10.03.11: Wie wichtig ist das Fahrrad für die Landtagskandidaten?

Presseinfo

Mannheim. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Baden-Württemberg befragte die Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien über ihre Vorstellungen zur Förderung des Radverkehrs. In Mannheim wurde der Kreis etwas weiter gezogen – Bewerber der im Gemeinderat vertretenen Parteien erhielten einen Fragebogen.

Der ADFC Mannheim stellt die ausgefüllten Fragebogen und tabellarische Zusammenfassungen für die beiden Wahlkreise Mannheim I und II auf seiner Internetseite zur Verfügung und lädt die Wählerinnen und Wähler dazu ein, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ein zusätzlicher Vergleich der Wahlprogramme wird auf der Seite des ADFC Landesverbandes geboten.

Immer mehr Städte erkennen das große Potenzial des Radverkehrs und ergreifen Maßnahmen, um das Radfahren attraktiver zu machen. Ein gutes Radverkehrsnetz braucht eine sinnvolle Wegeführung, hochwertiges Fahrwegmaterial und eine lückenlose Wegweisung. Die Kombination von Rad und Bahn ist praktisch und umweltfreundlich. Das alles kostet Geld und ist ohne eine klare politische Vorgabe nicht realisierbar. Mehr Radverkehr bedeutet auch mehr Umweltschutz und Lebensqualität, das sehen auch alle befragten Mannheimer Kandidatinnen und Kandidaten so.

Deutliche Unterschiede findet man bei den Aussagen, womit die Kandidaten im Falle einer Wahl für den Radverkehr eintreten wollen. Hier gibt es Antworten, die konkrete Handlungsfelder benennen. Andere Antworten bestehen lediglich aus der Zusage, für das Radfahren einzutreten und zu werben.

Unterschiedliche Bilanzen finden sich auch bei der Nachfrage, was bereits für den Radverkehr getan werden konnte. Hier gibt es Kandidaten, die noch nicht lange aktiv sind und daher noch nichts vorweisen können. Andere können Radverkehrsunterstützung in letzter Zeit benennen. Schließlich gibt es Bewerber, die mit vielen Anträgen und Überzeugungsarbeit im Gemeinderat die jetzt einsetzende positive Entwicklung in Mannheim über Jahre vorbereitet haben.      

Alle Kandidaten waren bereit, zumindest 10 % des Verkehrsetats für die Förderung des Radverkehrs ausgeben zu wollen – entsprechend dem derzeitigen Anteil der Fahrradnutzung. Da ein Radverkehrsanteil von 20 % angestrebt wird, waren einige auch bereit, den entsprechenden Anteil von 20 % zu vertreten.     

Die Vorgaben der Landesbauordnung zu Fahrradstellplätzen für neu zu bauende Gebäude halten die Bewerber der jetzigen Regierungsparteinen für ausreichend und überlassen es damit den Gemeinden, eventuell Mindestanforderungen für Mehrfamilienhäuser zu definieren. Die anderen Bewerber plädieren für eine weiterreichende Vorgaben im Landesrecht, wie sie etwa in den Handlungsempfehlungen des Rundes Tisch Radverkehr Baden-Württemberg vorgesehen sind.

Um Antworten zu konkreten Beispielen bieten zu können, wurde nach der bereits beschlossenen Freigabe der Mannheimer Fußgängerzone (Planken/Breite Straße) über Nacht bzw. die punktuelle Querung und dem Plan eines Radweges/ Radfahrstreifens in der Bismarckstraße gefragt. Hinsichtlich der Fußgängerzone sind sich alle einig: die auf ein Jahr probeweise vorgesehene Regelung wird sich bewähren und könnte dann wohl auch noch etwas erweitert werden.

Es besteht auch Einigkeit darüber, dass die Situation für Radfahrende auf der Bismarckstraße derzeit völlig unbefriedigend ist. In der Frage, ob eine Verbesserung für Radfahrende mitgetragen werden würde, wenn dazu die allgemeine Fahrbahn von drei auf zwei Fahrspuren reduziert werden müsste, scheiden sich allerdings die Geister und lassen intensive Debatten im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) erwarten.

Zur Information die Liste befragten Kandidatinnen und Kandidaten. Die Reihenfolge richtet sich nach der amtlichen Kandidatenliste:

Wahlkreis 35 - Mannheim I
(Stadtbezirke Käfertal, Neckarstadt-Ost/Wohlgelegen, Neckarstadt-West, Sandhofen, Schönau, Vogelstang, Waldhof und Wallstadt)

Vollständige Antworten als Tabelle

Nikolas Löbel (CDU): keine Antwort
Dr. Stefan Fulst-Blei (SPD)
Gerhard Fontagnier (GRÜNE)
Oguzhan Genis (FDP)
Roland Schuster (DIE LINKE)
Roland Weiß (Einzelbewerber)


Wahlkreis 36 - Mannheim II
(Stadtbezirke Friedrichsfeld, /Jungbusch, Lindenhof, Neckarau, Neuostheim/Neuhermsheim, Rheinau, Schwetzingerstadt/Oststadt, Seckenheim und Feudenheim)

Vollständige Antworten als Tabelle:

Claudius Kranz (CDU)
Helen Heberer (SPD)
Wolfgang Raufelder (GRÜNE)
Florian Kußmann (FDP)
Jutta Graf-Baier (DIE LINKE)
Ludger Fest (oedp)

Anmerkung: der Kandidat Ludger Fest (oedp) war nicht auf der Liste der Befragten und erhielt deshalb keinen Fragebogen. Er beschaffte sich den Fragenbogen aus dem Internet und reichte ihn aus eigener Initiative fristgerecht ein.

 

 

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