29.07.2017 - Ausstellung historischer Räder zum Fahrradjubiläum

Anlässlich des 200. Geburtstages des Fahrrades initiierte der ADFC Lautertal im Rahmen des Süßener Stadtfestes eine Ausstellung von Fahrrädern der letzten 200 Jahre.

Ursprünglich gedacht als Ergänzung zum bewachten Fahrradparkplatz des ADFC auf dem Stadtfest, entwickelte sich daraus eine richtige Ausstellung mit 35 Rädern – dank der spontanen Unterstützung einiger Sammler aus der Region und der ansteckenden Tatkraft unseres "Local Heroes" Thomas Gotthardt.

Neben erklärenden Informationen zur Herkunft der einzelnen Exponate wurde an Schauwänden die Geschichte der einzelnen Fahrradhersteller erläutert. Räder von Firmen wie NSU, Adler, Condor, Panther und Dürkopp oder Phönix wurden den Besuchern präsentiert. Die meisten Namen sind heute nur noch Kennern bekannt. Andere wiederum werden seit langem nicht mehr mit dem Produkt "Fahrrad" in Verbindung gebracht, wie z.B. die Firmen Miele und Opel.

Ein Nachbau des ersten Laufrades von Karl Drais, ein Rennrad von 1901, verschiedene Militärfahrräder mit bis zu 30 kg Gewicht oder auch Klapp- und Bonanza-Rädern aus den 1970er Jahren lockten viele Besucher in den Ausstellungsbereich. Ein besonderer Blickfang war ein Hebammenrad der Firma Wanderer aus dem Jahre 1937. Ausgestattet mit einem 1-PS-Hilfsmotor und Karbid-Lampe brachte das Rad in den Kriegsjahren Hebammen schnell und kräftesparend zu den damaligen werdenden Müttern. Dieses Hebammenrad kann somit als Vorläufer heutiger Pedelecs bezeichnet werden.

Viele der Räder wurden am Stadtfest-Sonntag zusätzlich während der alljährlichen Oldtimer-Parade durch Süßen dem Publikum präsentiert.

Die Ausstellung zeigte, dass hier in der Region eine "Sammlerszene" von erstaunlicher Qualität existiert. Allarmierend für den Landkreis Göppingen sollte deshalb die Geschichte des Ebersbachers Siegfried Stahl sein. Er hatte bis vor wenigen Jahren ein privates Fahrradmuseum in Rechberghausen betrieben, bis das Gebäude im Jahr 2012 abgerissen werden musste. Damals hat er erfolglos versucht, ein Ersatzgebäude zu finden. Letztlich musste er sich von einem Großteil der Sammlung trennen, die historischen Räder verkaufte er schweren Herzens nach Südkorea:

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/landkreis_gp/mit-rad-und-tat-fuer-korea-7883916.html

Auch andere Sammler werden sich früher oder später aus Platz- oder Altersgründen die Frage stellen müssen, was aus ihrer Sammlung einmal werden wird. An dieser Stelle könnte der Landkreis aktiv werden und den regionalen Sammlern eine dauerhafte Bleibe für ihre Schätze anbieten – und damit einen Beitrag zur Sicherung eines Teils unseres kulturellen Erbes leisten.

An dieser Stelle möchte sich der ADFC Göppingen nochmals herzlich bei diesen Fahrradliebhabern bedanken, die uns mit enormer Hilfsbereitschaft und viel Enthusiasmus ihre Räder und ihr großes Fachwissen zur Verfügung gestellt haben:

Michael Schmid, Esslingen
Siegfried Stahl, Ebersbach
Karl Fischer, Geislingen-Eybach
Peter Gaiser, Göppingen-Jebenhausen
Joachim Walter, Donzdorf

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

© ADFC BW 2017

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