Warum wir Fahrradstraßen brauchen

Stellungnahme des ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg zur geplanten Ausweisung weiterer Fahrradstraßen in Heidelberg

Fahrradstraße bei Franz-Marc-Straße/Fichtestraße. (Foto: ADFC-Rhein-Neckar/Heidelberg, 2017)

Die Stadt Heidelberg ließ zwanzig Strecken im Stadtgebiet auf ihre Eignung als Fahrradstraßen untersuchen, rund die Hälfte davon stuft der Gutachter als geeignet ein. Die Streckenabschnitte haben einen hohen Radverkehrsanteil, auf einigen Straßen übersteigt der Radverkehr das Autoverkehrsaufkommen bereits heute deutlich (Gaisberg-, Turner-, Trübner- und Zeppelinstraße, Vangerowstraße Ost). Bisher hat Heidelberg zwei Fahrradstraßen: die Plöck (seit 1993) sowie Franz-Marc-Straße/Fichtestraße.

Fahrradstraßen verlaufen meist parallel zu Hauptverkehrsstraßen auf ruhigen Nebenstrecken und sollen dort ein bequemes und sicheres Radeln in den Hauptverkehrsrichtungen ermöglichen, wo schon viele Radfahrinnen und Radfahrer unterwegs sind. Attraktive und sichere Routen für den Radverkehr sind ein Anreiz, dass noch mehr Menschen vom Auto auf das Fahrrad umsteigen.

In Fahrradstraßen steigt die Verkehrssicherheit, Abgas- und Lärmemissionen nehmen ab, die Wohnqualität für Anwohner nimmt zu. Die Ausweisung von Fahrradstraßen ist ein Mittel der Radverkehrsförderung, das nur geringe finanzielle Mittel erfordert und dennoch ein deutliches Signal der Kommune pro Fahrrad aussendet.

Ein Muss für jede Fahrradstraße sollte allerdings eine gute Fahrbahnoberfläche sein, da Holperstrecken, wie wir sie heute auf vielen Seitenstraßen antreffen, das Radeln unbequem machen und den Rollwiderstand deutlich erhöhen. Zum Komfort gehört auch, dass Fahrradstraßen als vorfahrtsberechtigt ausgewiesen werden, denn der Radler tritt nicht nach jeder Rechts-vor-links-Einmündung einfach aufs Gaspedal, sondern muss jedes Mal aufs Neue kräftezehrend wieder auf Touren kommen.

Der ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg begrüßt die geplante Einrichtung weiterer Fahrradstraßen in Heidelberg. Zusätzlich zu den vom Gutachter empfohlenen Straßenzügen (Gaisbergstraße, Turnerstraße, Trübner- und Zeppelinstraße, Vangerowstraße Ost, Kaiserstraße, Steubenstraße und Burgstraße, Alte Eppelheimer Straße, Wieblinger Weg) empfiehlt der ADFC die Ausweisung auch der folgenden Strecken als Fahrradstraße:

Rohrbach/Südstadt: Von-der-Tann-Straße und Görresstraße sind eine viel genutzte Nord-Süd-Verbindung bergseits der B 3, allerdings mit schlechtem Straßenbelag.

Südlich des alten Ortskerns von Rohrbach bietet sich die Leimer Straße als Fortführung nach Leimen an. Dieser Streckenzug wird – insbesondere für Pendler − noch an Bedeutung gewinnen, sobald die geplante Fortführung zur Leimer Geheimrat-Schott-Straße Realität ist.


Bahnstadt: Die Fahrspur der grünen Meile sollte von Anfang an als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Zum einen stünde eine Fahrradstraße dem ökologischen Vorzeigestadtteil gut an, zum anderen lässt die Planung der Grünen Meile befürchten, dass Konflikte durch zu knappes Überholen vorprogrammiert sind.


Weitere Fahrradstraßen in Heidelberg

Fahrradstraßen ermöglichen ein bequemes und sicheres Radeln in den Hauptverkehrsrichtungen, wo schon viele Radfahrende unterwegs sind – oder es bei einem entsprechenden Angebot noch mehr werden könnten. Dazu sollten die Fahrradstraßen auch als vorfahrtsberechtigt ausgewiesen werden.

Fahrradstraßen führen meist parallel zu den Hauptverkehrsstraßen in ruhigen Nebenstraßen.

Süden:

Aus der Innenstadt nach Süden ist dies die Gaisbergstraße, die von allen befürwortete wird. Auch die Weiterführung der schon bestehenden Fahrradstraße (Franz-Marc-Str. und Fichtestr) Richtung Rohrbach über die Turnerstr. ist sinnvoll und wichtig, da in der Rohrbacher Straße das Fahrradfahren zwischen dicht überholenden Straßenbahnen und parkenden Autos schon etwas stressig sein kann.

Leider ist der Straßenzug Görresstr./Von-der-Tann-Str., (bergseitig der Rohrbacher Straße) mit der Fortführung Leimer Straße südlich vom alten Kern Rohrbachs Richtung Leimen nicht in der ersten Priorität der Verwaltung. Die Verbindung hat - trotz mäßigem Straßenbelag - auch für Pendler eine Bedeutung, die noch gefördert werden könnte

Ost-West:

Die Alte Eppelheimer Straße und Vangerowstraße (Ost) ermöglichen stressfreies Fahren abseits der Bergheimer Straße.

Eine Fahrradstraße im Wieblinger Weg würde die geplanten Fahrradbrücken Richtung Westen (z.B. Schulen und SRH) anschließen.

Norden:

Eine Fahrradstraße Zeppelinstr./Trübnerstr. wertet auf einer Länge von über 1,5 km die Verbindung (Hauptbahnhof-)Alte PH- Handschuhsheim(-Dossenheim) deutlich auf.

Auch die Steubenstr./Burgstraße ermöglicht nicht nur für Alt-Handschuhsheimer ein bequemes Erreichen der Innenstadt, sie ist auch Teil der regionalen Verbindung zwischen den Gemeinden an der Bergstraße (Radnetz Baden-Württemberg).

Die geplanten Fahrradstraßen würden mit geringem finanziellem Aufwand ein deutliches Signal für noch mehr Fahrradfahren – und weniger Auto - in Heidelberg und auch über die Stadtgrenzen hinaus sitzen.

Sie verringern den KFZ-Verkehr und dadurch Emissionen und Lärm, so dass sie die Wohnqualität der Anwohner erhöhen.

Neue Stadtteile brauchen auch Fahrradstraßen: Die Fahrspur der grünen Meile sollte von Anfang an als Fahrradstraße ausgewiesen werden, da in der jetzigen Planung Konflikte durch zu knappes Überholen vorprogrammiert sind.

 

Weitere Informationen und Meinungen zu Heidelberger Fahrradstraßen waren besonders im August in unserer Presse zu lesen. Allerdings schreibt die RNZ mehrmals, dass es nur EINE Fahrradstraße in Heidelberg gäbe - es gibt jedoch (wie gerade beschrieben) ZWEI! Außerdem dürfen auf Fahrradstraßen nur Fahräder fahren - außer ein Zusatzschild regelt es anders!

https://www.adfc-bw.de/heidelberg/presse/presseschau/

 

 

© ADFC BW 2018