Marbacher Zeitung vom 16.03.2012

Von Karin Götz

Für Radfahrer hat sich viel getan

Im Jahr 2000 hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Kreisverband Ludwigsburg im Auftrag der Stadtverwaltung, die Situation des Radverkehrs in der Schillerstadt untersucht und ein Radwegenetz erarbeitet. Seitdem, so die Ansicht der Grünen im Gemeinderat, sei jedoch wenig passiert. Lediglich ein Schutzstreifen für Mischverkehr auf der Erdmannhäuser Straße sei eingerichtet worden. „Das Geld für das Gutachten muss nun Früchte tragen“, heißt es in einem Antrag. Es sei nicht für den Papierkorb beziehungsweise die Schublade erstellt worden.

Ein Vorwurf, den Bürgermeister Herbert Pötzsch zu Beginn der Diskussion am Donnerstag im technischen Ausschuss verärgert zurückwies. Man lasse sich nicht gern sagen, man habe nichts gemacht – zumal dies nicht zutreffe. Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling erklärte, er sei anfangs irritiert, dann verärgert, aber letztlich froh über den Antrag gewesen. Denn wenn es schon im Gremium nicht bewusst sei, was alles umgesetzt wurde, dann sei es auch in der Bevölkerung nicht präsent. „Und jetzt haben wir eine gute Plattform, um alles rekapitulieren zu können.“ Die Umsetzung der im Gutachten aufgeführten Vorschläge seien sofort angegangen worden. Sämtliche Maßnahmen, die allein in der Zuständigkeit der Stadt gelegen haben, sind laut Seiberling abgearbeitet. Dennoch gebe es noch Schwachstellen. „Aber da liegt es nicht in unserer Hand.“

So sei es beispielsweise nicht gelungen, kurze Verbindungen entlang der Hauptverkehrsachsen zu schaffen. Besonders die Verbindung vom Hörnle über Marbach Süd in Richtung Bahnhof sei ein Problem. „Derzeit können wir nichts tun, was mit den gesetzlichen Auflagen in Einklang ist“, sagte Seiberling. Ein separater Radweg oder ein Schutzstreifen lasse sich aufgrund der Straßenbreite und der vorhandenen Parkplätze nicht verwirklichen. Nur durch den Verzicht der Parkplätze und einen größeren Umbau der Straße würde eine Lösung möglich. Ein Antrag auf Tempo 30 wurde im Jahr 2009 vom Landratsamt Ludwigsburg abgelehnt. Nichtsdestotrotz werde die Güntterstraße auch in der nächsten Verkehrsschau Thema sein.

Ganz angetan von der Fülle der umgesetzten Projekte zeigte sich auch die Vorsitzende des örtlichen ADFC, Waltraud Häfner. „Ich war ehrlich auch erstaunt, was wir alles umgesetzt haben. Das muss man sich einfach bewusst machen“, sagte sie in der Sitzung. Etwas ärgerlich sei jedoch, dass das Thema Beschilderung nicht vorangehe. Zur Erklärung: Das Landratsamt hatte die Kommunen im Kreis aufgefordert, zur Optimierung des Ist-Zustandes ein Beschilderungskonzept auszuarbeiten. „Das Landratsamt hat uns Druck gemacht, und jetzt liegt das Ganze schon ein Dreivierteljahr dort“, monierte Häfner.

Trotz dieser Kritik zeigten sich alle im Gremium angetan, ob der Fülle der in den vergangenen Jahren umgesetzten Maßnahmen. Auch die Grünen. „An uns ist herangetragen worden, dass nichts passiert“, rechtfertigte Jürgen Waser dennoch den Antrag. „Vielleicht ist es der richtige Moment, das Bewusstsein der Leute zu schärfen.“ Dennoch würden noch wichtige Dinge fehlen – etwa die Verbindung vom Hörnle zum Bahnhof. 

© ADFC BW 2020