Marbacher Zeitung vom 7. April 2013

Von Christian Kempf

Angesichts der Wetterprognosen hatte Ute Rößner eigentlich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Und dann war es am Samstagmorgen ja tatsächlich ekelhaft kalt. Die Vorsitzende der Marbacher Sozialdemokraten musste also befürchten, dass die Resonanz auf die SPD-Radbörse eher überschaubar ausfällt. „Fast überwältigt“ zeigte sie sich deshalb, als am Ende alles ganz anders kam. Der Zuspruch war nämlich richtig gut. Rund um den Marktbrunnen herrschte mächtig Betrieb. Leute inspizierten die Räder mal mit mehr, mal mit weniger fachmännischem Blick, überprüften die Ketten, tasteten das Profil der Reifen ab, feilschten um den Preis. Das Angebot reichte vom schicken E-Bike für 300 Euro über den flotten 20-Euro Roller bis zum Oldtimer-Rennrad für 100 Euro, das schon Retro-Charme versprühte.

Die ersten Kunden seien schon vor dem eigentlichen Verkaufsstart um 9 Uhr da gewesen, berichtet Ute Rößner eine gute halbe Stunde nach dem Auftakt. „Besonders Kinderräder gehen gut“, hat sie beobachtet. Davon profitiert auch Jürgen Groß – zumindest teilweise. Der dreifache Familienvater ist mit zwei ausgedienten Rädern seiner Sprösslinge in Richtung Marktbrunnen aufgebrochen. Für eines davon hat er schnell einen Abnehmer gefunden. Das andere erweist sich „ein bisschen als Ladenhüter“, wie der Marbacher feststellt. Er nimmt diesen Umstand aber mit Humor und reduziert nach einer Stunde eben den Preis von 70 auf 60 Euro. Verschleudern will er das Rad aber auf keinen Fall.

Bei der Marbacher Börse sieht er als Vorteil, dass den Verkäufern der Reinerlös bleibt. Das werde meist nicht so gehandhabt, erklärt er. Andernorts müsse man in der Regel zehn Prozent an den Ausrichter abführen. Allerdings sei das Angebot dann doch noch einmal größer als in der Schillerstadt. Zudem müsse man den Verkauf nicht komplett selbst abwickeln. „Aber das hier ist eine gute Einrichtung. Und es macht mir Spaß, die Räder zu verkaufen“, sagt er.

Üblicherweise ist bei der Radbörse, die jetzt bereits in die 16. Runde ging, auch die Firma Nägele mit einem eigenen Stand vertreten. Doch dieses Mal habe es „terminliche Überschneidungen gegeben“, wie Ute Rößner erklärt. Der Marbacher Radfachhändler war bei der Auto- und Motorradausstellung am Leiselstein präsent, die am selben Wochenende stattfand. Dafür hatte wie gewohnt der ADFC Marbach ein kleines, offenes Zelt aufgebaut. Hier verteilten Mitglieder Broschüren über Touren und informierten über die Aktivitäten der Ortsgruppe. Außerdem wurde das Angebot unterbreitet, sein Rad codieren zu lassen – damit die Diebe künftig die Finger davon lassen.

© ADFC BW 2020