05.01.2018 - Süßens Umlaufsperren haben ausgedient

Jetzt ist es amtlich: Die Tage der Knochenbrecher an der Fabrikstraße sind gezählt. Der Süßener Gemeinderat hat dies in der letzten Sitzung des Jahres 2017 beschlossen. Eine Verschwenkung des Radwegs wird zukünftig Sicherheit gewährleisten.  Bisher wurde die Straßenquerung mit so genannten Umlaufsperren "gesichert". Eine gut gemeinte, aber praxisuntaugliche Lösung.

Schon lange ist unter Radverkehrsexperten unbestritten, dass Umlaufsperren die Sicherheit gefährden anstatt sie zu erhöhen. Viele Unfälle mit teils schweren Verletzungen gehen auf das Konto der so genannten Drängelgitter. Süßen zieht daraus die Konsequenzen und folgt den Beispielen vieler Kommunen im Landkreis - und im ganzen Land. Damit erfüllt die Stadt nicht nur eine Forderung des ADFC, sondern auch die Empfehlungen von Verkehrsplanern - und des Landratsamts.

Bei der Verleihung des Zertifikats "Fahrradfreundlicher Landkreis" wurde dem Kreis Göppingen im Jahr 2014 ins Pflichtenheft geschrieben, wegen des hohen Gefährdungspotentials für die Beseitigung möglichst aller Umlaufsperren zu sorgen. Nach dem Umbau an Süßens Fabrikstraße werden fast alle Kommunen im Kreis Göppingen diese Forderung erfüllt haben.

Fast alle? Ein kleines, von einem unbeugsamen Oberhaupt beherrschtes Städtchen namens Donzdorf hört nicht auf, den Expertenratschlägen Widerstand zu leisten. Angeblich zum Schutz der Radfahrer. Aber warum widersetzt sich der Bürgermeister hartnäckig allen Verbesserungsvorschlägen, auch wenn sie zum Teil einfach zu realisieren sind?

Wer dies verstehen will, muss gut zwanzig Jahre zurückblicken. Damals beschlossen Donzdorfs Gemeinderatsfraktionen gegen den Willen von Bürgermeister Stölzle, einen Geh- und Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse zu bauen. Ein paar Jahre nach dem Bau scheiterte dann der Versuch des Bürgermeisters, den Geh- und Radweg zu einer Autostraße auszubauen. Eine aufsehenerregende Protestaktion der Bevölkerung stoppte den Plan. Spätestens seit diesem Zeitpunkt wird der Lautertalradweg von der Stadtverwaltung stiefmütterlich behandelt.

Und so stehen bis heute in Donzdorf auf einer Strecke von 1,5 Kilometern "22 mittelalterliche Lanzen" (Kommentar eines Opfers). Kein Witz: Das ist deutscher Minusrekord. 2017 wurde die Stadt dafür mit dem "Goldenen Pannenflicken" ausgezeichnet, einem bundesweiten Negativpreis für Radverkehrsanlagen.

Auch beim bundesweiten Fahrradklimatest des ADFC hat Donzdorf zweifelhafte Spitzenplätze errungen: Letzter Platz unter den gewerteten Kommunen im Landkreis, vorletzter Platz in Baden-Württemberg. Und die Stadt gibt sich wohl auch zukünftig alle Mühe, im Schein der roten Laterne zu glänzen. Fortsetzung folgt.

Thomas Gotthardt (ADFC Lautertal - Mittlere Fils)

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