Unterbrechung von Radrouten durch Baustellen

Offener Brief an die Stadt Heidelberg

 

Sehr geehrter Herr Schmidt-Lamontain, sehr geehrte Frau Sauer,

zurzeit sind die beiden wichtigen Süd-Nord-Radrouten in der Stadt für den Radverkehr
unterbrochen.

In der Mittermaierstraße ist zumindest eine Umleitung über die Kirchstraße ausgeschildert. Diese
bedeutet einen Umweg von über 400 Metern – und das für über 4000 Radfahrende am Tag vom
Hauptbahnhof Richtung Neuenheimer Feld (Zählstelle auf der Ernst-Walz-Brücke Ost)*. In einer
fahrradfreundlichen Stadt hätte man sich hier gewünscht, dass für Radfahrende auch auf der
direkten Route eine Möglichkeit ausgeschildert worden wäre. Bei jeweils 2 Richtungsfahrbahnen -
und nur einer kurzen Engstelle an der Kreuzung zur Bergheimer Straße – gibt es ausreichend Platz,
um eine geschützte Möglichkeit für Radfahrende einzurichten.

An der genau so frequentierten Sofienstraße ist in der Baustelle keine Führung für den Radverkehr
vorhanden. Mit etwas fahrradfreundlicher Planung der Baustelleneinrichtung ist auch hier eine
direkte Führung für das - nach der Zahl der zurückgelegten Wege - wichtigste Verkehrsmittel der
Stadt möglich.

Wir bitten in Zukunft um eine sichere, alltagstaugliche Führung des Radverkehrs an Baustellen.

*in 2 Tagen rollen die Heidelberger Radfahrer*innen eine Tour de France zusätzlich.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Pirch-Rieseberg

Vorstandsmitglied
ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg
Kurfürsten-Anlage 62
www.adfc-bw.de/heidelberg

Link zum RNZ-Bericht vom 8. Mai 2021


 

Radbrücke: Den Planungsprozess jetzt nicht behindern!

Stellungnahme des ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg zu „Kein Fußgängerverkehr der Zukunft“ (RNZ vom 7. Januar 2021, Seite 5)

Der Straßenzug Mittermaierstraße/Ernst-Walz-Brücke als Verbindung von Bahnhof und Neuenheimer Feld gehört zu den gefährlichsten und am meisten gefürchteten Strecken für Radfahrer*innen wie Fußgänger*innen im Stadtgebiet. Die neue Radbrücke über den Neckar soll hier endlich für beide Gruppen von Verkehrsteilnehmern Abhilfe schaffen. Nachdem das Preisgericht entschieden hat, befindet sich das Projekt jetzt im Gremiengang. Es ist vorgesehen, dass der Gemeinderat am 10. Februar der Beauftragung des 1. Preisträgers Schlaich Bergermann und Partner zustimmt.

Zwar trifft es zu, dass die IG Rad ursprünglich den Entwurf des dritten Preisträgers Mayr Ludescher und Partner favorisiert hat, unter anderem weil er die geringste zu überwindende Höhe aufweist, für den Radverkehr keine Umwege verursacht, am Neuenheimer Neckarufer keine Rampen hat und nach der Vorprüfung wahrscheinlich am günstigsten zu bauen ist.

Nachdem aber die Entscheidung der Jury zugunsten des Entwurfs des Planungsbüros Schlaich Bergermann und Partner gefallen ist, sollten der Planungs- und Entscheidungsprozess nicht weiter verzögert werden.

Der Siegerentwurf hat nach Einschätzung von ADFC-Vorstandsmitglied Bernhard Pirch-Rieseberg auch eine Reihe von Vorzügen:

  • eine deutliche Trennung von Rad- und Fußverkehr,
  • eine etwas bessere Fahrdynamik.
  • weniger Konflikte mit Fußgänger*innen auf der direkten Nord-Süd-Verbindung (der Radverkehr wird an dem zentralen Platz auf Neuenheimer Seite vorbeigeführt).

