25.04.2016 - Lage des Radverkehrs in Süßen

Verkehrspolitik

Süßen. Wo drückt Radfahrern in Süßen der Schuh? Wo gibt es Verbesserungen der Radinfrastruktur? Eine Momentaufnahme.

Landesstraße L 1219 Süßen - Salach
Auf einer Straßenlänge von ca. 1 km existieren ca. 40 schadhafte Belagsabschnitte mit Querrillen, die wahrscheinlich aus einer schadhaften Straßenentwässerung resultieren, außerdem ein im spitzen Winkel kreuzendes Industriebahngleis und zwei mitten auf dem Radweg positionierte Signalanlagen.
Bei Tageslicht ist der Radweg unangenehm zu fahren und birgt im Bereich des Bahngleises mit den Signalanlagen bei Unachtsamkeit auch eine Stutzgefahr des Radlers. Die größte Gefahr besteht jedoch in der Nacht. Der Weg ist unbeleuchtet und da es sich um einen Zweirichtungsradweg handelt, wird der aus Salach kommende Radler von den Scheinwerfern der Autofahrer aus Richtung Süßen erheblich geblendet.

Lautertalradweg
Der durch die Stadt Süßen initiierte „Radweg“ auf der alten Lautertalbahntrasse erfreut sich inzwischen einer großen Beliebtheit bei den Radfahrern. Der neue Weg führt direkt, zügig und abseits vom Verkehr zum Bahnhof und ins Zentrum von Süßen. Leider ist die Beschilderung noch nicht korrekt, da der Weg offiziell nur durch Fußgänger benutzt werden darf und Radler nur geduldet werden. Eine nachträgliche Freigabe als Fuß- UND Radweg wurde seitens der Stadtverwaltung versprochen.

(Freigabe inzwischen erfolgt)

Umlaufsperren
Auf dem Süßener Abschnitt des Lautertalradweges gibt es wie auch in der Nachbargemeinde Donzdorf Umlaufsperren, die der Sicherheit der Radfahrer dienen sollen. Leider ist das Gegenteil der Fall und es kommt immer wieder zu Unfällen von Radlern, die an den Stangen hängen bleiben. Die Sperren sollten daher dringend durch Alternativen ersetzt werden.

Bahnhofsunterführung
Die Unterführung ist für Radfahrer momentan nicht freigegeben. Radler müssen also theoretisch schieben. Paradoxerweise  führt  trotzdem  die  offizielle Radfahrerwegweisung  durch  die Bahnunterführung. Vorschlag: Die Beschilderung abändern und zukünftig das Verkehrszeichens 239 (Fußgänger) in Verbindung mit dem Zusatzzeichen "Radfahrer frei" verwenden.

(Freigabe inzwischen erfolgt)

Radabstellanlagen (allgemein)
Aktuell gibt es nur gelegentlich sichere Radabstellanlagen in Stadtgebiet, die ein diebstahlsicheres Anschließen von Rahmen und einem Rad, sowie ein bequemes und umsturzsicheres Einstellen von hochwertigen Fahrrädern oder Pedelecs garantieren. Gelegentlich sieht man veraltete sog. „Felgenklemmer“ bei denen das Vorderrad eingeklemmt wird – diebstahlsicher ist etwas anderes, zudem wird das Rad beschädigt beim Umfallen. Die Stadt hat die Chance im Rahmen integrierten Ortsentwicklungskonzeptes auch vernünftige Radabstellanlagen zu installieren, damit auch Radler problemlos ihre Einkäufe in der Ortsmitte erledigen können. Ein Radfahrer benötigt immerhin deutlich weniger Stellfläche als ein Pkw und entschärft dadurch die Parkplatzsuche vieler Autofahrer.

Radabstellanlagen (Bahnhof)
Vorbildlich erneuert wurde die Radabstellanlage am Bahnhof an Gleis 1. Es sind ausreichend sichere Stellplätze in unmittelbarer Nähe zu den Zügen vorhanden. Zusätzlich gibt es eine weitere Abstellanlage, ebenfals direkt an den Gleisen auf der Nordseite. Fazit: klasse!!

