Mit dem Rad von Alaska nach Argentinien

Radreisebericht für die RNZ über das erste Jahr durch den amerikanischen Kontinent von dem langjährigen ADFC'ler Norbert Schön

Puh - geschafft! Dies dachte ich als ich bei meiner Nichte Heike in Victoria, Vancouver Island, Kanada angekommen bin. Es gibt doch sehr viel zu regeln, bevor man seine Wohnung für zwei Jahre verlassen kann. Bei der Familie meiner Nichte konnte ich mich erst mal ausruhen und an die neue Situation gewöhnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da Victoria im südwestlichsten Eck Kanadas ist, musste ich erst mal nach Alaska gelangen. Dazu radelte ich ans andere Ende der über 500 km langen Insel. Dann ging's per Fähre durch die "Inside Passage" am sogenannten "Pfannenstiel" Alaskas nach Norden (sehr lohnend! der erste landschaftliche Höhepunkt der Tour).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach kurzem Alaskaaufenthalt musste wieder Kanada

durchquert werden um nach Banff, Alberta zum Ausgangspunkt des "Great Divide MTB-Trails" zu gelangen. Die Entfernungen sind riesig - dies sollte man nicht unterschätzen. Die Tagesetappen habe ich meist an die vorhandenen Campingplätzen angepasst. Manchmal habe ich irgendwo, wo es Wasser gab gezeltet.

 

 

 

 

Sicherheitshaber hat man immer etwas zum Vespern und ein bis zwei Essen zum Kochen dabei - man weiß nie, ob der Laden oder das Restaurante noch existiert oder gerade geschlossen hat. Das Infomaterial und die Karten der Touristen- oder Fahrradorganisationen sind meist sehr gut.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die kanadischen Autofahrer sind die rücksichtsvollsten, die mir bisher begegnet sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Je weiter nach Süden man in Nordamerika kommt, umso mehr verändert sich dies!

 

 

Was noch sehr auffällt, sind die riesigen Gefährte mit denen die Nordamerikaner unterwegs sind.

 

 

Von Benzin sparen halten sie nicht viel! Die häufigsten Fahrzeuge, welche mir begegnet sind, waren riesige Pick-Up-Trucks. 95 Prozent der Camper haben Wohnmobile in der Größe von Fernreisebussen oder Wohnanhänger ähnlicher Größe für ihre bereits genannten Alltagsfahrzeuge.

 

 

 

 

 

Hinter den umgebauten Fernreisebussen wird grundsätzlich noch mindestens ein Kleinwagen, jedoch häufig auch der Pick-Up an der Stange mitgezogen. Auf der Ladefläche liegt manchmal noch das Motorboot. Da die schönen Regionalpark-Campingplätze oft keinen Stromanschluss bieten, läuft dann der Generator, wenn die anderen Motoren schweigen.

 

 

Oh wie schön ist es doch in der Natur zu sein ..... Dass man tatsächlich dort ist, merkt man in Kanada dann trotzdem an den unzähligen Stechmücken, die das "am-Zelt-sitzen" sehr beeinträchtigen! Etwas größere

Tiere trifft man in diesem Teil Kanadas auch fast täglich: Grizzlies und

 

Schwarzbären. Die ersten Male habe ich noch auf Autos gewartet um in ihrem "Schatten" an den Bären vorbeizufahren - dann nicht mehr ... Wir haben uns manchmal gegenseitig angeschaut, ich habe gegrüßt und bin weitergefahren!

 

 

 

Zugegebenerweise hatte ich durch das was man so liest einige Vorurteile zu US-Amerikanern. Das Radeln durch die Rocky Mountains und später entlang des Colorado-Rivers hat mich nur mit sehr netten und äußerst hilfsbereiten Menschen zusammen gebracht. Ich brauchte nur ein fragendes

Gesicht aufzusetzen, schon hat jemand angehalten und gefragt, ob er mir helfen könne.

Mit vollem Campinggepäck die längste MTB-Strecke (von Kanada zur mexikanischen Grenze) zu radeln war teilweise nicht ganz einfach, jedoch habe ich es irgendwie immer geschafft. Da ich durch Baja California weiterfahren wollte, bin ich vor Ende der MTB-Strecke nach Westen abgebogen. Dadurch lag erfreulicherweise "Monument Valley" und "Grand Canyon National Park" auch auf der Strecke.

