Fahrradbrücke: „… viel Wasser den Rhein runter“

Verkehrspolitik

Manche Dinge dauern lange. Im Badischen gibt es einen Satz, der dies bildlich beschreibt: „Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter“.

Als im Jahr 1969 im Staatsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich festgehalten wurde, dass die Staustufe bei Iffezheim dem „allgemeinen Verkehr“ dienen solle, schien die Sachlage eindeutig. Doch dann folgte die Maut auf deutschen Autobahnen. Das verursachte Ausweichverkehr, denn französische Straßen sind bis Straßburg mautfrei. Und ab 2009 waren plötzlich Fußgänger und Radfahrende nicht mehr „allgemeiner Verkehr“. Der Übergang war für sie ersatzlos gesperrt.

Gegen diese Diskriminierung wendet sich der ADFC seit 2014 in Form einer jährlichen Kundgebung. Mit den Demonstrationen fordert der Fahrrad-Club zuverlässige und sichere Rheinübergänge.


2014: Erste Kundgebung an der Staustufe Iffezheim

Überquerung des Rheins zu Fuß oder mit dem Fahrrad derzeit nicht möglich
Der aktuelle Zustand ist unbefriedigend. Die B 500 ist zwischen Iffezheim auf deutscher und Roppenheim auf französischer Seite stark belastet. Sie kann das derzeitige Verkehrsaufkommen (20.000 Fahrzeuge pro Tag mit Schwerverkehr-Anteil von 20 Prozent) nicht ausreichend aufnehmen. Auf der Staustufe ist die Fahrbahn eingeengt und durch Borde begrenzt. Dies verschärft die Situation. Auf französischer Seite ist die Fortsetzung der B 500, die D 4, als Kraftfahrstraße ausgeschildert. Somit ist die Überquerung des Rheins zu Fuß oder mit dem Fahrrad derzeit nicht möglich. Die nächste Querungsmöglichkeit für Radfahrer ist die Brücke in Wintersdorf. Sie ist jedoch für Zweiräder wegen enger Fahrbahn und auch aufgrund der eingelegten Schienen problematisch. Die Rheinfähren in Greffern und Plittersdorf sind unzuverlässig.


Staustufe: Übergang für Fußgänger unf Radfahrende gesperrt

Der Sperrung folgten mehrere Jahre ergebnisloser Diskussionen dies- und jenseits des Rheins. Debattiert wurde über Kosten und Standort eines geeigneten Rheinübergangs. Im vergangenen Jahr gab es endlich einen, wenn auch bescheidenen, Fortschritt.

Bund unterstützt Fahrradbrücke über den Rhein
Ein von den CDU-Abgeordneten Kai Whittaker MdB und Dr. Alexander Becker MdL im Juli 2019 organisierter „Brückengipfel“ führte zu einem Ergebnis: Der Bund unterstützt die Machbarkeitsstudie für die seit langem geforderte Fahrradbrücke über den Rhein zwischen Iffezheimer Staustufe und Wintersdorfer Brücke mit 15.000 Euro.

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat zugesagt, Machbarkeitsstudien für grenzüberschreitende Mobilität in den kommenden vier Jahren mit 8,5 Millionen Euro zu unterstützen. Allerdings kommt der Großteil dieser Gelder der Vorplanung von Schienenprojekten zugute. Immerhin, das hiesige Fahrradbrückenprojekt ist nicht vergessen.
Ein Erfolg der beharrlichen Demonstranten.

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