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Demonstration gegen unnötigen Straßenverkehrslärm

Verkehrspolitik

Am Freitag, den 27.7.2018 setze sich um 10:30 Uhr eine Gruppe von ca. 20 Radfahrerinnen und Radfahrern vom Bahnhof Ludwigsburg aus in Richtung Landratsamt in Bewegung. Anlass war eine Demonstration gegen unnötigen Straßenverkehrslärm durch teils von Autobauern bewusst eingebauten Lärm mittels Kfz-Design und gegen fehlende Geschwindigkeitsbegrenzungen.

In der Erklärung, die von den Veranstaltern der Demonstration, an Mitarbeiter des Landratsamtes übergeben wurde, heißt es unter anderem:

„Das ist eine Aktion gegen bewusste und unbewusste Terrorisierung der Umwelt durch Lärm. Eine Aktion gegen Rennmotoren und Raserei, die jede Bemühung um Lärmschutz konterkarieren.
Wir wollen einen sozial- und umweltverträglichen Verkehr. Wir wollen Frieden auf Straßen.“

Das satirische an der Demonstration: Die Veranstalter hatten auf ihrem Fahrradanhänger eine Soundmaschine montiert und sein Fahrzeug SUB (Sport Utility Bike) genannt. Mit dröhnendem Autolärm und Beschleunigungsgetöse von Sportwägen fuhren also nun die ansonsten stillen Radfahrer durch die Stadt. Bei Ankunft am Landratsamt wurde der Protestzug denn auch sofort gestoppt und Leopold aufgefordert den Lärm abzuschalten. Lärm, den die Familie der Veranstalter und viele andere Menschen im Kreis dagegen täglich und rund um die Uhr ertragen müssen - ohne abschalten zu können.

„Eigentlich sollten wir immer so Radfahren“, sagte eine Teilnehmerin der Demonstration, „solange, bis auch die Letzten verstanden haben, wie irrsinnig diese bewusste Lärmerzeugung (auch Sounddesign genannt) und das Gerase eigentlich ist und verboten wird.“

Anlass der Kundgebung war die Eröffnung, der Landesstraße L1110 zwischen Möglingen und Stammheim: Die Straße wurde saniert und nun wieder freigegeben. Dabei sind auf einem kurzen Teilstück 100 km/h erlaubt, während ansonsten 60 km/h gelten. Ein Landwirt, dessen Hof direkt an der Straße liegt, hat sich dafür ausgesprochen zukünftig durchgehend 60 km/h anzuordnen. Denn:

- LKWs, die auf der Strecke häufig sind, dürfen ohnehin nur 60 fahren. Es werden also waghalsige Überholmanöver provoziert, wenn PKWs auf diesem kurzen Stück hochbeschleunigen dürfen.

- Dieses Hochbeschleunigen bringt zudem eine hohe - gänzlich unnötige - Lärmbelästigung für die Anwohner mit sich.

Der ADFC Ludwigsburg unterstützte die Forderung den Verkehr zukünftig durchgängig bei 60 km/h zu belassen, da dies allgemein zur Verkehrssicherheit beitrage. Niemandem nutze es auf einer kurzen Strecke derart hoch zu beschleunigen. Generell werde es für Radfahrer wegen des hohen Kfz-Aufkommens immer schwieriger die Landes- und Kreisstraßen zu überqueren. Verkehren die Kfz mit hohen Geschwindigkeiten werde es unangenehm. In solch dicht besiedelten Gebieten wie unserer Region mit kurzen Überlandstrecken sollte man ganz allgemein einen Gang runter schalten. Schließlich würden immer mehr Menschen die Vorzüge des Radfahrens erkennen, sich teils aber nicht auf die Straße trauen. Radverkehr fördern heiße auch, den Verkehr allgemein zu entschleunigen. So sei die Freiheit zum Rasen auf Kosten der anderen ein Alleinstellungsmerkmal Deutschlands, das man so nirgendwo in Europa finde und das nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht zukunftsfähig sei.

Das Amt möchte nun erst einmal Verkehrszählungen durchführen und dann entscheiden, welche Geschwindigkeit zukünftig auf der Straße angeordnet wird.

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