 

Die USA kann ich also zum Radfahren nur empfehlen - bestimmt war es nicht das letzte Mal!

 

 

Der Anfang in Baja California war nicht so berauschend (eher häßlich und stinkig), aber dann wurde es doch sehr schön mit erträglichem Verkehr durch die Wüstenlandschaft zu radeln. Für einige andere Teile Mexikos würde ich trotzdem das hervorragende Bussystem empfehlen. Dieses ist preisgünstig und auf den Hauptrouten nehmen die mexikanischen Fahrzeugführer wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer - überholt wird immer, ob Platz dafür da ist oder nicht! Die Mexikaner sind sehr freundliche Menschen - solange sie kein Motorfahrzeug bei dichtem Verkehr steuern!

 

 

 

 

 

 

 

 

Was auch den Radfahrergenuß etwas einschränkt in Mexiko/Zentralamerika ist, dass man ständig auf Abfall am Straßenrand schauen muss. An Stellen, wo man halten kann, sind dann die größeren Abfallmengen .... Beim Einkaufen bekommt man immer jede Menge Plastiktüten und alles ist auf "Wegwerf" ausgerichtet! Dementsprechend sieht es überall aus - manche Strände bestehen überwiegend aus Plastik!

 

Die Mitte Mexikos und Guatemalas ist landschaftlich sehr schön, jedoch gibt es viele steile Stellen, die schon ein gewisses Durchhaltevermögen vorraussetzen. Belize ist etwas flacher, und besonders bei Reisenden ohne spanische Sprachkenntnisse beliebt, da etwas ähnliches wie englisch gesprochen wird.

 

Ab Mexiko habe ich überwiegend auf die günstigeren Zimmerpreise zurückgegriffen,. Erstens, weil es nur wenige Campingplätze gibt, aber auch weil es mir sicherer/einfacher erschien. Ein Zimmer zu finden war selten ein Problem, man muss lediglich am Hauptplatz eines größeren Ortes nach "Donde hay un Hotel economico y bueno?" fragen. Auch selbst kochen lohnt sich kaum noch, besonders da die mexikanische Küche sehr gut ist und es fast überall günstiges Essen gibt. Manche Hostels haben Küchen, wo man sich selbst verwirklichen kann!

 

Manchmal hört man Schauergeschichten zur Sicherheitslage der verschiedenen Länder. Ich persönlich bin nie in eine brenzlige Lage gekommen - alles erschien mir unproblematisch mit nur freundlichen Menschen. Also sollte man sich nicht unnötig Angst machen und alles locker angehen!


Nachdem ich meinen Lieblingsort am Atitlansee (Guatemala) auf 1.600 Meter Höhe verlassen habe, wurde es merklich heißer. Für die weitere Reise durch Zentralamerika bin ich jeweils sehr früh aufgestanden, da es ab spätem Vormittag fürs Radeln oft fast unerträglich wird. Glücklicherweise wird der Verkehr nach Mexiko wieder geringer und es werden nicht, wie in den USA, alle Schatten spendenden Bäume am Straßenrand abgeholzt.

Wenn der Artikel erscheint, bin ich ungefähr ein Jahr "On the road again", habe Nord- und Mittelamerika abgeradelt (ca. 16.000 km) und mache mich auf den Weg nach Südamerika. Dazu muss ich ein Schiff suchen, das mich und mein Fahrrad mitnimmt, denn es gibt keine Straße zwischen Panama und Kolumbien!

Norbert Schön

vor der Reise: Bezirksbeirat in der Weststadt
und seit 1991 Radverkehrspolitik für den ADFC in Heidelberg

--------------------   Ende des RNZ Berichtes   ----------------------

Alaska –> Argentinien-Reisebericht zweiter Teil

…. noch Zentralamerika:

 In Nicaragua fallen (…. neben dem vielen Abfall…) noch die Monumente und die Wandzeichnungen zur Revolution (1979) auf – auch wenn von dieser nicht mehr viel übrig ist (…durch die tatkräftige Unterstützung der USA …). Der US-Einfluss ist im landschaftlich schönen Nachbarland Costa Rica durch deren Touristen spürbar. Panama sieht aus wie ein südlicher US-Bundesstaat (nur Auto- und Wegwerfkultur, keine Fußgänger). Im armen Nicaragua lässt sich gut radeln, in den südlichen Nachbarn Costa Rica und Panama ist leider wieder viel Verkehr.

