01.05.2015 - Berücksichtigung des Radverkehrs im Nahverkehrsplan des Lkr. Göppingen

Verkehrspolitik

Stellungnahme des ADFC Göppingen zum Entwurf des Nahverkehrsplan

Der ADFC Göppingen hat im März 2015 seine Stellungnahme zum Entwurf der Fortschreibung des Nahverkehrsplans des Landkreises beim Landratsamt abgegeben.

Der öffentliche Personennahverkehr kann durch Einbeziehung der Fuß- und Radverkehrs zu einem starken Umweltverbund ausgebaut werden, der damit in Konkurenz zum motorisierten Individualverkehr treten kann.

Der nun vorliegende Entwurf zum Nahverkehrsplan hat viele Aspekte berücksichtigt, um eben diesen Umweltverbund zu stärken. Positiv zu bewerten sind die Bekenntnisse zum Ausbau des Radverkehrs, zu Fahrradverleihsystemen, zum Rad-Wander-Bus, zur Barrierefreiheit von Bahnhöfen und zur generellen Stärkung des Umweltverbundes.

Trotzdem gibt es aus Radlersicht noch einige Schwächen, die wir in unserer Stellungnahme auch so dem Landratsamt weitergegeben haben.

Bike an Ride

Die Qualität der Radabstellanlagen sehr wichtig für die Akzeptanz der Anlagen. Von großer Bedeutung ist aber auch die Anzahl der an den zentralen Knotenpunkten zur Verfügung gestellten Fahrradabstellplätze.

Sollen Bürgerinnen und Bürger verstärkt das Rad nutzen, um an den Bahnhöfen auf den Schienenpersonenverkehr umzusteigen, ist es elementar, dass eine entsprechend große Anzahl an Fahrradabstellplätzen zur Verfügung steht. Ein Negativbeispiel stellt hier Geislingen dar, das mit einer Größe von 27.000 Einwohnern lediglich 50 Abstellplätze zur Verfügung stellt.

Die Anzahl sollte ausgerichtet sein am gewünschten Anteil des Radverkehrs am Modal Split. Im Radverkehrskonzept des Landkreises Göppingen heißt es dazu „Fahrradförderung braucht Ziele“: „Eine Verdoppelung des Fahrradanteils ist also in absehbarer Zeit möglich. Ein Fahrradanteil von 15% ist somit ein realistisches Ziel für die nächsten 10 Jahre. Mittelfristig sind auch 20% Radverkehrsanteil erreichbar.“

Bedingt durch die neuen Radabstellanlagen in Süßen und Göppingen empfehlen wir eine aktualisierte Bestandsaufnahme an den Bahnhöfen im Filstal in das Nahverkehrskonzept zu übernehmen.

Fahrradmitnahme im ÖPNV

Die folgenden Gründe erschweren eine Fahrradmitnahme in den Zügen des Filstaltaktes:

  • In den einstöckigen Wagen erschweren die Mittelstange in den Doppeltüren und der nicht ebenerdige Einstieg die Fahrradmitnahme. Kinderwagen, Räder mit Gepäck und Tandems können so nur umständlich mitgenommen werden. Die Mitnahme von Fahrrädern mit Kinderanhängern ist fast unmöglich, da diese im zusammengebauten Zustand nicht durch die Türe passen (wegen Mittelstange). Da im Fahrplan nicht ersichtlich ist, um welches Wagenmaterial es sich handelt, ist das Verreisen mit Kinderanhängern fast nicht planbar und schon gar nicht spontan machbar.

  • Fehlende Wagenstandsanzeiger auch für den Nahverkehr. Sehr oft ist der Wagen mit dem Fahrrad- / Mehrzweckabteil am Beginn oder am Ende des Zuges angebracht. Bahnreisende mit Rädern oder Kinderwagen sind daher nach Einfahrt des Zuges oft gezwungen sehr schnell von einem an das andere Ende des Zuges zu wechseln, da vorher nicht ersichtlich ist, wo das Mehrzweckabteil sich befindet. Dies ist besonders problematisch, wenn Kinder der Reisegruppe angehören. Wagenstandsanzeiger auch für die Züge des Nahverkehrs gibt es zum Beispiel in Niedersachsen.

Insgesamt jedoch ist der diskutierte Entwurf eine gelungene Fortschreibung des Nahverkehrsplans. Er hat die Chance bei entsprechender Berücksichtigung des Radverkehrs, wie sie die Radverkehrskonzeption des Landkreises vorsieht, den Umweltverbund auch im Landkreis Göppingen voranzubringen.

Dirk Messer (ADFC Göppingen)

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