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Rhein-Neckar/Heidelberg legt größten Wert darauf, dass die Brücke nunmehr schnellstmöglich realisiert wird. Zum jetzigen Zeitpunkt Sand ins Getriebe zu streuen, ist dabei nicht hilfreich – Verbesserungen und Verfeinerungen des Entwurfs im Zuge der weiteren Planung sind im Dialog mit dem zu beauftragenden Büro aber durchaus möglich und erwünscht.


 

Heidelberg hat landesweit höchsten Radverkehrsanteil

Ergebnisse der Verkehrserhebung „Mobilität in Deutschland“ liegen vor

Heidelberg hat landesweit den höchsten Radverkehrsanteil: 26 Prozent aller Wege legen die Heidelberger mit dem Velo zurück. Damit belegt Heidelberg den Spitzenplatz in Baden-Württemberg. Das geht aus der Verkehrserhebung „Mobilität in Deutschland“ hervor, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beauftragt hat. 

Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck sagte: „Die Zahl bestätigt, dass wir mit unserer Radoffensive richtigliegen. Das Fahrrad ist das beliebteste Verkehrsmittel der Heidelberger, es ist umweltfreundlich und generationenfreundlich. Wir werden daran festhalten, den Radverkehr besonders zu fördern: durch attraktive, schnelle und sichere Verbindungen, ein dichtes Stellplatzangebot, Verleihstationen und vieles mehr.“ 

Knapp zwei Drittel nutzen Umweltverbund, zweitniedrigster Anteil an Autofahrern

Betrachtet man den gesamten Umweltverbund – also die Gruppe der umweltverträglichen Verkehrsmittel – schneidet Heidelberg ebenfalls sehr gut ab: knapp zwei Drittel (64 Prozent) aller Wege in Heidelberg werden demnach zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt. Damit erreicht Heidelberg landesweit den zweiten Platz gleich hinter Freiburg (66 Prozent). Beim motorisierten Individualverkehr ist Heidelberg Freiburg ebenfalls auf den Fersen: nur 35 Prozent aller Wege (davon 9 Prozent als Mitfahrer) werden mit dem Auto zurückgelegt (Freiburg: 33 Prozent, bei ebenfalls 9 Prozent Mitfahrer). Damit verzeichnet Heidelberg landesweit den zweitniedrigsten Wert. 

So schneiden weitere Städte aus der Region ab: In Freiburg liegt der Radverkehrsanteil bei 22 Prozent, in Karlsruhe bei 23 Prozent, in Mannheim bei 17 Prozent. Den Umweltverbund nutzen in Karlsruhe 62 Prozent, in Mannheim 56 Prozent. Der Anteil beim motorisierten Individualverkehr liegt in Karlsruhe bei 38 Prozent (davon 8 Prozent Mitfahrer), in Mannheim bei 44 Prozent (10 Prozent Mitfahrer). 

Hintergrund: Laut der aktuellen Heidelberg-Studie, die die Stadt Heidelberg jährlich herausgibt, liegt der Radverkehrsanteil unter Heidelbergerinnen und Heidelbergern sogar noch höher: Bei der Befragung, die nur Heidelberger Bürgerinnen und Bürger – keine Einpendlerinnen und Einpendler – einschließt, gaben 35 Prozent an, für innerstädtische Wege hauptsächlich das Fahrrad zu nutzen.  

Mit der Radoffensive möchte die Stadt Heidelberg den Umstieg aufs Fahrrad unterstützten. Der größte Baustein ist eine schnelle und komfortable Verbindung der südlichen und südwestlichen Stadtteile bis ins Neuenheimer Feld. Sie umfasst die projektierte Gneisenaubrücke, welche die Stadtteile Bahnstadt und Bergheim künftig miteinander verbindet, sowie eine Rad- und Fußgängerverbindung, die sich daran anschließen und östlich des Wieblinger Wehrstegs bis ins Neuenheimer Feld führen soll. Weitere Bausteine sind die Verbesserung der Ost-West-Achse am Adenauerplatz, der Lückenschluss des Radwegenetzes sowie die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen, eine Erweiterung des öffentlichen Fahrradvermietsystems um Lastenräder, der Bau eines Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof und viele weitere Maßnahmen. www.heidelberg.de/radkultur


 

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