Sindelfingen: Rücksichtslose Falschparker gefährden Fußgänger und Radfahrer

Verkehrspolitik

Es sind nicht die Radbügel, die Probleme und Ärger bereiten, sondern die zunehmende Zahl jener Zeitgenossen, die schwächere Verkehrsteilnehmer rücksichtslos behindern und gefährden. Manch Ladenbesitzer hält es zwar für gefährlich in der Ziegelstraße mit dem Rad zu fahren, schaut aber großzügig darüber hinweg, wenn zu Fuß gehende Kunden durch Falschparker auf die Fahrbahn gezwungen und gefährdet werden.

Der Fahrer dieses PKW's parkt nicht etwa gerade ein, sondern er kommt aus der Apotheke zurück.

Warum gibt es wegen der Radbügel in der Ziegelstraße eigentlich solch eine Aufregung? Die Situation dort ist doch vollkommen klar! Für Fahrzeuge gibt eine Fahrbahn, auf der mit maximal 30 km/h gefahren werden darf. Zum Halten und Parken befinden sich Parkbuchten auf der linken Fahrbahnseite. Fahrräder gelten in der StVO als Fahrzeuge, sodass Menschen auf Fahrrädern grundsätzlich auch in der Ziegelstraße die Fahrbahn benutzen müssen. Insbesondere auch LKW- und Busfahrer mit ihrer erweiterten Fahrausbildung haben dies zu respektieren, entsprechend Rücksicht zu nehmen und niemanden zu gefährden. Beidseitig der Straße be-findet sich je ein Gehweg, welcher Menschen die zu Fuß unterwegs sind, den nötigen Sicherheitsraum gewährleistet. Einen Radweg, der durch die jetzt angebrachten Radbügel verschmälert werden könnte, gibt es in der Ziegelstraße nicht!

Wie nochmal war die Bedeutung dieses Verkehrszeichens?

Allerdings hat die Stadtverwaltung die Möglichkeit genutzt und den rechten Gehweg für die Benutzung mit dem Fahrrad freigegeben. Somit ist es z.B. auch Kindern über 10 Jahren, nicht ganz so geübten oder älteren Radfahrern gestattet, den Gehweg zu benutzen. Fuß-gänger haben dort trotzdem absoluten Vorrang und die Radfahrer haben Schrittgeschwindigkeit einzuhalten. Es will ja schließlich niemand, dass sportliche Radler mit 25 km/h an Fußgängern oder dicht vor den Ladeneingängen vorbeibrettern. Diese und alle anderen Fahrzeugführer haben die Fahrbahn zu benutzen, was das Halten und Parken auf den Gehwegen somit eindeutig ausschließt und zu einer Ordnungswidrigkeit macht. Die Stadt Sindelfingen hat wahrlich schon sehr viel Geld investiert und sich hohe Folgekosten eingehandelt, damit im Stadtzentrum bequem geparkt werden kann. Da ist es nicht einzusehen, dass Autofahrer, die sich für besonders clever halten, auch noch kostenlos die Gehwege zuparken dürfen.

Da auch Zulieferer, Paketdienste und Taxis beim Halten und Parken keinerlei Sonderrechte haben, macht es tatsächlich Sinn darüber nachzudenken, die Parkbuchten auf der linken Straßenseite nur für diese und für Menschen, die beim Gehen eingeschränkt sind, freizuhalten. Allen anderen ist der kurze Weg in die Tiefgaragen zuzumuten. Ein paar Pflanzenbehälter zwischen die übrigen Haltebuchten gestellt, würden die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Da die Haltever-botsschilder auf der rechten Gehwegseite offen-sichtlich nicht ausreichen, um das nicht legale Parken zu unterbinden, hat die Stadt kaum eine andere Möglichkeit als noch weitere Bügel anzubringen. Wenn ab und zu einer davon umgefahren wird, sollten wir froh sein, dass es nur einen Fahrradbügel getroffen hat und dass kein Kind auf seinem Laufrad übersehen wurde.

Passanten werden gezwungen wegen Falschparkern auf die Fahrbahn auszuweichen.

Mein Fazit: Es sind nicht die Bügel, die Probleme und Ärger bereiten, sondern die zunehmende Zahl jener Zeit-genossen, die schwächere Verkehrsteilnehmer rück-sichtslos behindern und gefährden. Mehr Gemeinsinn und weniger Egoismus auf der Straße würde das Stadtklima nicht nur in der Ziegelstraße deutlich verbessern.

Roland Schmitt

ADFC Böblingen-Sindelfingen

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