Sicherheitsgefühl von Radfahrenden immer schlechter

Presseinfo

Zufriedenheits-Index der Radfahrenden stellt Kommunen im Land mieses Zeugnis aus!

Die Freude und das Sicherheitsgefühl beim Radfahren haben sich deutschlandweit und in Baden-Württemberg verschlechtert. Das ist das ernüchternde Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests 2018, der weltweit größten Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrerinnen und Radfahrer. Der Fahrradclub ADFC startet deshalb eine bundesweite Kampagne #MehrPlatzFürsRad und fordert radikal mehr Platz und Qualität für den Radverkehr.

ADFC-Landesvorsitzende Gudrun Zühlke sagt: „Die Radfahrenden im Land stellen den Kommunen in Sachen Fahrradfreundlichkeit ein mieses Zeugnis aus. Reihenweise Note 4 und 5 zeigen, dass die Menschen im Land das Gefühl haben, dass für den Radverkehr nicht genug getan wird und sie als Verkehrsteilnehmer nicht ernst genommen werden. V.a. fühlen sie sich nicht sicher beim Radfahren, von der schlechten und lückenhaften Radinfrastruktur ausgebremst und von anderen Verkehrsteilnehmern behindert und bedrängt.“

 Gesamtnote fürs Fahrradklima immer schlechter

Das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Befragten beim Radfahren, hat sich nach Einschätzung von mehr als 21.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ADFC-Umfrage in Baden-Württemberg weiter verschlechtert. 2014 wurde das Fahrradklima im Land noch mit 3,7 bewertet, 2016 mit 3,8 – 2018 mit 3,9. Zühlke: „Der Spaß am Radfahren nimmt kontinuierlich ab! So wird Baden-Württemberg nicht zum Fahrradland!“

Selbst die Sieger- und Aufsteiger-Kommunen sind keine echten Vorzeige-Fahrradstädte. Karlsruhe, als Sieger der Befragung in der Städtekategorie 200.000 bis 500.000 Einwohner, hat sich seit der letzten Befragung nicht weiterentwickelt (Bewertung: 3,15) und den ersten Platz nur erobert, weil sich Münster und Freiburg in der Bewertung verschlechtert haben. Konstanz und Emmendingen haben sich zwar deutlich verbessert und gehören damit zu den Aufholer-Städten im Fahrradklima-Test, zeichnen sich jedoch auch nur mit einer befriedigenden Note (Konstanz: 3,1; Emmendingen: 3,5) aus.

Zühlke: „Besonders erschütternd ist, dass mit Kirchheim/Teck und Lörrach zwei Städte eine deutliche Verschlechterung zur letzten Befragung aufweisen, die die Landesauszeichnung als „fahrradfreundliche Kommune“ tragen.“

 Alarmierend: Radfahrende fühlen sich nicht sicher

Besonders besorgniserregend ist der Trend, dass die Menschen im Land sich immer unsicherer beim Radfahren fühlen (Note 4,1 gegenüber Note 3,9 in 2014). Zühlke: „Das fehlende Sicherheitsgefühl kommt von schlechten oder zu schmalen Radwegen und der Nähe zum schnellem Autoverkehr. Mit dieser grottenschlechten und meist lückenhaften Radinfrastruktur erreichen wir die 60% der Bevölkerung nicht, die sich vorstellen könnte das Fahrrad häufiger zu nutzen, aber dies nur tut, wenn sie sich dabei sicher fühlen.“

Größte Probleme:
Falschparker auf Radwegen, Wegebreite, Nähe zum Autoverkehr & Familienunfreundlichkeit

Die Probleme für Radfahrende im Land sind vielzählig. Der zu lasche Umgang mit Falschparkern ist mittlerweile das von Radfahrerinnen und Radfahrern am meisten bemängelte Thema (Note 4,7). Besonders unzufrieden sind die Radfahrenden auch mit der schlechten Führung des Radverkehrs an Baustellen (Note 4,7). Ebenfalls sehr schlecht bewertet werden ungünstige Ampelschaltungen für Radfahrer (Note 4,5) und die fehlende Breite der Radwege (Note 4,5).

Zudem sagen 74 Prozent aller Befragten in Deutschland, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein mit dem Rad fahren lassen kann. In den Großstädten sind es sogar 85 Prozent. 81 Prozent der Befragten des ADFC-Fahrradklima-Tests 2018 ist es wichtig oder sehr wichtig, vom Autoverkehr getrennt zu sein – unter den Frauen sind es sogar 86 Prozent.

Michael Obert, Baubürgermeister a.D. der Stadt Karlsruhe und Vorsitzender a.D. der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg, sagt: „Nach den ersten Erfolgen müssen unsere Städte die nächste "Raketenstufe" zünden. Die Infrastruktur muss dem steigenden Radverkehr zügig angepasst und die Schlagzahl hierbei deutlich erhöht werden. Nicht nur das Konfliktpotenzial Auto‑Rad, sondern auch die Konflikte Fußgänger‑Rad müssen entschärft werden.“

ADFC fordert #MehrPlatzFürsRad

Das Unsicherheitsgefühl der Radfahrenden und die Unzufriedenheit mit der Rad-Infrastruktur sind nach Überzeugung des ADFC der zentrale Grund, warum der Radverkehr im Land nicht – wie politisch gewünscht – deutlich anwächst. Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr in Baden-Württemberg liegt aktuell bei 10 Prozent (bundesweit 11 Prozent), möglich und sinnvoll wären 30 Prozent, wie in den Niederlanden. Doch dafür ist es nach Auffassung des ADFC zwingend nötig, dem Radverkehr viel mehr Platz im Straßenraum zu verschaffen. Mit der bundesweiten Mitmach-Kampagne #MehrPlatzFürsRad macht der ADFC ab sofort auf diese Forderung aufmerksam. Mehr Informationen auf www.mehrplatzfuersrad.de.

Einzelergebnisse aller Kommunen im Test: www.fahrradklima-test.de/
 

Pressemitteilung: Sicherheitsgefühl von Radfahrern immer schlechter

Hintergrundinformationen zum ADFC-Fahrradklima-Test

Kernaussagen zum Fahrradklima-Test

    

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