01.07.2016 - Abgefahren: Critical Mass

Tourenbericht

Tausende Radfahrer treffen sich am ersten Freitagabend jedes Monats in vielen deutschen Städten zu gemeinsamen Touren durch die Innenstadt. Man kann diese Veranstaltung als Gegenbewegung zu den alltäglichen innerstädtischen Blechlawinen verstehen – und als W erbung für das Verkehrsmittel Fahrrad.

Critical Mass ist eine weltweite Veranstaltung, die erstmals 1992 in San Francisco stattfand. Die Radfahrer wollen zeigen, dass sie ein wichtiger Teil der städtischen Mobilität sind, und sie möchten mit dieser Aktion mehr Platz und mehr Sicherheit im Straßenraum einfordern.

Monatliche Fahrten finden mittlerweile in fast allen deutschen Großstädten und in vielen Kleinstädten statt. In unserer Region gibt es inzwischen außer in Stuttgart auch Critical Mass Veranstaltungen in Esslingen, Tübingen, Herrenberg und Ulm.

Start in Stuttgart ist immer um 18.30 Uhr am Feuersee. Die etwa 20 km lange Strecke wird monatlich von den Organisatoren neu festgelegt.

Mehrmals im Jahr nehmen wir an diesem tollen Ereignis teil. Am 1. Juli war es wieder soweit: Mit dem Zug ging es nach Bad Cannstatt und dann weiter per Rad zum Feuersee. Unschlagbare 19,30 Euro kostet das VVS-Gruppenticket, mit dem bis zu 5 Personen (!) einschließlich Fahrradmitnahme (!!) von Süßen nach Stuttgart und zurück fahren können. Für die gesamte Bahnfahrt zahlt also jede/r Mitreisende samt Fahrrad unglaubliche 3,86 Euro. Eigentlich ein Grund, jeden Monat teilzunehmen.

Auch wenn die Critical Mass den Charakter einer Fahrraddemonstration hat, ist sie eine heitere und generationenübergreifende Veranstaltung. Familien mit Kindern, Studenten, Senioren: Es ist eine bunte Menschenparade, die durch die Hauptstraßen Stuttgarts rollt.

Nicht weniger bunt ist die Vielfalt an Fahrrädern: Es gibt praktisch nichts, das nicht dabei wäre: Vom 40 Jahre alten Bonanza-Rad mit Fuchsschwanz über das edle Rennrad bis zu Lastenrädern mit riesigen Lautsprecherboxen, die für fast jeden Musikgeschmack etwas bieten.

Bei familienfreundlicher Geschwindigkeit war die zweistündige Tour durch die Innenstadt wieder ein Mordsspaß. Und wie immer konnten wir (ungestört vom Verkehr, dank Polizeieskorte) Stuttgart aus einer Perspektive erleben, wie sie sonst nur aus dem Auto zu sehen ist. Mit dem Unterschied, dass man auf dem Rad die Umgebung intensiver wahrnimmt und vieles entdeckt, das bei der Autofahrt verborgen bleibt.

Die traditionelle "Aftermass-Party" fand wie üblich nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt statt. Diesmal war der Skatepark am Pragfriedhof das Ziel. Dort gab‘s außer Verpflegung auch die Gelegenheit, nochmal einen Blick auf das eine oder andere skurrile Fahrzeug zu werfen. Ein "chilliger Ausklang´ nach einer tollen Veranstaltung.

Fazit: Wir freuen uns aufs nächste Mal!

Thomas Gotthardt (ADFC Lautertal - Mittlere Fils)

 

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