22.11.2015 - Radverkehr 2010 - 2015 in Geislingen

Verkehrspolitik

Erinnerungen und eine Bilanz von Uli Essig

 

Anfang 2010 hat der ADFC Kreisverband Göppingen beschlossen, in  verschiedenen Kreisregionen Ansprechpartner einzusetzen, die sich vor Ort verstärkt um den Radverkehr kümmern sollten. Z.B. Ebersbach, Lautertal (Süßen, Donzdorf), Geislingen und Täle, den ich bisher vertreten habe.

Bereits im Jahr 2000 wurde vom Landkreis initiiert, als Ausgangspunkt von Geislingen aus Radwege innerhalb der Stadt anzulegen und zu beschildern, um von da mit dem Rad nach Kuchen, nach Eybach oder ins Täle zu kommen. Freilich gab es zu der Zeit schon viele Beschilderungen, aber keinen sicheren Radweg.

Im März 2010 veranstaltete man den ersten Radlertreff in Geislingen mit Vertretern des ADFC Landesverbands, des Kreisverbands und hiesigen Stadträten. Es ging damals um eine erste Bestandsaufnahme des innerstädtischen Radverkehrs, verbunden mit Forderungen und Empfehlungen des ADFC an Stadt und Landkreis, durch markierte Radwege und Radschutzstreifen das Radfahren sicherer zu machen.

Bei den von da an, 2 mal im Jahr stattfindenden Radlertreffs ging es in den Beiträgen
der Teilnehmer immer wieder um die Sicherheit im Schülerradverkehr, z.B. von Kuchen kommend zu den weiterführenden Schulen und dem Berufsschulzentrum in Altenstadt. 
Da dieser stark frequentierte Verkehrsknotenpunkt entlang der B10 eine große Unfallgefahr mit sich bringt, war dies öfters auch Schwerpunkt  einer Verkehrsschau, mit Vertretern der Stadt, des Gemeinderats, Verkehrspolizei, zu der auch ich als ADFC Ansprechpartner gehört wurde.

Ein anderes Mal diskutierte man die Regelungen bei den Einbahnstraßen. Die Forderung war, für die Radfahrer die Öffnung von Einbahnstraßen in die entgegengesetzte Richtung. Als Ergebnis übergab man der Stadtverwaltung eine Liste mit 12 Vorschlägen. Davon wurden bis heute 8 Vorschläge umgesetzt.

Bei einem weiteren Radlertreff im Jahr 2012 kam ein Vertreter des ADFC Stuttgart, Frank Zühlke, der die von ihm und dem KV Göppingen erstellte Dokumentationsbroschüre "Radverkehr vor Ort - Landkreis Göppingen" vorstellte.

Ab 2012 wurde die Zusammenarbeit zwischen dem ADFC Kreisverband und mir als örtlicher Ansprechpartner einerseits und der Stadtverwaltung anderseits intensiviert, so dass ich zu jeder Verkehrsschau, die den Radverkehr betraf, eingeladen und gehört wurde. Dies ermöglichte uns in Geislingen, besser und früher über Vorhaben informiert zu werden, und ggf. Vorschläge vorbringen zu können.

Bei den Radlertreffs wurde es jetzt immer konkreter, wo wir Änderungen und Vorschläge hatten. Z.B. war ein Schwerpunkt, Radschutzstreifen in der Stuttgarter Straße, der Überkinger Straße und der Heidenheimer Straße anzubringen. Ein Argument für eine zügige Umsetzung war, dass dies unkompliziert und kostengünstig realisiert werden könne.

Bei einem der Treffs wurde die Radverkehrskonzeption des Verkehrsinstituts VIA Köln diskutiert, die im Auftrag des Landkreises für alle Orte klare Vorgaben und Verbesserungen im Radverkehr enthielten. Teilweise deckten diese sich mit Forderungen, die bereits schon zuvor vom ADFC gestellt wurden.