Radwegweisung
An den touristischen Radwegen befindet sich eine durchgängige Wegweisung für den Radverkehr. Aber auch die andernen und innerörtlichen Ziele sollten ausgeschildert sein. Handlungsbedarf besteht auch für den Abschnitt des Süßener Lautertalradweges.

Ausbau Radwegenetz
Der Süßener Gemeinderat hat beschlossen, für die Stadt Süßen ein integriertes Ortsentwicklungskonzept aufzustellen. Es besteht die Chance, den Radverkehr gleich entsprechend zu berücksichtigen.

Radverkehrskonzeption
Ein durchdachtes und stimmigens Radwegenetz muss das Ziel für die Stadt sein. Dieses Ziel kann am sichersten erreicht werden, wenn Fachleute die Planung übernehmen. Solche Radverkehrskonzeptionen wurden bereits in Eislingen, Göppingen und Ebersbach erstellt und auch der Landkreis Göppingen hat eines vorzuweisen. Die Stadt sollte sich überlegen, ob sie nicht auch im Rahmen des integrierten Ortsentwicklungskonzeptes diesen Weg beschreiten will.

Heidenheimer Straße
Aufgrund des starken Kfz-Verkehrs wären Schutzstreifen auf dieser Hauptverkehrsader durch Süßen sinnvoll. Einfacher wird die Einrichtung entsprechender Anlagen durch die neue Ortsumgehung, da dann der innerörtliche Autoverkehr zurückgehen sollte.

Tempo-30-Zone im Zentrum
Im gesamten alten Ortskern macht eine Tempo-30-Zone Sinn. Der Durchgangsverkehr würde zurückgedrängt werden und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer würde sich erhöhen. Auch dieses Ziel kann im Rahmen des integrierten Ortsentwicklungskonzeptes realisiert werden.

Bühlstraße
In der Bühlstraße existiert ein Bordsteinradweg. Durch die ansässigen Märkte und dem dadurch vorhandenen Kfz-Verkehr von den Parkpätzen über den Geh- und Radweg auf die Straße kann es leicht zu Kollisionen mit Radlern kommen. Besser wäre hier eine Lösung für Radfahrer auf der Straße durch Radschutzstreifen oder Radstreifen.

Radverbindung nach Schlat - Scharnhorststraße
Die Radwegweisung nach Schlat erfolgt über die Scharnhorststraße. Das heißt, die Radler müssen sehr viele Bodenschwellen überqueren, die eigentlich den Autoverkehr abbremsen sollen. Besonders bei unsicheren Radlern und Kindern kann dies zu Stürzen führen. Alternativen: am jeweils rechten Rand der Bodenschwellen eine Durchfahrt für Radler ermöglichen oder die Radfahrer im weiteren Verlauf der Grünenberger Straße und den südwestlichen Ortsrand zum Kreisverkehr an der Schlater Straße führen.

Verkehrsinsel B 466 Ortsausgang Richtung Donzdorf (siehe Foto)
Sicht auf Verkehr durch Schild eingeschränkt

 

Verkehrsinsel B 10 alt auf Höhe Öschstraße / Mörikestraße
Selbes Problem wie an der B466, Schild verdeckt Sicht

Metallpoller auf Radweg im Schlater Wald
Poller haben ein ähnliches Gefahrenpotential für Radfahrer wie Umalufsperren. Seit dem Ausbau des Radwegs zwischen Süßen und Schlat befinden sich auf einer Strecke von 1,3 Kilometern insgesamt 8 Metallpoller in der Wegmitte. Sie sollen verhindern, dass der Weg unbefugt durch Forstfahrzeuge befahren wird. Allerdings verhindern sie nicht, dass es immer wieder zu gefährlichen Situationen im Radverkehr kommt.

Auf Initiative des ADFC fand eine gemeinsame Vor-Ort-Besichtigung mit Vertretern des Landratsamts und des Forstamts sowie der Schlater Bürgermeisterin Gudrun Flogaus und ihrem Süßener Amtskollegen Marc Kersting statt. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Handlungsbedarf besteht. Verschiedene Alternativmöglichkeiten ohne Metallpoller wurden skizziert.

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