21.02.2016 - Umbau der Eislinger Hirschkreuzung – Bedeutung für den Radverkehr

Verkehrspolitik

Eine Stellungnahme des ADFC-Kreisverbandes Göppingen zum Umbau der Hirschkreuzung in Eislingen in einen Kreisverkehr mit umlaufendem Radweg

Die Unterführung an der Hirschkreuzung in Eislingen hat in den letzten Jahrzehnten den Radfahrerinnen und Radfahrern gute Dienste geleistet. Es konnte mit dem Rad zügig und sicher die stark befahrene B10 überwunden werden – ein Vorteil vor allem für Generationen von Schülerinnen und Schülern der Eislinger Schulen.

Unterführungen für Fußgänger und Radfahrer haben jedoch generell den Nachteil, dass die gefühlte, subjektive Sicherheit deutlich schlechter ist als bei einer oberirdischen Wegeführung. Dies gilt besonders für ältere Menschen, Kinder und Frauen, die sich häufig in den dunklen, engen und einsamen Röhren unwohl fühlen.

Untersuchungen von Radunfällen in Eislingen zeigten, dass es keine wesentlichen Unterschiede in der Sicherheit von Unterführungen und Kreisverkehren gibt. Dabei muss jedoch noch bedacht werden, dass es bei Radunfällen ohne Beteiligung eines Kraftfahrzeuges (beispielsweise in einer Unterführung) generell erhebliche Dunkelziffern gibt. Denn solche Unfälle normalerweise nicht gemeldet und damit auch nicht bekannt. Dies zeigten aktuelle Erhebungen des ADFC Göppingen zu Unfällen an Umlaufsperren auf dem Lautertalweg in Donzdorf.

Aus Sicht des ADFC ist daher eine Verschiebung der beschlossenen Umbaumaßnahme an der Hirschkreuzung mit Sicherheitsbedenken nicht zu begründen. Im Gegenteil, die Führung des Radverkehrs auf Radwegen oder Schutzstreifen im Sichtfeld des Kfz-Verkehrs ist eine wesentliche Forderung des ADFC. Je mehr Radfahrer wahrgenommen werden, desto höher ist die Sicherheit, da Radfahren zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Verkehrs wird.

Für die Allgemeinheit ist die Frage, ob ein Kreisverkehr mit umlaufendem Radweg gebaut oder die existierende Ampelkreuzung erhalten werden soll vor allem eine Frage der städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten Eislingens und der damit verbundenen Chancen.

Aus verkehrspolitischer Sicht hat die Gestaltung der Hirschkreuzung für das im Eislinger Gemeinderat beschlossene Radverkehrskonzept eine entscheidende Bedeutung. Außerdem spielt die Achse der alten B10 in den Radverkehrsplanungen des Landkreises Göppingen und des Landes Baden-Württemberg eine übergeordnete Rolle – und somit auch die Hirschkreuzung.

Innerörtlich ist die verbesserte Wegeführung in Nord-Süd-Richtung, wie auch die geplante überregionale Führung in Ost-West-Richtung nach dem Landesradverkehrsnetz von diesem Kreisverkehr als Bindeglied abhängig.  Das Landesradverkehrsnetz ist Teil der durch das Land am 12.01.2016 beschlossenen RadSTRATEGIE Baden-Württemberg. Es soll zukünftig alle wichtigen Ober- und Mittelzentren des Landes mit alltagstauglichen Radwegen verbinden. Die Fils-Achse – also die Streckenführung auf der alten B10 - ist dabei für unseren Landkreis der zentrale Baustein.

Ohne einen zeitnahen Umbau der Hirschkreuzung in einen Kreisverkehr mit umlaufendem Radweg würden auch die vorgesehenen Verbesserungen für den Radverkehr auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

Quelle: Planungsbüro VIA eG, Köln

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