Hauptradroute 2 von Stuttgart-Ost über Wangen nach Hedelfingen – der ADFC Stuttgart macht den Routencheck

Verkehrspolitik

Schon lange gibt es im Gemeinderat unterschiedliche Auffassungen über den besten Verlauf der Hauptradroute 2. Etwa die Hälfte der Stadträte möchte wie die Stadtverwaltung, dass die Route über die Ulmer Straße und Hedelfinger Straße eingerichtet wird. Dazu müssten Radfahrstreifen markiert werden, wofür zum Teil Stellplätze aufgegeben werden müssten. Das gefällt der anderen Hälfte der Gemeinderäte überhaupt nicht, daher wollen sie, dass stattdessen als Alternativroute die bestehende ruhige Verbindung über die Nähterstraße, Höhbergstraße und weitere Wege ausgewiesen wird.

Dem ADFC Stuttgart gelang es, Vertreter der verschiedenen Seiten zusammenzubringen und einen "Routencheck" zu veranstalten, bei dem beide Varianten mit dem Rad befahren wurden. Neben Baubürgermeister Peter Pätzold nahmen Vertreter der meisten Gemeinderats-Fraktionen teil. Einige Teilnehmer schienen bei dieser Tour die Strecke zum ersten Mal zu befahren und waren bezüglich der Steigung auf der Alternativroute hinter dem OBI-Areal überrascht. Als "Alternative zur Alternative" gibt es hier noch den für Radfahrer freigegebenen Gehweg an der Hedelfinger Straße. Ein Vertreter der Stadtverwaltung erklärte jedoch, dass dieser als Hauptradroute ungeeignet ist.

An der Hedelfinger Straße zeigte sich, dass es noch Optimierungsmöglichkeiten an den bisherigen Plänen gibt: Zum Teil gibt es entlang der Stadtbahn noch Grünstreifen, die in die Verkehrsfläche mit einbezogen werden könnten. Damit wäre es möglich, Parkstände und einen Radstreifen unterzubringen, ohne dass dieser zu schmal würde. An einem anderen Abschnitt gilt unter der Woche tagsüber Tempo 30 wegen einer nahen Schule. Hier kann geprüft werden, ob diese Regelung erweitert werden kann. Dann würden die Radfahrer in diesem Bereich im Mischverkehr fahren, was durch Piktogramme auf der Fahrbahn verdeutlicht werden könne. In der Ortsmitte von Wangen wurde das Problem angesprochen, dass es nicht gelungen ist, den Durchgangsverkehr auf die Inselstraße und Wasenstraße zu verlagern und immer noch zu viele Autos durch die "innere" Ulmer Straße fahren.

Am Ende wurden die Teilnehmer nach ihrer Meinung befragt. Bürgermeister Pätzold stellte nochmals klar, dass die Verwaltung derzeit noch dabei ist, die Pläne zu optimieren. Die Steigungsstrecke hinter OBI sei keine Alternative. Beate Bulle-Schmid von der CDU-Fraktion sagte, dass man noch prüfen müsse, was für Möglichkeiten es im Bereich der Steigungsstrecke gebe. Man warte die erneuten Vorschläge der Verwaltung ab und entscheide dann. Christine Lehmann von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erklärte, dass sie Hauptstraßen radle, wenn sie sich irgendwo nicht so gut auskenne, deshalb müssten Hauptstraßen als schnellste Verbindung zwischen Ortsteilen Radstreifen oder Radwege haben. Es nütze auch Autofahrern, wenn sie nicht hinter Radfahrern festhängen. Die Alternativstrecke sei als Hauptradroute nicht geeignet, weil es keine soziale Sicherheit gebe, daran ändere auch eine Beleuchtung nichts. Martin Körner von der SPD-Fraktion: "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust". Einerseits sei es an der Alternativroute ruhig und grün, andererseits muss eine Hauptradroute möglichst eben dort verlaufen, wo die Ziele der Radfahrer sind. Nach dem Ergebnis der Prüfung durch die Stadtverwaltung werde entschieden. Für die Fraktion SÖS-Linke-PluS kam stellvertretend Wolfgang Kämmerer, Bezirksbeirat in Stuttgart-Süd, zu Wort. Die Route müsse vor allem flach sein. Würde er in Wangen wohnen, würde er eine Initiative "Wangen laufd nai" gründen, um den Autoverkehr aus dem Ortskern zu bekommen. Sibel Yüksel von der FDP findet die Alternativroute bei Nacht nicht gut. Ihre private Meinung sei, dass die Hauptradroute an die Hauptverkehrsstraße gehöre. Jedoch gebe es in ihrer Gruppierung noch keine einheitliche Meinung dazu. Einzelstadtrat Ralph Schertlen von den Stadtisten findet aufgrund der vielen Ampeln an den Hauptverkehrsstraßen die Alternativroute besser, was allerdings nicht für die Steigung bei OBI gelte. Er würde die Nähterstraße außerorts mit Beleuchtung und einem besseren Belag versehen, aber im Hedelfinger Bereich die Route an der Hauptverkehrsstraße realisieren.

Der ADFC Stuttgart zieht das Fazit, dass die Route an den Hauptverkehrsstraßen dringend zu realisieren ist, außerdem sollten über das bisherige Tempo 30 hinaus Maßnahmen ergriffen werden, den Durchgangs-Kfz-Verkehr aus der Ortsmitte Wangens herauszuhalten. Die Nähterstraße und Höhbergstraße könnten ohne den steilen Abschnitt beim OBI als Freizeitvariante zusätzlich beschildert werden, zudem sollten dort die Belagsschäden beseitigt werden.

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