 

Südamerika

 

Eine Fähre hat mich und mein Fahrrad von Colon/Panama nach Cartagena/Kolumbien gebracht.

 

Leider habe ich von Kolumbien nur einen kleinen Teil beradelt, da ich dieses Mal über Venezuela reisen wollte. Meine mehrtägigen Aufenthalte in Cartagena und Mompos waren sehr schön.

 

Sehr ausführlich war mein Aufenthalt im krisengeschüttelten Venezuela. Dass durch die Krise die Bevölkerung schlecht drauf und evtl. gefährlich sein könnte wurde mir verschiedentlich vorausgesagt. Ich habe (wie überall!) nur nette Venezuelaner auf den 2.500 km durch das Land kennengelernt. Nur konnte niemand verstehen, warum ich mit dem Fahrrad reise – der Treibstoff wurde trotz leerer Kassen vom Staat bezahlt!

 

Auf der einzigen Verbindungsstraße ging’s weiter nach Manaos/Brasilien. Heute ist das ehemalige Urwalddorf eine Millionenstadt (von Urwald ist entlang der Straße auch nichts mehr zu sehen). Das Hauptverkehrsmittel ist dort immer noch das Flussschiff. Mit einem davon bin ich ein Stück den Rio Madeiro Richtung Bolivien gereist. Vom Amazonasgebiet ging’s ins Mateland (der Matekult eine gesellige Art Tee zu trinken)! Dies beginnt im Südosten Boliviens und umfasst noch Paraguay, Südbrasilien, Uruguay und Argentinien. Nach dem menschenleeren Chaco wurde der Verkehr leider wieder dichter.

An der brasilianischen Grenze lagen wieder die Iguaçufälle auf meinem Weg.

Besonders in Südbrasilien musste ich Alternativen zur vielbefahrenen Hauptroute (Rio – Buenos Aires) suchen. Manche Küstenansiedlungen in Südbrasilien sehen aus wie an der Costa Brava. Auch Uruguay habe ich als interessantes Land mit netten Menschen kennengelernt.

Wie vor 33 Jahren war Buenos Aires/Argentinien der Endpunkt meiner Reise. Auch wenn ich sonst nicht so auf Megastädte stehe – Buenos Aires hat was!

 

Zum Schluss noch einige „Eckdaten“:

  • Reisezeit vom Mitte Mai 2014 bis einschl. Oktober 2015
  • Ca. 24.000 km mit dem Rad, ~ 200.000 Höhenmeter und  ~ 1.507 Fahrstunden
  • Die Schwalbe-Mundial-Bereifung hat fast durchgehalten (nur 2. Satz Reifen notwendig!)
  • ausführlichere Infos über: http://www.scoutfish.com unter Reiseberichte " ..Norbert in ......"
Land Zeitraum km Höhenmeter Fahrstunden
Kanada/Alaska 19.5. - 11.8.2014 4.700 km  43.152 hm 302 h 
USA  11.8. - 5.10.2014 3.661 km 35.503 hm  235 h
Mexiko 5.10.14 - 6.1.15 4.468 km 44.328 hm 291 h 
Belize  11.1. - 20.1.2015    324 km  1.853 hm    19 h
Guatemala 6.-11.1.2015
21.1.- 27.2.2015 1.082 km  14.602 hm   80 h
El Salvador 27.2. - 5.3.2015    313 km  2.470 hm   21 h
Nicaragua 5.3. - 23.3.2015    456 km  3.625 hm   38 h
Costa Rica  23.3. - 9.4.2015    783 km  6.990 hm   51 h
Panama  9.4. - 20.4.2015    671 km  5.327 hm   46 h
Anfangswerte 
Südamerika (21.4.) 16.464 km 157.850 hm 1.083 h
Kolumbien 21.4. - 7.5     758 km
Venezuela 7.5. - 15.6.  2.260 km
Bolivien  8.7. - 27.7.     462 km   2.100 hm   34 h
Paraguay 28.7. - 11.8.     718 km   3.501 hm   52 h
Brasilien 15.6. - 8.7.   8.862 hm  174 h
11.8. - 17.9.  2.264 km
Uruguay 17.9. - 7.10     650 km   3.713 hm   49 h
Argentinien 7.-12.10.       70 km
Endstand 23.10.  23.631km ~ 200.000 hm ~ 1.507 h

 

 

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