Internationaler Tag des Fahrrads - Mehr Sicherheit für Radfahrer

Verkehrspolitik

Mit einer ungewöhnlichen Aktion  verdeutlichte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Göppingen (ADFC) den notwendigen Mindestabstand beim Überholen am Montag (3. Juni), dem  Internationalen Tag des Fahrrads.

Autofahrer dürfen Radfahrer viel seltener überholen als sie denken. Wer einen Radfahrer überholt, muss mindestens 1,5 Meter Seitenabstand halten - oder eben warten.

Aber wie läßt sich ein Abstand von 1,5 Metern veranschaulichen ? Dies demonstrierten ADFC-Mitglieder am Montagabend in der Göppinger Innenstadt mit Hilfe von so genannten Pool-Nudeln, die normalerweise für Schwimmübungen im Wasser verwendet werden. Quer am Fahrrad befestigt entsprechen die 1,50 Meter langen Nudeln exakt dem geforderten Sicherheitsabstand.

Diesen Abstand beachten Autofahrer - wenn überhaupt - meist nur, wenn die Radfahrer direkt auf der Straße und nicht auf einem Radfahrstreifen unterwegs sind.

Dieses Verhalten ist aber laut einem von der Unfallforschung der Versicherer in Auftrag  gegebenen aktuellen Gutachten des Verkehrsprofessors Dieter Müller nicht rechtskonform. Der Abstand gelte immer, „unabhängig von der angeordneten Art der Radverkehrsführung“ – also auch, wenn Radfahrer auf einem Radweg oder Schutzstreifen fahren. Kann der Abstand nicht eingehalten werden, gelte „faktisches Überholverbot“.

Eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zeigt, dass 50% aller Autofahrten kürzer als 5 km und 25% aller Fahrten sogar kürzer als 2 km sind (Studie Mobilität in Deutschland – MiD – 2018).

Abgesehen von den Radlern, die immer fahren und jenen Menschen, die grundsätzlich nichts aufs Rad steigen, wären ca. 60 % der Menschen bereit, Kurzstrecken auch im Alltag mit dem Rad zurückzulegen.

Allerdings fühlen sich viele Menschen auf den Straßen als Radler nicht sicher. Der ADFC hält den Überholabstand nicht für eine Nebensächlichkeit, sondern für den Hauptgrund, warum viele Menschen Angst davor haben, im Mischverkehr mit dem Kraftfahrzeugverkehr Rad zu fahren. Im besseren Fall suchen sie sich Wege abseits der Straßen und nehmen Umwege in Kauf, im schlechteren Fall nutzen sie Gehwege oder fahren gar nicht mit dem Rad ...

In unserem dicht besiedelten Kulturraum und unseren Städten wird das Fahrrad als Verkehrsmittel immer wichtiger. Angesichts des Umwelt- und Verkehrskollapses will die Politik die Verkehrswende voranbringen - auf Kurzstrecken weg vom Auto hin zum Fahrrad.

Soll dies gelingen, muss die Sicherheit beim Radfahren deutlich verbessert werden.

Der ADFC Göppingen fordert daher den Landkreis und die Kommunen dazu auf, eine Kampagne für mehr Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrenden zu starten."

Soweit unsere Pressemitteilung, die wir an besagtem Montag den anwesenden Pressevertretern auch aushändigten.

Was dann besonders erfreulich war: in dem ausführlichen Pressebericht stellten die zuständigen Redakteure für die Stadt Göppingen den Zusammenhang zu den Ergebnissen des Klimatestes her: "Fahren im Mischverkehr mit Kfz: 4,1".

 Es gibt also viel zu tun für die Sicherheit der Radler*innen !!!

(Bärbel Vogl, Thomas Gotthardt, Dirk Messer), ADFC Göppingen

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