Im Jahr 2013 war bei den Radlertreffs der Tälesbahn-Radweg das meist diskutierte Thema. Die GZ schrieb daraufhin: "Tälesbahn- Radweg kurz vor Vollendung". In Wirklichkeit ging es um den ersten Bauabschnitt, beginnend an der Wiesensteiger Straße bis hin zum Albwerk, der bis Ende 2013 abgeschlossen sein sollte, so die Stadtverwaltung.

Inzwischen wurden ja bekanntlich zwei weitere Abschnitte realisiert, nämlich einerseits westlich bis nach Bad Überkingen, aber auch in Richtung Hauptbahnhof und Eybach bis zur Bahnunterführung. In Planung ist jetzt noch der letzte Abschnitt bis zum Hauptbahnhof. Danach besteht dann eine beachtliche Radwegachse quer durch Geislingen, von der Oberen Stadt bis nach Altenstadt und weiter bis nach Bad Überkingen, wo man ab Ende des Ortes in den seit langem bestehenden Radweg bis nach Wiesensteig einmündet.

Im Laufe der Realisierung des Tälesbahn-Radwegs war der ADFC immer wieder gefragt. Bei der Querung des Radwegs über das Firmengelände von Odelo, ergab sich die Frage, wie die von der Stadt geforderte Umlaufsperre aussehen soll. Hier hat der ADFC durchgesetzt, dass diese in Abstand und Breite dem entspricht, was für Radfahrer noch zumutbar ist. Es muß gesagt werden: Grundsätzlich spricht sich der ADFC gegen Umlaufsperren aus.

Neben den verkehrspolitischen Themen, hat sich der ADFC auch bei den beiden jährlich
stattfindenden Radbasaren des Vereins "Auto-Teilen" und der Recycling-Werkstatt mit einem Info-Stand beteiligt.

Eine weitere Aktivität war die Teilnahme am Rad-Aktionstag im September 2012 mit einer Sternfahrt zur neuen B10 und diversen Veranstaltungen. Die B10 neu war dabei vom Ortsausgang Gingen bis nach Göppingen gesperrt.

Was mir aber besonders am Herz liegt, ist auf die vom Frühjahr bis in den Herbst hinein stattfindenden Radtouren des ADFC Kreisverbands hinzuweisen. Diese werden in einem umfangreichen Tourenprogramm aufgeführt und jedes Jahr mit neuen Angeboten versehen. Über die Jahre hinweg war ich mit jeweils zwei Touren dabei; die letzten beiden Jahre außerdem mit einer Pedelec-Tour in Zusammenarbeit mit VHS und Recyclingwerkstatt.

Meine Touren waren: "Rund um die Geislinger Alb" (ca.50 km.) und "In das Eselsburger Tal" (90 km.). Die Pedelec Tour mit VHS führte letztes Jahr zum Waldeckhof  nach Jebenhausen mit Führung durch den Öko Landwirtschaftsbetrieb der Staufen Arbeits- und Beschäftigungs-Gesellschaft, die auch Träger der Geislinger Recycling Werkstatt ist. In diesem Jahr führte die E-Bike Tour mit der VHS durchs Täle bis nach Berneck und wieder zurück über Drakenstein.   

Was mir noch zu sagen bleibt ist, dass mir beim Schreiben des Berichts doch bewußt geworden ist, wie zaghaft am Anfang die Zusammenarbeit mit den Behörden war und wie selbstverständlich jetzt der ADFC auch in Geislingen mit am Tisch sitzt, wenn es um die Sicherheit beim Radfahren und die Radverkehrspolitik geht.

Ich bin froh darüber, dass es nach längerem Anlauf gelungen ist, auch in Geislingen und Umgebung eine Ortsgruppe zu gründen. Ich freue mich, dass Achim Straile für diesen Neubeginn  bereit steht und ich damit meine Arbeit an ihn übergeben kann. Natürlich werde ich auch weiterhin die ADFC Arbeit noch mit begleiten und vielleicht die eine oder andere Tour übernehmen.

Uli Essig (ADFC Geislingen)

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