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Schutzstreifen verwirren Autofahrer und Fahrradfahrer

Presseinfo

Verwirrung um Markierungen am Haller Schulzentrum West

Die Fuß- und Radwegführung am Schulzentrum West wurde geändert. Die Stadt erhofft sich, so die Belastung am Kreisel zu reduzieren. Allerdings sorgten falsche Markierungen bereits für den ersten Unfall.

Am gelben Transporter ist der linke Rückspiegel abgerissen, die Seitenscheibe zerborsten. Auf der anderen Seite steht ein dunkelblauer Minivan mit ähnlichem Schaden. Kaum waren am Mittwoch neue Fahrbahnmarkierungen angebracht, krachte es auf der Neuen Reifensteige zwischen Stadiongaststätte und Kreisverkehr. Die neuen Markierungen verwirren: Fahrradschutzstreifen, Fahrbahn für Autos, dann wieder ein Schutzstreifen und daneben eine Abbiegespur. Das Problem: Gegenverkehr ist auf der 50er-Strecke nur dann möglich, wenn Autos auf den Schutzstreifen für Fahrräder ausweichen.

Auf HT-Nachfrage erklärte die Stadtverwaltung zunächst, dass sei so gewünscht. "Verkehrsteilnehmer sollen gegenseitig Rücksicht nehmen, das beruhigt den Verkehr", so Stadtsprecher Robert Gruner. "Die Schutzstreifen dürfen überfahren werden, wenn kein Radler unterwegs ist. Wenn doch, dann hat dieser Vorfahrt."

Allerdings rudert die Verwaltung einen Tag nach der Presseanfrage zurück: "Die bisher aufgebrachten Markierungen für den Schutzstreifen sind falsch beziehungsweise führen dazu, dass die Fahrbahnbreite für den Geradeaus-Verkehr zu schmal ist." Noch am selben Tag würden die Markierungen geändert, so dass die Schutzstreifen vom Luckenbacher See kommend später beginnen - nicht schon auf Höhe der Zufahrt zur Gaststätte. Die Mindestbreite für den Verkehr von 4,5 Metern werde so wiederhergestellt.

Dieter Wolfarth, Sprecher der Haller Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), warnt Autofahrer davor, den Schutzstreifen zu befahren. Dies sei nur in äußersten Ausnahmen erlaubt, etwa wenn sich zwei breite Fahrzeuge, wie Laster, entgegenkommen. Auch gelte der Schutzstreifen als Teil der Fahrbahn. "Radfahrer dürfen nur dann überholt werden, wenn Autofahrer mindestens eineinhalb Meter Abstand halten können", so Wolfarth weiter. Wenn Kinder auf den Rädern dabei sind, gelte das Mindestmaß von zwei Metern. Den Radfahrern empfiehlt der ADFC-Ortsvorsitzende, einen Meter Abstand zum rechten Rand einzuhalten. "Dann werden Autofahrer nicht dazu verleitet, auch bei Gegenverkehr zu überholen." Schließlich soll der Streifen sicheres Radeln ermöglichen.

Dass am Schulzentrum West überhaupt Schutzstreifen für Radfahrer nötig wurden, liegt an Veränderungen im Kreuzungsbereich. Dort wurde kürzlich ein Zebrastreifen, der direkt am Kreisel über die Berliner Straße führte, entfernt. "Rechtlich ist ein Überweg auf Straßen mit mehr als zwei Spuren nicht zulässig", meint Gruner. An besagter Stelle sind es vier Spuren. Mit dem Wegfall des Zebrastreifens wurde allerdings der bestehende Geh- und Radweg unterbrochen. Deshalb dienen dem Radverkehr nun auf beiden Seiten Schutzstreifen.

Geändert wurde auch die Ampelposition - eine der Maßnahmen im Vorfeld der B19-Sperrung in Untermünkheim, um den Verkehr in Hall zu entlasten. Die Lichtanlage stand zuvor direkt am Kreisel. Zeigte sie rot, blockierten wartende Fahrzeuge den Kreisverkehr. Staus waren die Folge. Im März erklärte Peter Klink, Fachbereichsleiter Planen und Bauen: "Die Ampelverlegung ist auch ohne die B19-Sperrung sinnvoll." Gerade an Schultagen könnten Staus vermieden werden, da mehr Autos vor der Ampel warten könnten. Zudem: Schüler aus den westlichen Teilen des Reifenhofs würden ohnehin seit Jahren über einen Pfad an der neuen Ampelposition zur Schule gehen.

Für sie bedeute die im März vom Rat beschlossene Änderung keine Umwege - allerdings für Schüler und andere Fußgänger aus den nördlicheren Teilen des Wohngebiets. Die Stadtverwaltung empfiehlt diesen, ab der Fußgängerunterführung unter der Neuen Reifensteige über den Hebelweg zur Fußgängerunterführung Berliner Straße zu gehen. Dieser Weg sei barrierefrei, sicherer und kaum länger als bei Querung am Kreisverkehr.

(Quelle: Haller Tagblatt vom 12.09.2015)

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