19.05.17: Fahrradklima-Test 2016: Mannheim etwas über Bundesdurchschnitt

Im siebten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat sich Mannheim mit einer Schulnote von 3,85 gegenüber dem allgemeinen Trend geringfügig verbessert (2014: 3,92) und erreicht Rang 15 (Platz 19 in 2014) unter 39 deutschen Großstädten mit über 200.000 Einwohnern. Städte wie Karlsruhe (Note 3,09) und Freiburg (Note 3,28), die sich schon länger um eine fahrradfreundliche Stadtgestaltung bemühen, können die Früchte ihrer Arbeit ernten und sich wieder über die Plätze 2 und 3 in dieser Kategorie freuen. Der Abonnementssieger Münster büßte seinen bisher deutlichen Vorsprung ein und teilt sich mit der Note 3,07 eigentlich den ersten Platz mit Karlsruhe. Auch insgesamt gesehen hat sich das Fahrradklima – also die wahrgenommene Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte und Gemeinden – seit der letzten Umfrage 2014 leicht verschlechtert. Der Mittelwert der Großstädte liegt jetzt bei 3,94.

Der ADFC stellte im Herbst 2016 27 Fragen zum Thema: Wie fahrradfreundlich ist ihre Stadt? und rief zur Beurteilung mit Schulnoten von 1 bis 6 auf. Über 120.000 Menschen aus allen Altersgruppen haben bundesweit an der Befragung teilgenommen und 539 Städte bewertet. Für Mannheim gingen 532 Fragebogen ein, etwa 230 weniger als in 2014. In fast allen Fragen und der Gesamtnote lag Mannheim sehr nahe am Bundesdurchschnitt, lediglich bei einigen Fragen besteht eine signifikante Abweichung von über 0,2 Notenpunkte zum Bundesdurchschnitt.

Deutlich verbessert hat sich für Mannheim die Note für den öffentlichen Fahrradverleih mit 2,0 (4,1 für 2014): wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, das VRN-NextBike Fahrrad­vermietsystem für Mannheim und weitere Orte der Region kommt richtig gut an.

Einen kleineren Schritt nach vorn machte Mannheim bei „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ und lag mit der Note 3,2 signifikant über dem Bundesdurchschnitt von 3,8 und dem eigenen Wert von 3,4 (2014). Hier machen sich nach Meinung von Dr. Gerd Hüttmann, Sprecher des ADFC Kreisverbands Mannheim die im „21 Punkte-Programm zur Radverkehrsförderung“ vorgesehenen Maßnahmen wie Fahrradstreifen in der Innenstadt (zur Umfragezeit schon gebaut: Friedrichsring, Friedrichsplatz, erst nach Umfrage fertig: Bismarckstraße) jetzt positiv bemerkbar.


Die  Öffentlichkeitsarbeit wie der Radsalon, die „monnem-bike“ Internetseite und natürlich auch die Radparade sowie die Teilnahme am Projekt RadKULTUR Baden-Württemberg ergaben eine signifikante Verbesserung auf Note 3,4 (3,7 in 2014) für Radverkehrswerbung gegenüber dem Wert 3,9 im Bundesdurchschnitt.

Eine „Drei plus“ gab es mit der Note 2,6 für die Öffnung von Einbahnstraßen (2,8 in 2014, Bundesdurchschnitt 2,8). Weitere Verbesserungen wurden für die Fahrradmitnahme in Bahn und Bus gesehen (3,3 statt 3,6 in 2014, Bundesdurchschnitt 3,9) und für die Wegweisung (3,3 statt 3,5 in 2014), obwohl diese bislang nur für die Stadtteile südlich des Neckar ausgeführt wurde.

Auch im Winterdienst auf Radwegen liegt Mannheim mit der Note von 3,9 über dem Bundesdurchschnitt von 4,4. Damit bestätigt sich positiv, dass im Winterdienst der Stadtreinigung auch wichtige Radwegeverbindungen auf der Prioritätsliste stehen. Wenn auch hier immer Wünsche offen bleiben werden, sollte die Note „ausreichend“ ein Ansporn für weitere Verbesserungen sein.

Das Falschparken auf Radwegen sehen die Radfahrenden in Mannheim weiterhin als ein Problem und vergaben die Note 5,1 (signifikant schlechter als der durchschnittliche Wert von 4,8) und auch an Baustellen fühlen sie sich mit der Note 4,9 weiterhin mehr beeinträchtigt als Radfahrende anderswo (4,7). Die wiederholt schlechten Umfragewerte in diesen beiden Fragen sind für Hüttmann besonders bedeutsam. Sie spiegeln die täglichen Ärgernisse der Radfahrenden wieder, sind unfallträchtig und verderben den Spaß am Radeln – Mannheim verlor hier deutliche 0,3 Noten und liegt jetzt bei 3,8 (Bundesdurchschnitt 3,5).

Diese Probleme könnten ohne aufwendige Maßnahmen behoben werden. Während die Infrastruktur wie die Breite von vorhandenen Wegen und die Schaltung von Ampeln nur schwer und mitunter gar nicht verbessert werden kann, muss man Falschparker und schlampige Baustelleneinrichtung nicht tolerieren. Der Spitzenreiter Münster weiß wohl, wie das geht und bekommt dies mit der Note 3,6 für die Baustellen und bei Falschparkern bestätigt. Auch im Hinblick auf das Fahrradjubiläum 2017 fordert Gerd Hüttmann Ordnungsdienst und Verwaltung auf, sich diese Missstände nicht länger bieten zu lassen und hofft auf die Unterstützung durch den Gemeinderat.

Im Vergleich zu 2014 wurden die anderen Fragen von den Radfahrenden nicht signifikant anderes bewertet.  Radfahrende fühlen sich weiterhin unsicher (4,3), kritisieren die Ampelschaltungen (4,7) und die Breite der Radwege (4,5).

Mannheim hat sich 2009 mit einem 21-Punkte-Programm auf den Weg zu einer fahrradfreundlicheren Stadt gemacht. Die durchgeführten und geplanten Verbesserungen sind richtig und wichtig, kommen aber nur zur Wirkung, wenn sich das Fahrrad- und Verkehrsklima insgesamt verbessert. Mannheim kam auch bei den letzten drei Umfragen über die Note 3,6 als Mittelwert aus den fünf diesbezüglichen Fragen nicht hinaus. Da ist noch Potenzial für Verbesserung, wie Freiburg (2,7), Karlsruhe (2,7) und Münster (2,6) zeigen.

Der ADFC ist sicher, dass durch die weitere Umsetzung des 21-Punkte-Programms auch für Mannheim künftig bessere Bewertungen erreichbar sind. Für dieses Jahr wurde von der Stadt Mannheim u. a. die Einführung von weiteren Fahrradstraßen vorgenommen bzw. angekündigt.

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 160.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Der ADFC-Kreisverband Mannheim setzte sich insbesondere für den Umbau der Bismarckstraße und die Einrichtung von Fahrradstraßen ein. Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 und bundesweite Trends finden Sie auf www.adfc.de/presse.

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