08.10.2015 - Mobilitätszentrale Bahnhof Göppingen

Verkehrspolitik

Der Arbeitskreis Stadtentwicklung und Verkehr der Lokalen Agenda 21 in Göppingen veranstaltete am 29.09.2015 eine Podiumsdiskussion im Märklinsaal der Stadthalle zum Thema "Nutzer zuerst - Mobilitätszentrale im Göppinger Bahnhofsgebäude".

Auf dem Podium vertreten waren Kurt Werner, Gestaltungsbeirat Göppingen; Helmut Renftle, Baubürgermeister Göppingen; Tobias Boppré, Deutsche Bahn, Leiter Vermietung Regionalbereich Südwest; Jörg-Michael Wienecke, Amtsleiter Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Landratsamt; Edgar Augel, Leiter Marketing - Stadtmobil Carsharing AG und Dirk Messer, Vorstand des ADFC Göppingen.

Leider wurde die sehr gute Veranstaltung nur von 25 Zuhörern besucht. Der Göppinger Gemeinderat "glänzte" dabei komplett durch Abwesenheit, was logischerweise die Frage aufwirft, ob den Göppinger Bürgervertretern die Fragen und Ideen ihrer Wähler gleichgültig sind.

Der ehemalige Baubürgermeister der Stadt Konstanz und jetziges Mitglied des Göppinger Gestaltungsbeirats, Kurt Werner berichtete in einem Impulsvortrag über den Nutzen einer Mobilitätszentrale, wie sie in Konstanz seit 2013 existiert. Im Anschluss diskutierte das Podium mit den Bürgern über die Vorteile und Herausforderungen die eine Mobilitätszentrale im Bahnhof mit sich bringt.

In Statements von 5 bis 10 Minuten präsentierten die anderen Podiumsteilnehmer anschließend ihre Positionen zur geplanten Göppinger Mobilitätszentrale.


Position des ADFC Göppingen.

Die Idee eine Mobilitätszentrale am und im Bahnhof zu schaffen, die alle Verkehrsteilnehmer einschließt, sollte dringend in die Wirklichkeit umgesetzt werden.  Themen wie Lärmaktionsplanung, Feinstaub,  Klimawandel und Gesundheitsvorsorge sind in aller Munde. Es ist deshalb dringend erforderlich, den Fuß- und Radverkehrsanteil am „Modal Split“ zu erhöhen (Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen). Die Radverkehrsstrategie der Stadt Göppingen sieht eine Erhöhung des Radverkehrsanteils von 5% auf 15 % im Jahr 2025 vor. Ein wichtiges Element, damit dieses Ziel erreicht werden kann, liegt in der stärkeren Verknüpfung des ÖPNV mit dem Radverkehr - z.B. durch die Mobilitätszentrale im Bahnhof Göppingen.

Folgende Punkte sollten deshalb bei den Planungen berücksichtigt werden:

1. Ausreichende und sichere Fahrradabstellanlagen (Fahrradparkhaus)

Die Realisierung des neuen Fahrradparkhauses im Bahnhofsgebäude war sehr wichtig, hat aber leider noch Schwächen:

a) Öffnungszeiten

  • Nur bis 22:00 Uhr geöffnet. Problem für Bahnreisende die danach erst mit dem Zug ankommen

b) Sauberkeit

  • Gestank
  • Missbrauch der Fahrradboxen (Strom für Elektogeräte, Übernachten)
  • (Lösungen: Öffnen nur mit Münzeinwurf, Videoaufzeichnungen auswerten)

c) Kapazität:

  • Momentan:
    80 kostenlose Bügel und 40 Fahrradboxen + weitere Abstellanlagen im Außenbereich. Kapazitätsgrenze ist bald erreicht, vor allem wenn im Fahrradparkhaus die Pedelec-Verleihstation eingerichtet ist und dadurch entsprechende Abstellanlagen wegfallen.
  • Zukunft:
    - Ziel 15 % Radverkehrsanteil bis 2025
    - Weitere Abstellplätze erforderlich
    - keine Lösung ist die Tiefgarage zum Abstellen von Rädern
    Alternative: Fahrradturm als Gestaltungselement auf dem Bahnhofsvorplatz (Beispiel: Offenburg)

2. Erreichbarkeit mit dem Fahrrad

  • Süden:
    Überquerung von Fils und Bahngleise auf den Steg
    Geplante  Rampe an der Jahnstraße ist dazu sehr wichtig
  • Norden:
    Anbindung über Freihofstraße verbesserungswürdig, da durchgängige Befahrbarkeit nicht gegeben
    Einrichten einer Fahrradstraße
    Umsetzung in Radverkehrsstrategie beschlossen
  • Ost / West (Bahnhofstraße):
    Vermeidung von Kfz-Durchgangs- und Schleichverkehr
    Autos müssen trotzdem Tiefgarage erreichen können
  • Wegweisung
    Lückenlos zum Bahnhof aus allen Richtungen
    (Ebenfalls in Radverkehrsstrategie enthalten)

3. Fahrradmitnahme im Zug

  • Barrierefreiheit beim Einstieg
  • Wagenstandsanzeiger

Fazit: die Idee der Mobilitätszentrale am Bahnhof ist sehr gut. Aus Radfahrersicht sind dazu die Vereinbarungen aus der Radverkehrsstrategie zügig umzusetzen. Außerdem muss dringend etwas unternommen werden, um die Schwächen des Fahrradparkhauses auszuräumen.

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

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