftigt sein. Zunächst soll der Radweg von der Oehlerkreuzung bis zur Häldenmühle gebaut werden. 2015 ist dann die restliche Route bis zum Energie- und Technologiepark an der Reihe. Der asphaltierte Rad- und Gehweg soll 2,25 Meter breit werden und von einem jeweils einen Meter breiten Schotterbankett auf beiden Seiten flankiert werden.

Die Planungen werden am Donnerstagmittag im Ausschuss für Umwelt und Technik präsentiert. Die Stadtverwaltung wird dem Gremium dann vorschlagen, dem Konzept zuzustimmen. Allerdings mit einer kleinen Änderung im Vergleich zu den Plänen des Regierungspräsidiums. Demnach wünscht sich die Kommune, den Radweg etwas zu verlängern. Das Land hätte den Weg am Schnittpunkt zwischen dem Industriegleis und der ehemaligen Trasse der Bottwartalbahn oberhalb des Klärwerks enden lassen und von dort auf dem vorhandenen Feldweg den Berg hinunter zum Stromberg-Murrtal-Radweg geführt. „Da sehen wir aber Gefahrenpotenzial“, erklärt Jan Trost. Zum Beispiel, wenn jemand hinuntersaust und mit einem Biker auf dem unten querenden Radweg ins Gehege kommt. Ferner könnten die abrupten Richtungswechsel zu Lasten der Akzeptanz gehen, fürchtet man im Rathaus. Deshalb soll die Route über ein städtisches Grundstück verlängert und ohne Umschweife zum tiefer liegenden Radweg geführt werden. „Da finden wir sicher eine Lösung“, sagt Robert Hamm vom Regierungspräsidium.

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